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Post-Zeitgeist

Klez.e live in Köln

Klez.e machen Nägel mit Köpfen: Während der Tour zum Weckruf-Album »Desintegration« opfern sie sogar ihre Hits dem höheren Wohl. Das kommt – nach anfänglichem Fremdeln – auch in Köln gut an.
Geschrieben am
15.03.17, Köln, Subway

Mit dem Anfang des Jahres erschienenen, großartigen »Desintegration« haben Klez.e zweierlei abgefasst: eine unverhohlene Liebeserklärung an The Cure und den Post-Punk auf der einen Seite, auf der anderen aber auch eine Botschaft in ureigenstem Sendungsbewusstsein. Die Weltlage gibt reichlich Anlass dazu: Nationaldünkel, Parolen, Abschottung – unwillkommene Flashbacks, über die ganz unbedingt zu reden ist, ereilen uns, Symptome einer Entwicklung, die nicht nur Ärger, sondern eben auch diesen neuen Klang von Klez.e hervorgebracht hat. Mobilisiert vom Weltschmerz wechselte die Band das Gewand, und wer weiß, ob sie sich mit anderen Mitteln hinter dem Ofen hätten hervorlocken lassen. 
Ins Subway gelockt haben Klez.e heute das Maximum. Einige Gäste haben ihren Joy-Division-Turnbeutel gleich mitgenommen, und weder die Saalmusik noch der liebevoll ausgewählte und überzeugend performende Support Box And The Twins gefährden den Vibe des Themenabends. Als das Gespann die kleine Bühne betritt, scheppert die Wahrheit auch schon aus den Verstärkern: Klez.e 2017 klingen kalt, düster und blechern, aber noch immer lieber aufrüttelnd als tröstlich, nicht zuletzt dank entsprechend geschliffener Texte. Post-Punk is the way, und wer seinen Ohren nicht traut, findet auf Tobias Sieberts Haupt eine überdeutliche Robert-Smith-Gedächtnisfrisur als Hilfestellung. Alle, die sich von diesem Abend Auflockerung durch alte Hits erwartet hatten, schließlich stand man ja mal für schmuckvoll-schwelgerischen Indie-Rock, lassen Klez.e. im Regen stehen. 

Beziehungsweise im Nebel, denn der wird heute immer wieder in rauen Mengen durch den Club gepustet: Songs wie »Madonna« oder das »Strandlied« wurden ohne Gnade zersägt und zu schroffen Kaltblütern verarbeitet. Das ist stellenweise schwer bekömmlich, am Ende aber nur konsequent. Denn wer sein neues Album als Manifest gegen die Nostalgie ausweist, darf auch vor seiner eigenen Vergangenheit nicht haltmachen. Will man liebgewonnene Melodien, muss man sie sich heute Abend angestrengt dazu denken, wird sich dabei allerdings schon bald in den immer monotoner ausgewalzten Instrumentalteilen verlieren. So wenig Respekt vor der eigenen Schöpfung verdient Respekt, und genau diese Haltung ist es auch, die das Konzert schließlich über die Zwei-Stunden-Marke hinausträgt, und die letzte Zeile von »Im Raum Mit Toten« kaum zufällig als Imperativ nachhallen lässt: »Jetzt wehren!« Sollte man sich kein zweites Mal sagen lassen.

Klez.e

Desintegration

Release: 13.01.2017

℗ 2017 Staatsakt.

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