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Ein Album wie ein gutes Essen

Joe Goddard im Interview

Willkommen im experimentellen Sterne-Restaurant von Joe Goddard. Mit seinem Solo-Debüt »Electric Lines« serviert er der hungrigen Hot-Chip-Electro-Meute ein Menü, bei dem man erst am Ende begreift, was da gerade kulinarisch mit einem passiert ist. Hannah Bahl hat den erstaunlich schüchternen DJ, Produzenten und Alleskönner zum Interview getroffen.
Geschrieben am
Das Album ist stilistisch ziemlich wild geworden. Hattest du jemals Angst, den roten Faden zu verlieren? 
Das Album hat zwar kein spezifisches Thema, aber ich glaube, man merkt im Sound sehr schnell, dass die Synthesizer oder Keyboards, die ich nutze, zu einem bestimmten Tempo und Drive führen, der sich durch das ganze Album zieht. Ich mag es, wenn ein Album so ein bisschen »all over the place« ist und gleichzeitig aber wie ein richtig gut abgeschmecktes Essen funktioniert, bei dem jede Komponente stimmt. Ich wollte ein Album machen, auf dem man geschmacklich jede Menge verschiedene Musikfarben probiert.

Viele der Songs klingen sehr positiv. Hast du dich bewusst dafür entschieden?
Ich bin eigentlich eher ein Pessimist und habe ernsthafte Probleme, bei der aktuellen Weltlage noch positiv zu bleiben, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie wir als Spezies aus diesem ganzen Mist hervorgehen sollen. Meine Frau erinnert mich dann immer wieder daran, dass das Leben doch auch sehr schön ist. Deshalb wollte ich unbedingt auch einen so positiv romantischen Song wie »Sail Away With Me« auf dem Album haben.

In »Electric Lines« singt Alexis die Lyrics: »Make something out of your fear.« Ist das für dich dann schon auch irgendwie eine politische Message im Hinblick auf die Lage der Welt? 
Ja, das kann man auf jeden Fall politisch verstehen. Ich finde auch, dass wir als Künstler eine Pflicht haben, den Mund aufzumachen und nicht wegzuschauen. Dabei bewundere ich jemanden wie Bob Dylan, der es einfach immer schafft, dass sich die Dinge nicht nach einer Predigt anhören. Ich wünschte, so könnte ich auch schreiben, um die Dinge, die ich gerne sagen würde, zu vertonen, aber ich bin halt leider kein guter Lyriker, da reicht es dann eben doch immer irgendwie nur für gute Pop-Songs.
Du hast auf dem Album viel gesampelt, und die Songs entwickeln sich oft in unerwartete Richtungen. Macht es dir Spaß, mit den Erwartungen der Leute zu spielen? 
Ja, auf jeden Fall. Natürlich mag ich richtig catchy Popsongs, aber mir gefällt es fast noch mehr, wenn ein Song plötzlich einen unerwarteten Haken schlägt. Das habe ich auf dem Album auch ein paarmal versucht. In »Home« habe ich mich dafür zum Beispiel von der Art und Weise, wie Kanye West sampelt, inspirieren lassen. Es klingt fast, als wäre man auf der Platte versehentlich zum nächsten Track gesprungen. Das ist halt eine sehr mutige Art, mit Referenzen umzugehen. Ich mag es, wenn die Leute dann kurz irritiert sind. 

Wann ist ein Song für dich denn gut? 
Ich finde, wenn es um Lyrics geht, sollte man einen Song nur selbst singen, wenn man hundertprozentig dahintersteht und das richtig aus tiefstem Herzen kommt. Von diesen Momenten habe ich leider nicht so viele, aber wenn das passiert, dann weiß ich auch, dass ein Song richtig gut ist. Ich möchte außerdem immer das Beste aus jedem Song rausholen, und manchmal arbeite ich dann eben so lange daran, dass ich selbst nicht mehr sagen kann, ob das jetzt gut ist oder nicht. Dann wird man so ganz seltsam gleichgültig, und es hilft nur noch, den Song einfach in der freien Wildbahn in einem DJ-Set zu testen, um zu schauen, was passiert, wenn ihn andere Leute hören. 

Warum denn eigentlich ein Solo- und kein neues Hot-Chip-Album?
Ich hatte das Gefühl, dass es jetzt einfach die richtige Zeit dafür ist. Ich wollte mir einfach mal den Spaß erlauben, keine Kompromisse machen zu müssen. Ein paar der Songs könnten sicherlich auch auf einem Hot-Chip-Album sein, aber darum ging es mir nicht. Mir war es wichtig, mich selbst mit diesem Album weiterzuentwickeln und über Grenzen hinauszugehen. Und mit Hot Chip ist alles gut, Alexis singt ja auch auf meinem Album.

Joe Goddard

Electric Lines (Deluxe Version)

Release: 21.04.2017

℗ 2017 Domino Recording Co Ltd

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