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Mit Christian Steinbrink

Immer noch Indie? #251

Indie-Rock wird von Verächtern nicht zuletzt dafür kritisiert, dass er vermeintlich zu wenig politisch sei. In dieser Ausgabe gibt es als Argumentationsfutter ex- und implizite Gegenbeispiele.
Geschrieben am
Wir starten den Monat ausnahmsweise mit einer Wiederveröffentlichung, allerdings von einer Band, deren Namen man gar nicht oft genug in Texten über Indie-Rock erwähnen kann: »Some Voices« und »Offcell«, die zwei EPs, mit denen die stilbildende Band Pinback ihre volle Brillanz entwickelte, werden als »Some Offcell Voices« (Temporary Residence) erstmals proper auf LP veröffentlicht. Bemerkenswert an dieser puren, mittlerweile fast zwei Jahrzehnte überdauernden Klasse ist die Einsicht, dass der Genius des US-Duos doch erst mit dem Release von »Offcell« ein Jahr nach »Some Voices« zutage trat. Aber das ist Kritteln auf höchstem Niveau, maßgeblich ist nur die dringende Empfehlung, diese Band zu entdecken.

Temporary Residence (Cargo Records)

Some Offcell Voices

Irgendjemand im Vermarktungsstrang Mark Kozeleks will uns das neue Sun Kil Moon-Album »Common As Light And Love Are Red Valleys Of Blood« (Rough Trade) als Zwischenveröffentlichung verkaufen, wohl vor der nächsten Kollabo-LP mit Jesu. Als Sessions-Compilation aus Kozeleks Kumpanei mit Steve Shelley (Sonic Youth) unter dem Eindruck des Trump-Schildbürgerstreichs. Dabei ist diese Doppel-CD kein Deut schlechter als viele der anderen großartigen Kozelek-Releases und auch lyrisch nicht noch lakonischer oder düsterer – wäre ja auch kaum vorstellbar. Stattdessen findet sich der Prosa-Meister unter den Indie-Songwritern inmitten seiner gewohnt fragilen, mantraartigen Arrangements plötzlich als spät entdeckter Prophet wieder, und auch diese Rolle erfüllt er mit der angemessenen, ihm exklusiven Würde und Klasse.

Sun Kil Moon

Common As Light and Love Are Red Valleys of Blood

Release: 17.02.2017

℗ 2017 Rough Trade

Auch Anohni widmet sich auf ihrer neuen EP »Paradise« (Rough Trade) wieder politischen Sackgassen und schwingt sich zu einem beeindruckenden feministischen Appell auf. Musikalisch sind die sieben Stücke ihrer Kurzveröffentlichung ähnlich furios und Genregrenzen sprengend wie schon ihr gefeiertes letztjähriges Album »Hopelessness«. Extrem beeindruckend, was für eine Klasse Anohni auch auf einem vermeintlichen Zwischen-Release auffährt. 

ANOHNI

Paradise - EP

Release: 17.03.2017

℗ 2017 Rough Trade

Ein anderer dieser längst über jeden Zweifel erhabenen Künstler ist der Brite Fink, der auf seinem eigenen Label nur noch das macht, was er will. Dementsprechend ist »Sunday Night Blues Club, Vol. 1« (R’Coup’D) eine Zwischenveröffentlichung, auf der sich der Ex-Elektroniker ausschließlich den sphärischen Auswüchsen des fragilen Blues widmet. Und auch das gelingt dank seines Talents faszinierend, wenn auch ohne Hemmungen vor Kitsch. Fink hat die Stimme, er hat das Songwriting, und vor allem hat er das nötige Gefühl.

Fink

Fink’s Sunday Night Blues Club, Vol. 1

Release: 10.03.2017

℗ 2017 R’COUP’D

In einer gerechten Welt wäre Shannon Wright eine der Grandes Dames des Indie-Rock, in etwa auf einem Level mit einer PJ Harvey. Das unterstreicht auch ihr neues Album »Division« (Vicious Circle), das ihr Talent in einer erstaunlichen stilistischen Bandbreite dokumentiert, weil es genauso wüste und unwirtliche wie zarte und fragile Passagen beinhaltet. Wann ist es endlich so weit, dass Wright als die Ikone gefeiert wird, die sie schon lange ist?

Shannon Wright

Division

Release: 03.02.2017

℗ 2016 Vicious Circle

http://www.intro.de/popmusik/immer-noch-indie-248-mit-christian-steinbrink Schon vor drei Monaten fand die Kalifornierin Jay Som in dieser Auswahl statt, damals noch mit ihrer Kleinformate-Compilation »Turn Into«. Was sie damals versprach, hält das erste propere Album »Everybody Works« (Polyvinyl) auf jeder Ebene ein: Die zehn Songs der LP klingen zusammenhängender produziert, besitzen aber mindestens genauso viel träumerischen Lo-Fi-Charme und melodiöse Sinnlichkeit, dass man sich mit dieser Platte in die Wanne legen mag. Sicher nichts für große Bühnen, kann dafür aber im Kleinen noch viel mehr lieb gewonnen werden.

Jay Som

Everybody Works

Release: 10.03.2017

℗ 2017 Double Denim

Ein ähnliches Kleinod ist »It’s A Myth« (Merge), das Debütalbum von Washingtons Eva Moolchan alias Sneaks. Der Lo-Fi-Charme ist ähnlich, allerdings treibt Sneaks in ein schlankes und von Postpunk inspiriertes minimales Wave/No-Wave-Umfeld und braucht dafür nichts außer einem billigen Keyboard, Drum-Computer und ihren dahinassoziierten Lyrics. Eben wegen der kurzen Spielzeit und der wie beiläufig wirkenden Skizzen ist das ein an Arthur Russell erinnernder diebischer Spaß.

Sneaks

It's a Myth

Release: 31.03.2017

℗ 2017 Merge Records

Extrem vielversprechend ist die unlängst wiederveröffentlichte Debüt-»EP 1« (PIAS) der New Yorker Dream-Pop-Band Cigarettes After Sex um den ziemlich androgyn singenden Frontmann Greg Gonzalez. Als würdige Erben von Bands wie Mazzy Star, Galaxie 500 oder Slowdive bestechen sie nicht nur durch ein hochklassiges Songwriting, sondern machen auch in puncto Arrangements vieles richtig, indem sie sich allem versperren, was nicht schon in den 1990ern originäres Mittel war. Aber ob das wirklich trägt, wird erst das kommende Album zeigen.

Cigarettes After Sex

Ep I. - EP

Release: 03.02.2017

℗ 2012 Cigarettes After Sex

Dass sich ein Set von Julia Holter von ihren Studioalben musikalisch ein gutes Stück unterscheidet, weiß jeder, der sie einmal live sah. Diese deutlich betulichere, akustischere Facette ihres Schaffens dokumentiert sie nun auf ihrem ersten Live-Album »In The Same Room« (Domino), mit dem ihr Label eine Reihe namens »Domino Documents« starten will, dessen Konzept die Künstler für die Live-Aufnahmen 24 Stunden lang in ein Londoner Studio sperrt. Wenn die Ergebnisse so vielseitig und tief gelingen wie bei Holter, kann man sich darauf freuen.

Julia Holter

In the Same Room

Release: 31.03.2017

℗ 2017 Domino Recording Co Ltd

Zum Schluss dürfen wir noch in »The Great Plains« (Ferryhouse) des norwegischen Popstars Thomas Dybdahl versinken. Der hat in Indie-Hausen vielleicht keine Lobby, aber dennoch so viel Gefühlig- und Sinnlichkeit in seinen Songs, dass man geneigt ist, eine furiose Gleichung aufzustellen: Kreuzt Lambchop mit Kings Of Convenience, Damien Rice und cleanem Pop, dann seid ihr nah dran. 

Thomas Dybdahl

The Great Plains

Release: 24.02.2017

℗ 2017 1MicAdventure under exclusive license to ferryhouse productions GmbH & Co.KG.

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