×
×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

im Interview: "Filesharing macht Musik zum Wegwerfprodukt"

Kings Of Convenience

Pirate Bay, Popkomm-Aus: Das Thema "Illegale Downloads" wird derzeit wieder heiß diskutiert. Wir sprachen mit den Norwegern darüber...
Geschrieben am
Filesharing, Netzsperren, Three Strikes Out, Pirate Bay, Popkomm-Aus: Das Thema "Illegale Downloads" wird derzeit wieder heiß diskutiert. Wir sprachen mit den Kings Of Convenience darüber.

In England formiert sich mit Lily Allen und Muse-Sänger Matt Bellamy gerade eine prominente Gegenbewegung zur Featured Artists Coalition (FAC), jenem Zusammenschluss an öffentlichkeitswirksamen Künstlern und Produzenten wie Blur-Drummer Dave Rowntree, Billy Bragg oder den Dinos Pink Floyd, die sich vehement gegen das geplante "Three Strikes"-Modell der britischen Regierung wenden, wonach notorischen Fileshareren nach wiederholtem Verstoß der Zugang zum Netz gekappt werden könnte.

Während Radioheads Ed O'Brien in dem angedachten Türöffner für Netzsperren den möglichen Auslöser eines aussichtslosen "Krieges gegen die Industrie" (O'Brien) seitens zahlreicher Internetnutzer sieht, werden nach einem Blogeintrag Lily Allens nun auch Gegenstimmen öffentlich, die zumindest die öffentliche Diskussion um eine dauerhafte Vergütung von Künstlern, die durch illegale Downloads benachteiligt würden, vorantreiben wollen. (UPDATE: Lily Allen hat die Kommentarfunktion des Blogeintrags soeben entfernt).

Nicht erst durch das Pirate-Bay-Urteil, der damit auch in Deutschland verbundenden Forderung nach Netzsperren und der wachsenden Präsenz der Piratenpartei im Rahmen der anstehenden Bundestagswahl ist das Thema Filesharing wieder (oder endgültig?) zum heiß-diskutierten Politikum geworden. Immerhin hat "das Internet" (Dieter Gorny) ja auch schon die Popkomm auf dem Gewissen...

Unser Autor Mario Lasar hat die beiden Kings Of Convenience-Macher Erlend Øye und Eirik Gambek Bøe in Rahmen seines Intro-Interviews zu diesem Thema befragt...

Erlend Øye: "Es ist wirklich nicht cool, dass Rapidshare oder Pirate Bay Musik, für die man zweieinhalb Jahre gearbeitet hat, anbietet, bevor sie offiziell veröffentlicht worden ist. Sie stellen Musik ins Netz, als handelte es sich um den Bagel des Tages. Was ich kritisiere, ist der Umstand, dass Musik im Internet wie ein Wegwerfprodukt präsentiert wird, was zu einer völligen Entwertung führt. Es ist die komplette Anti-Klimax, sowohl für die Fans, als auch für uns. Die Anbieter, die ich genannt habe, sollten zumindest mit den Musikern hinsichtlich des Erhältlichkeitsdatums kooperieren. Denn natürlich sollte Musik prinzipiell im Netz als Teil der großen Musikbibliothek der Welt erhältlich sein.
In Ländern wie Schweden scheint es politisch korrekt zu sein, sich für free downloads auszusprechen. Aber es ist wirklich nicht cool. Und ich kann das Argument nicht mehr hören, dass es nur die großen Plattenfirmen seien, die Geld verlören, denn ohne sie säßen wir nicht hier. Plattenfirmen bestehen aus Menschen, die in Musik investieren."



Auf der nächsten Seite: "Musik hat mittlerweile den Wert von Luft".

Filesharing, Netzsperren, Three Strikes Out, Pirate Bay: Das Thema "Illegale Downloads" wird derzeit wieder heiß diskutiert. Wir sprachen mit den Kings Of Convenience darüber.

Eirik Gambek Bøe:
"Musik geht den Bach runter, weil sie sich infolge von free downloads inflationär ausbreitet. Daher wissen die Leute Musik nicht mehr zu schätzen. Es gibt eine Qualität des Wertes. Man wertschätzt etwas, für das man schwer arbeitet oder das schwer zu finden ist. Gutes Essen ist schwer zu finden, also weiß man es zu schätzen. Luft hingegen ist sehr leicht zu finden, also schätzt man sie nicht. Im Zeitalter von free downloads nähert sich Musik mehr und mehr dem Wert von Luft an. Je leichter Musik zugänglich ist, desto mehr nimmt ihr ästhetischer Wert ab. Wenn Leute sich Mühe gemacht haben, um etwas zu bekommen, sagen sie hinterher: das war wirklich toll.

Jetzt spielen all die Dinosaurier-Rockbands in Bergen, die Rolling Stones oder Bruce Springsteen. Leute müssen achtzig Euro für ein Ticket zahlen, und alle, mit denen ich spreche, sagen, dass es fantastisch gewesen sei. Nur die Tontechniker nicht. Ich glaube, die Leute fühlen sich unbewusst gezwungen, die Konzerte gut zu finden, weil sie soviel Eintrittsgeld bezahlt haben. Man nennt so etwas kognitive Dissonanz. Die Leute richten ihre Einstellung nach ihrem Verhalten aus, nicht etwa umgekehrt. Man sollte meinen, Menschen handelten ihrer Einstellung gemäß, aber es scheint, dass Handeln größtenteils von Faktoren bestimmt wird, über die man keine Kontrolle hat. Dann passt man seine Einstellung seinem Handeln an und sagt, dass es sich wirklich gelohnt habe, achtzig Euro für Bruce Springsteen zu zahlen oder dass es toll sei, in einem Supermarkt zu arbeiten. In den meisten Fällen sind Menschen nicht Herr der Umstände, die ihr Handeln bestimmen."

Empfohlen von Intro:


Das neue Album von Kings Of Convenience, "Declaration Of Dependence", erscheint am 25.09. via Source / EMI.

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr