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Mit Christian Steinbrink

Immer noch Indie? #252

Der Indie-Reigen zieht sich in diesem Monat von wüst, robust und fordernd bis hin zu vornehm, matt und lieblich: Was Gitarren doch alles zu leisten imstande sind. 
Geschrieben am
Natürlich hat auch der Indie-Rock seine (potenziellen) Stadionbands. The Hold Steady, Fucked Up, Modest Mouse oder Weezer gehören sicher dazu, und auch White Reaper bringen auf ihrem zweiten Album »The World’s Best American Band« (Polyvinyl) an Rock-Sound, Bühnenperformance und Augenzwinkern alles mit, um ihrem Albumtitel gerecht zu werden und Springsteen abzulösen. Aber auch ohne Arena ist die LP ein höllischer, an Andrew W.K. erinnernder Spaß, um sich vor dem Weg in die Rock-Disco mit allen Sperenzchen aufzuhübschen. Bei aller eingängigen Schlichtheit tun diese Songs ihren Zweck.

White Reaper

The World's Best American Band

Release: 07.04.2017

℗ 2017 Polyvinyl Record Co.

Wer denkt, Punkrock habe ihm/ihr nichts mehr zu geben, darf sich gerne von Mobina Galore eines Besseren belehren lassen. Auf »Feeling Disconnected« (Gunner) trägt das kanadische Duo – man muss es so sagen – fett auf und verbindet eine dringliche 1980er-Lo-Fi-Attitüde mit der Wucht von stellenweise sogar Fucked Up. Kaum zu glauben, schließlich ist diese Band zu siebt. Lyrisch docken Mobina Galore an die Heimatlosigkeit (weiblicher) Adoleszenz an, ohne Klischees auch nur zu streifen. Dafür klingen die zehn Songs einfach zu unmittelbar.

Mobina Galore

Feeling Disconnected

Release: 24.02.2017

℗ 2017 Mobina Galore under exclusive license to New Damage Records

Noch mehr verzerrte Gitarren, die ausnahmsweise mal nicht abgestanden klingen, haben Aye Nako auf ihr zweites Album »Silver Haze« (Don Giovanni) gebannt. Die New Yorker beleben den politischen und musikalischen Ausdruck der frühen, wilden Sonic Youth neu und ergänzen ihn um unmittelbare Szenethemen wie DIY, queeres Leben und Postkapitalismus. Sie beschränken sich nicht auf einen Stil, sondern wandern zwischen den verschiedenen Ausformungen von Indie-Rock und Postcore, beherrschen sie aber alle mit einer bemerkenswert schroffen Kraft. 

Aye Nako

Silver Haze

Release: 07.04.2017

℗ 2017 Don Giovanni Records

Joan Shelleys selbstbetiteltes, trotzdem schon viertes Album (No Quarter) ist wahrscheinlich das Beste, was man in diesem Monat an puristischem US-Folk bekommen kann. Natürlich schließt sie an zeitgenössische Genre-Ikonen wie Alela Diane, Marissa Nadler oder die verehrenswerte Vashti Bunyan an, hat mithilfe der Familie Jeff und Spencer Tweedy aber auch einen psychedelisch angehauchten Vibe in ihre tollen Arrangements bekommen, der das Album wie einen anachronistischen Fiebertraum brennen lässt.

Joan Shelley

Joan Shelley

Release: 05.05.2017

℗ 2017 No Quarter Records

Der Traditionslinie von José González und Alexi Murdoch bis hin zu Nick Drake folgt der Franzose Raoul Vignal auf seinem Debütalbum »The Silver Veil« (Talitres) auf eine ganz hinreißende Art und Weise. Sachte Arrangements verbinden sich hier mit einem bestechenden Songwriting und herausragenden Fähigkeiten an der akustischen Gitarre. Dass seine Gesangsharmonien manchmal sogar so klingen, als hätten beide Kings Of Convenience hier miteinander gesungen, ist angesichts dessen nur noch ein Surplus.

Raoul Vignal

The Silver Veil

Release: 07.04.2017

℗ 2017 Talitres

Eine der größten Qualitäten Chantal Acdas ist ihre Wandlungsfähigkeit. Nachdem die Belgierin ihre letzten Alben erst mit Chris Eckman und dann mit Peter Broderick eingespielt hatte, gibt für »Bounce Back« (Glitterhouse) nun Phill Brown ihren Konterpart, der sich seine Meriten unter anderem für die Produktion von Talk Talks »Spirit Of Eden« abholte. Und das hört man: Acdas Stimme schwebt über so komplexen wie erhebenden synthie- und bläserlastigen Arrangements, die trotzdem nie synthetisch, sondern vielmehr watteweich klingen. Arrangements und Songwriting halten sich auf einem gleichmäßig hohen Niveau, ohne dass zu offensichtliche Reize herausstechen würden. Wer mag, darf sogar an die wunderbare Kate Bush denken.

Chantal Acda

Bounce Back

Release: 21.04.2017

℗ 2017 Glitterhouse Records

Nach seiner Zeit als Sänger der Isolation Years hat sich Jakob Nyström für Zärtlichkeit entschieden. Denn er versammelt auf dem selbstbetitelten Album (Startracks) seines Soloprojekts Algesten sanft-schwüle hymnische Popsongs, die sich aus Folk und Soul speisen – fast könnte man Yacht-Pop dazu sagen. Ein Feld also, bei dem alles auf die Qualität des Songwritings ankommt. Und da kann Nyström mit ein paar echten Ohrwürmern wie »Holding On« punkten. Mangels deutlicher Folk- und Indie-Kanten klingt die LP schon sehr schwedisch-süßlich, funktioniert aber uneingeschränkt.

Algesten

Algesten

Release: 02.12.2016

℗ 2016 Startracks

Erstaunlich, dass es James Yorkston, Jon Thorne und Suhail Yusuf Khan nach ihrem famosen letztjährigen Debüt tatsächlich zu einem zweiten Yorkston/Thorne/Khan-Album gebracht haben. Die drei Musiker aus unterschiedlichsten Welten scheinen wirklich zu einer Band zusammengewachsen zu sein, wie der schottische Folker Yorkston betont. »Neuk Wight Delhi All-Stars« (Domino) ist dementsprechend wieder ein unerhörtes Fusion-Album, auf dem Jazz friedlich neben schottischer und indischer Folklore steht und alles oftmals ineinander überlappt. Das klingt im ursprünglichsten Wortsinne faszinierend und meist auch wunderschön. Ein Album, das Grenzen auf selbstverständlichste Art und Weise sprengt.

Yorkston/Thorne/Khan

Neuk Wight Delhi All-Stars

Release: 07.04.2017

℗ 2017 Domino Recording Co Ltd

Die letzten Zeilen dieser Ausgabe gehen an Sophie Zelmani. Die Schwedin ist mittlerweile ein Faktotum des Songwriter-Folk und als solche sicher kein heißes Eisen mehr. Trotzdem bietet ihr zwölftes Album »My Song« (Oh Dear) eine neuerliche Gelegenheit, die gefühlige Geschichtenerzählerin und ihre zarten, matt und akzentuiert instrumentierten und von Jazz und Soul beeinflussten Lieder kennenzulernen. Möglicherweise ist das nichts für Leute, die sich ausschließlich jung und wild fühlen. Für alle anderen hat Zelmani aber wieder einen Reigen skandinavischer Chansons voller Sinnlichkeit und schönem Schmerz parat. So wie bereits seit über 20 Jahren. 

Sophie Zelmani

My Song

Release: 03.03.2017

℗ 2017 Oh Dear Recordings, Distributed by Universal Music AB

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