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»Play it cool, boy«

King Krule live in Köln

King Krule bringt den Flow nach Köln. Und die Gewissheit, dass seine Platten nicht mit seiner Live-Performance zu vergleichen sind.
Geschrieben am
01.12.2017, Köln, Bürgerhaus Stollwerck

King Krule hat alles im Griff. Der Derwisch mit der Reibeisenstimme weiß, was zu tun ist. Jede Befürchtung, sein depressiv-verhangenes und von Jazz informiertes Zweitwerk »The Ooz« würde aufgrund von zu vielen introvertierten und anti-dynamischen Momenten live zur Zerreißprobe werden, ist umsonst. Die Methode dabei ist ebenso geschickt wie einfach: Man holt sich fähige Musiker auf die Bühne, die wissen wie Dynamik zu erzeugen ist, kürzt die ruhigen Passagen der neuen Stücke und erhöht die Frequenz des Schlagzeugers. Und so wird der Abend zu einem wilden Ritt, es wird gepogt, es wird geraucht, getrunken. King Krule umklammert das Mikro, hat diese Präsenz, die gottgegeben ist. Und diese morbide Stimme, die so gar nicht zu seinem zierlichen Äußeren passen will. Da braucht es keine Ansagen, keine Effekthascherei.


Doch der Punk-Anstrich des Abends bedeutet keineswegs, dass musikalisch geschludert wird. Schließlich war der Jungspund (Geburtsjahr 1994) auf der Brit School of Music – und so kann das Spektakel um die Musik herum auch dankbar weggelassen werden. Krule und seine Band mischen alt und neu, bei »A Lizard State« vom ersten Album wird das Bürgerhaus Stollwerck zum Tollhaus. So richtige Ruhephasen gibt es keine, alles ist im Flow, auch in den vermeintlich ruhigeren Passagen kocht das Blut eines verausgabungsbereiten Künstlers. 
Apropos, Künstler: An dieser Stelle muss unbedingt die Vorband Horsey erwähnt werden. Die Londoner haben sich in gelb-glitzernde Showtrachten geworfen und sehen ein wenig so aus, wie eine Band auf einem Highschool-Abschlussball in den 1980ern. Sehr filmisch wirkt das alles, vielleicht könnten sie für die nächste Staffel »Stranger Things« gecastet werden. Liebe Duffer Brothers, bitte übernehmen! Die Bandbreite ihres kurzen Sets reicht von sanften Croonerpassagen bis hin zu rockiger Ekstase. Muss man sich merken.

Zurück zum Wesentlichen: King Krule ist beim vorletzten Song angelangt. »Easy Easy« rotzt es durchs Mikro. Wie Billy Bragg nur ganz anders. Am Ende setzt das Schlagzeug ein und es gibt kein Halten mehr. Nach 50 bierseligen Minuten ist dann auch schon Schluss. Fast.


Zur Zugabe kommt der Brite dann zunächst allein zurück. »Our Getting Ribs« mit seinen interessanten, zirkulierenden Akkorden spielt er gekonnt und ein wenig verlangsamt, dann steigt die Band nochmal ein und es wird ein letztes Mal wild an diesem Abend. Das von der Euphorie des Wochenendes getragene Publikum wird bestimmt noch weiterziehen.

King Krule

The OOZ

Release: 13.10.2017

℗ 2017 XL Recordings

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