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Mit Christian Steinbrink

Immer noch Indie? #253

Vier Kontinente, doppelt so viele Stile: Indie ist polyglott, vielseitig und hochklassig zugleich. Niemand muss Einfaltspinsel sein!
Geschrieben am
Eine der besten metallenen Postrock-Platten der letzten Monate haben Sleepmakeswaves mit ihrem vierten Album »Made Of Breath Only« (Pelagic) hinbekommen. Natürlich ist der LP-Titel glatt gelogen, vielmehr zeigen sich die Australier bei aller majestätischen Wucht erstaunlich slick und vielseitig – vom plumpen Laut/Leise-Spiel haben sie sich schon länger verabschiedet. In ihrer Heimat haben sie es schon in die Top 20 der Charts geschafft, bei uns könnten sie zumindest dem Genre-Vorstand aus Mogwai, Russian Circles und Co. bald den Rang ablaufen.

sleepmakeswaves

Made of Breath Only

Release: 24.03.2017

℗ 2017 sleepmakeswaves

Aus einer ähnlichen stilistischen Ecke kommen die Hamburger Nihiling, sie haben sich auf ihrem vierten Album »Batteri« (Kapitän Platte) aber ein gutes Stück vom Ursprungssound des Genres emanzipiert. Die LP ist als stilistisch feinsäuberlich in zwei Hälften aus Indie- und Postrock geteiltes Konzeptalbum angelegt, glänzt aber tatsächlich als noch deutlich vielseitigeres Kunstwerk mit Elementen aus allen möglichen Ecken der avancierten, dramaturgisch fein akzentuierten Rockmusik. Das zeigt, wie viel diese Band kann und dass ein Aufstieg in die erste Liga hiesiger Postrock-Bands hochverdient wäre. 

Nihiling

Batteri

Release: 05.05.2017

℗ 2017 Kapitän Platte

Schlicht, aber reizend ist der Dream-Pop der Australierin Hazel English auf ihrer Doppel-EP »Just Give In / Never Going Home« (Marathon Artists). Die elf teilweise in Zusammenarbeit mit Day Wave entstandenen Songs dieses Europa-Debüts bestechen durch perlend leichte Melodien bei einer gleichzeitigen, Beach House ähnelnden stoischen Grazie. Sie erinnern eher an Twee als an Shoegaze, sind einfach, aber sinnfüllend arrangiert, setzen Ausrufezeichen und lassen sich zugleich noch Luft für Entwicklung.

Hazel English

Just Give In / Never Going Home

Release: 12.05.2017

℗ 2017 Marathon Artists Limited

Gothic Tropic aus Los Angeles wecken mit ihrem Debütalbum »Fast Or Feast« (Old Flame) schöne Erinnerungen an die vitale und popoffene Postpunk-Szene um Blondie und The Pretenders und verbinden diese mit Elementen von HAIM oder Warpaint. Hin und wieder wirken die zehn Stücke arg sonnig, sie gewinnen aber durch verspielte und kreative Arrangements und die einnehmende Performance von Songwriterin und Frontfrau Cecilia Della Peruti, die wirklich alles mitbringt, um bald aus dem Underground in das Blickfeld einer kritischen Masse zu treten.

Gothic Tropic

Fast or Feast

Release: 19.05.2017

℗ 2017 Old Flame Records

Es bleibt ein Rätsel, warum Nite Jewel der Durchbruch in populäre Synthie-Pop-Sphären bislang nicht gelungen ist. An ihrer Musik kann es jedenfalls nicht liegen, denn auch auf ihrem vierten Album schafft sie einen verführerischen Glam, der in manchen Momenten gar an Sade, Kate Bush oder Bat For Lashes erinnert. Im Vergleich zu seinen Vorgängern wirkt »Real High« (Gloriette) ein wenig heller und poppiger bis hin zu verträumter Tanzbarkeit, in den wie eh und je beeindruckenden Atmosphären aber noch bestechender.

Nite Jewel

Real High

Release: 05.05.2017

℗ 2017 Gloriette Records

Keine Ahnung, warum dieses Magazin Jane Weaver nach ihrem Debütalbum 2002 aus den Augen verlor. »Modern Kosmology« (Fire), die siebte LP der DIY-Musikerin aus dem Badly-Drawn-Boy-Umfeld, lässt das jedenfalls wie ein Versäumnis wirken. Denn das Album verbindet das Krautpop-Erbe von Stereolab und Pram mit Sixties- und Psych-Elementen à la Broadcast und wirkt auf diese Weise wie ein so tiefschürfender wie sehniger Trip in die Welten der Synthesizer. Da Weaver dabei aber ihr Songwriting nicht verloren geht, ist ihre Platte in diesem tradierten Genre hervorzuheben.

Jane Weaver

Modern Kosmology

Release: 19.05.2017

℗ 2017 Fire Records

Fast schon zwangsläufig kommen Soup aus dem norwegischen Umfeld Motorpsychos, und auch sie haben schon viele Jahre und Veröffentlichungen auf dem Buckel. »Remedies« (Crispin Glover) ist ihr bereits siebtes Album und verbindet dynamisch drängenden bis wirbelnden Rock mit sanft fließenden Prog-Passagen. Dass sowohl Dramaturgie als auch Songwriting stimmen, muss man angesichts der eingangs genannten Kumpanen nicht weiter betonen – dass »Remedies« deswegen ein großer Wurf ist, auch nicht. 

Soup

Remedies

Release: 07.04.2017

℗ 2017 Soup

Den ganzen Wahnsinn japanischer Popmusik hat Shugo Tokumaru schon in seinen verhackstückten Veröffentlichungen der letzten 15 Jahre ausgebreitet. Nun kulminiert er in seiner nach einer vergleichsweise langen Pause aufgenommenen neuen LP »Toss« (Polyvinyl), auf der Songs aus allen Ecken des Orchesters überfallartig attackiert werden und nur selten zur Ruhe kommen. Man merkt schnell, dass Tokumaru Multiinstrumentalist und kreativer Wirrkopf ist und in Deerhoofs Greg Saunier den perfekten Partner in Crime gefunden hat. Und – manchmal – ist »Toss« auch einfach wunderschön melodiöser Sixties-Pop.
An Letzteres schließt »I Romanticize« (Heavenly), das Zweitwerk von H. Hawkline, an. Auf dem Album sind zehn Songs voll von sonnendurchflutetem Westküsten-Sixties-Pop mit humorigen, theatralischen Kniffen, die an die Erzählweise von Stephin Merritt von den Magnetic Fields erinnern. Musikalisch hält Hawkline alias Huw Evans seine Stücke aber reduziert und leicht, er erinnert an Babybird oder die Feelies und wirkt damit so tief und erhebend zugleich, wie man es sonst höchstens bei Jonathan-Richman-Konzerten erleben kann.

H. Hawkline

I Romanticize

Release: 02.06.2017

℗ 2017 Heavenly Recordings under exclusive licence to [PIAS]

Vordergründig ist Christopher Paul Stelling ein weiterer, dem Folkrock zugetaner Singer/Songwriter. Dahinter schlummert aber noch viel mehr, wie sein neues Album »Itinerant Arias« (Anti-) zeigt. Stelling klingt darauf zerrend, tief und trotz enormer Vielseitigkeit und Kreativität stets unmittelbar sinnlich. Seine mit Country-Instrumentarium agierende Band treibt er mal in schwüle Sümpfe, mal in Richtung der störrischen Grandezza eines Nick Cave. Eine solche Platte gab es auch im vor Veröffentlichungen überquellenden Folk-Genre lange nicht mehr. 

Christopher Paul Stelling

Itinerant Arias

Release: 05.05.2017

℗ 2017 Anti

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