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Bier trinken mit Idolen

Interview zu 15 Jahre Tapete Records

Das Hamburger Indie-Label Tapete feiert in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag. Wir haben mit Label-Chef Gunther Buskies und A&R Carsten Friedrichs über Erfolge im widrigen Musikgeschäft gesprochen. Außerdem verlosen wir ein hübsches Vinyl-Paket.
Geschrieben am

Interview:
Julia Brummert

Wie ging es damals los mit Tapete Records?
Gunther: Wir waren insgesamt vier Leute, Niels Frevert, Dirk Darmstaedter, Gabi Dörr, die damals bei Motor Music gearbeitet hat, und eben ich selbst. Wir hatten die Idee, neben den großen Firmen eine Firma zu gründen, die uns selbst gehört und wo wir die Musik von befreundeten und spannenden Künstlern veröffentlichen können. Wir alle haben in der Branche gearbeitet, Niels und Dirk als Künstler und Gabi und ich auf der ›anderen Seite‹ des Schreibtisches und hatten die Wunschvorstellung, unsere eigenen Chefs zu sein.

Wie sah die Arbeit am Anfang aus?

Gunther: In der Gründungsphase haben wir erst mal die Künstler gesucht. Neben Niels und Dirk hatten wir weitere Künstler wie Tele, mit denen wir sehr früh angefangen haben zu arbeiten. Dann mussten wir Vertriebsverträge abschließen, damit wir die Musik auch in die Tonträgerläden bekommen. Ich bin damals bei Universal rausgegangen, weil die nach Berlin gezogen sind und ich in Hamburg bleiben wollte. Wir haben relativ früh ein Büro angemietet und im Laufe der Jahre immer mehr Büroräume aus der Gemeinschaft übernommen, bis das ganze Büro nur noch von uns besetzt war. Das ging alles ziemlich fix, nach einem Dreivierteljahr war das Büro hier unser Firmensitz.

Welche ist die schönste Erinnerung, die ihr mit Tapete Records verbindet?
Carsten: Ich war großer Fan der Band The Monochrome Set und hatte die ein bisschen aus den Augen verloren, bis mir vor ein paar Jahren ein Kumpel gesagt hat, dass die in der Astra Stube in Hamburg spielen. Das ist ein ganz kleiner Laden. Dann habe ich das Gunther erzählt und überlegt, ob die nicht auch was für unser Label wären, weil es schien, dass die keins hatten. Dann habe ich dem Bid von Monochrome Set eine E-Mail geschrieben, ob wir uns nicht treffen könnten. Kurz darauf saßen wir unter der Eisenbahnbrücke vor dem Kiosk mit meinem Idol und Vorbild Bid beim Bier und haben praktisch einen Plattenvertrag mit ihm gemacht. Solche Geschichten sind großartig.
Gunther: Es gibt so unglaublich viele. Immer wieder schön ist es, sich mit Lloyd Cole zu treffen und mit ihm, nachdem er vor 500 bis 600 begeisterten Fans in Hamburg gespielt hat, Schnitzel essen zu gehen und mit ihm Hamburger Kümmel der Marke Helving zu trinken, was für ihn ein absolutes Highlight ist. Da passieren einfach viele schöne Sachen mit Künstlern, die man schätzt oder, wie Carsten schon sagte, die man als Idol sieht. Wenn die dann die Platten bei uns rausbringen und wir uns die neuen Aufnahmen von Robert Forster oder Cole anhören kann und mit denen gemeinsam entscheidet, was man als Single promoten soll, das ist schon toll.
Wie führt man heute noch ein Label? Es heißt ja immer, es stünde sehr schlecht um das Musikgeschäft.
Gunther: Der Trick ist eigentlich ganz einfach: Man muss mehr einnehmen als man ausgibt. Das fällt manchmal schwer, weil man die Musik, die man veröffentlicht, in der Regel sehr schätzt und sich denkt, dass man hier und dort eine Plakatierung macht und dann bestimmt doppelt so viele Platten verkauft wie beim letzten Album. Aber die Erfahrung zeigt dann, dass man mit realistischen Mitteln mittelfristig für die Künstler mehr machen kann als wenn man einmal den Geldsack öffnet und auf volles Risiko geht. 

Ihr plant zum Geburtstag zwei große Partys. Wieso feiert ihr ausgerechnet in London und was passiert da genau?
Gunther: Für eine Firma, die ihren Sitz in Deutschland hat, sind wir schon lange nicht auf dieses Land begrenzt, sondern haben unsere Künstler immer weltweit vermarktet. In England haben wir wahrscheinlich einen genau so guten Ruf wie hier, da war es nur relativ normal, dass wir mit unseren englischen Künstlern in London feiern.
Carsten: Außerdem ist es auch einfach cool, als Label was in London zu machen. Man ist kein richtiges Indie-Label, wenn man nicht zumindest einmal in einem Pub in London eine Party gemacht hat!

Am 10. November feiert ihr auch in Hamburg, was passiert da?
Carsten: Da treten so sechs, sieben, Acts auf, ein schöner Querschnitt durch die Label-Geschichte mit Fehlfarben, Tele und auch ein paar jüngeren Bands, Jaguwar zum Beispiel, Zimt, Heim, wir, die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, spielen zusammen mit Andreas Dorau ein paar schöne Songs von ihm und das wird vermutlich ein rauschendes Fest.

Was wünscht ihr euch für die nächsten 15 Jahre?
Gunther: Wir sind niemand, der bei anderen Labels Künstler abgreift, wenn die noch irgendwo unter Vertrag sind. Eigentlich sind wir sehr zufrieden mit dem, was wir in den letzten 15 Jahren erreicht haben. Das ist eine Branche, die nicht gerade prosperiert, von daher wünschen wir uns in fünf Jahren ein Festival wieder in Hamburg und London zu machen, vielleicht kommt dann Paris dazu, und einfach so weiterzumachen wie bisher.
Carsten: Für mich ist das eine zweischneidige Sache. Als vor ein paar Jahren durchs Internt ging, dass Morrissey eine Plattenfirma sucht, habe ich alle möglichen Kanäle angeschrieben und ihm das Angebot zukommen lassen, dass er gerne bei uns seine nächste Platte veröffentlichen kann. Was man aber jetzt so hört ist er ein relativ anstrengender Kollege und letztendlich sind wir ganz froh, dass Morrissey nicht die Platte bei uns rausgebracht hat. Mit Wünschen sollte man vorsichtig sein.


Zum Geburtstag verlosen wir ein hübsches Vinyl-Paket von Tapete Records. Dari findet ihr die aktuellen Alben von A Projection, Zimt, Die Höchste Eisenbahn und Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen.
Bild: Lukas Senger
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Teilnahme ab 18 Jahre. Einsendeschluss ist der 14.11.2017. Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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