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On fire

J. Bernardt live in Köln

Einst Teil des belgischen Indie-Exports Balthazar, nutzt Gitarrist Jinte Deprez die Schaffenspause der Band gerade für sein Solo-Projekt J. Bernardt. Aktuell ist er mit seinem Debütalbum »Running Days« auf Tour.
Geschrieben am
Köln, 08.10.2017, Artheater

Fernab von den musikalischen Konventionen und Zwängen eines klassischen Indie-Pop-Settings, ist die Bühnensituation denkbar minimalistisch gehalten. Drei Musiker, MIDI-Tracks und jede Menge Loops, mehr braucht Jinte Deprez alias J. Bernardt nicht für seine musikalische Reinkarnation. Der Belgier hat den Anspruch, alles anders zu machen als mit Balthazar, sich musikalisch neu zu erfinden und mehr Sound-Experimente zu wagen. Da wundert auch die bescheidene Bandbesetzung nicht: der Keyboarder übernimmt Piano, Bass und Synthesizer, der Maestro selbst überlässt sich die Rolle des exzentrisch tanzenden Sängers, der hin und wieder Knopf drückend einen Loop einspielt oder mal kurz zur Gitarre greift, wenn ihm danach ist.

Mit dem Song »On Fire« eröffnet J. Bernardt das Konzert – eine metaphorische Prophezeiung für den weiteren Verlauf des Abends. »If you feel like dancing, don’t hesitate down.« sagt Jinte Deprez lachend und streicht sich die Haare aus dem Gesicht. Eine Einladung, mit der man vor dem ruhigen Indie-Background der Band nicht unbedingt gerechnet hätte. Während das im Juni erschienene Debütalbum »Running Days« von verführerischem Electro-Pop und gefühlvollen Vocals geprägt ist, dominieren live atmosphärische Synthesizer, R’n’B-Experimente und ausgedehnte Instrumentals. Eine Sounddiversität, die jede Erwartungshaltung an den Abend sprengt. In seinen neun Musikalischen Gefilden scheint Sänger Deprez sich mehr als wohl zu fühlen, wenn er gerade nicht lasziv Texte über Liebe und Sehnsucht ins Mikrofon raunt, tanzt er verträumt über die Bühne und schwingt den Drumstick wie einen Taktstock über seinem Kopf.

Trotz Erkältung ist die Performance des Multi-Instrumentalisten virtuos. Deprez selbst kommentiert diesen Umstand nur charmant mit »I’m a little bit sick, my voice is lower, but i like it.«. Ein Setting, das nicht nur bei Balladen wie »Motel«, sondern auch bei sphärischen Soul-Nummern wie »Wicked Streets«, bestens funktioniert. Neben Ekstase und Euphorie sorgt ein Schnurmikrofon-Fauxpas für allgemeine Belustigung beim Publikum. Nach einer Runde durch die Menge zog er diese wortwörtlich mit dem Mikrofonkabel in seinen Bann. Ungewöhnlich ruhig fällt dafür die Zugabe der Trios, nach energetischen 60 Minuten, aus: »We don’t have any more fast songs, so we have to play a slow one.« An dieser Stelle schließt sich der Kreis hier wird Perez mit der genuinen Erwartungshaltung gerecht, die er mit seinem Albumdebüt kreiert haben, obwohl sie zuvor fulminant beweisen, dass Experimente ihnen eigentlich noch sogar besser stehen. 

J. Bernardt

Running Days

Release: 16.06.2017

℗ 2017 Play It Again Sam

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