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extreme terror

Johnny Violent / „Industrial Strength“

Techno hat sich in dieser kurzen Zeit so ausdifferenziert wie Rockmusik in 25 Jahren. Was LTJ Bukem macht, interessiert D.O.A. nicht, und umgekehrt. "Härte" ist nur noch für eine kleine Minderheit ein Ziel, und auch keins per se, sondern als Stilmittel, als Ausdrucksmöglichkeit von Aggression und Le
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Autor: intro.de

Techno hat sich in dieser kurzen Zeit so ausdifferenziert wie Rockmusik in 25 Jahren. Was LTJ Bukem macht, interessiert D.O.A. nicht, und umgekehrt. "Härte" ist nur noch für eine kleine Minderheit ein Ziel, und auch keins per se, sondern als Stilmittel, als Ausdrucksmöglichkeit von Aggression und Lebendigkeit, als die oft beschworene Fortsetzung des Punk mit anderen Mitteln. Zumindest in Europa. In England stehen etwa Johnny Violent/Ultraviolence und das Ex-Grindcore/Deathmetal-Label „Earache“ für experimentellen Krach und kompromißlose Brutalität.
"Ultraviolence ist die eine Seite meiner Persönlichkeit. Das ist sehr düster und hat mehr Gehalt, Struktur und Substanz, während Johnny Violent aggressiver ist, noisiger, gleichzeitig aber auch lustiger." Seine erste Platte brachte er 1992 als Ultraviolence heraus, mit 21 Jahren in Eigenregie. Die offensichtliche Punk/Metal-Verliebtheit macht den Sohn eines Theologen auch offen für anderes. Kürzlich tourte er mit MOBY (der überhaupt kein Techno zu Gehör brachte) und wenig später mit der Punk-Band von EXPLOITED. Auch bei seinen eigenen Headliner-Shows besteht das Publikum kaum aus bunten Ravern, sondern aus Punks und gepiercten Leuten. Selbst diejenigen, die mit Techno sonst gar nichts anfangen können, finden Gefallen an verzerrten Sounds, schreienden Stimmen und schnellen, harten Beats.
Der Novelty-Effekt der ersten Rotterdam-Platten war schnell verspielt. Wo soll die Reise auch hingehen? Soll man die Stücke mit Metal-Samples überfrachten? Soll man immer "Fuck you" brüllen? Wie schnell kann man werden - 250, 500 oder gar, wie MOBY, 900 bpm? Johnny Violent hat die ironische Antwort: Auf "Burn Out" geht er auf 20.000.000 bpm ("world record attempt"), was nur noch wie ein kurzes "plenk" klingt. "Man kann nicht immer schneller und verzerrter werden, jedenfalls gilt das für mich. Die Leute denken, das wäre der Schlüssel zu aggressiver Musik. Ich versuche, Aggression in der Musik dadurch zu erreichen, daß die Tracks emotionaler weden, daß ich mehr vokale Ideen einsetze und themenbezogen arbeite." Doch auch das wird selbstironisch angegangen. Im Booklet von "Shocker", wo jedem Track ein Thema zugeordnet ist, heißt es: "Track: The Hardest Gabba. Subject: None. This is not intelligent techno. Fuck intelligent techno."
In den Staaten bemüht sich das Label „Industrial Strength“, aggressiver elektronischer Musik Gehör zu verschaffen. Der Ami an sich ist ja pragmatisch. Mit Konzept-Gabba hat der nichts am Hut. Hardcore ist für ihn einfach "music that makes you say: Fuck all this bullshit" (Dave/DELTA 9). Wenn man keine Lust mehr auf "C'mon"-Samples hat, nimmt man halt "Fuck your mother". Wenn man die 909 nicht mehr hören kann, schmeißt man halt Dinge auf den Boden und nimmt das auf, so wie D.O.A., die sich als "die Härtesten der Harten" bezeichnen. Die Sachen müssen vor allem eins: "cool" klingen. So hat man auch kein Verständnis dafür, daß ich einen Namen wie DJ SKINHEAD in Verbindung mit "Was ist los, Deutschland"- und "ZickeZackeZickeZacke Oi Oi Oi"-Samples nicht lustig finde. Wenn man an einer Sache nur die Härte mag, ohne Rücksicht auf Inhalte, kann man eben auch nicht zum Nazi werden. Lieber Slamdance als Pogrom.

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