×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Made In The Dark

Hot Chip

Die Band, auf die sich alle Fraktionen einigen können. Warum eigentlich? Ich glaube, eine zentrale Rolle dabei spielt die Verknüpfung von
Geschrieben am

Die Band, auf die sich alle Fraktionen einigen können. Warum eigentlich? Ich glaube, eine zentrale Rolle dabei spielt die Verknüpfung von Dancefloor-Elementen mit einer Befindlichkeitsästhetik, die eher im klassischen Indierock anzutreffen ist.

Außerdem scheint alles, was Hot Chip anfassen, mit beiläufiger, cooler Geste realisiert. Allein der Umstand, dass man auf eher schroffe Weise von den ersten beiden Stücken "Out At The Pictures" und "Shake A Fist" begrüßt wird, beweist Klasse. Nach dieser sperrigen, strukturell monotonen Einführung wirkt "Ready For The Floor", einer der großen Hits des Albums, um so erfrischender. Hier offenbart sich exemplarisch das Talent der Band, Schüchternheit mittels transparent arrangierten Elektro-Pops umzusetzen.

Es fällt einem bei diesem Album auch plötzlich auf, dass sich Hot Chip als neuzeitliche Version spleeniger Früh-Elektro-Acts wie den Korgis und Sparks verstehen lassen. Der quirlige, existentialistische Humor dieser Bands ("I'm gonna hang myself from the family tree", Sparks) war dabei stets eingebettet in unprätentiösen Gebrauchspop, der sich auch in den leicht zu erschließenden Pop-Codes und süßen Melodien auf diesem Album materialisiert. Dass es nicht zu süß wird, ist dem für Hot Chip typischen locker durchhängenden statt gestrafften Songwriting geschuldet, das trotz pointierter Melodien Platz läßt für scheinbare Zufälle. Hot Chip bewegen sich stets in der Nähe glitzernder Oberflächen, etwaige Tiefendimensionen werden eher angedeutet als ausgelotet: etwa wenn die Musik Bezüge zu Soul herstellen will (wie im Titelstück, das klingt, als würde Todd Rundgren ein Stax-Stück covern).

Ansonsten sind Hot Chip zu wenig verwurzelt, was den Vorteil hat, dass die Musik sich im ständigen Fluss befindet, und gerade in dieser leichten Unfertigkeit besteht ja auch das Schöne, der Vorzug ihres Schaffens. Man erkennt an, dass sich Pop auch immer schon über Trashästhetik mit gewollt geringer Substanz definierte, vergisst dabei aber nicht, den Songs eine umarmende Qualität hinzuzufügen. Die Art, wie hier elektronische Musik in Szene gesetzt wird, hat nichts Kaltes oder Abweisendes - gerade gegen Ende wird die Platte leise und ein wenig beseelt -, und das macht Hot Chip so heutig und modern.
Mario Lasar


Die Gegenrede aufs Album des Monats zu verfassen, wenn Hot Chip dran sind - und das im nerdcoolen Popkultur-Knast zweiacht, na, viel Erfolg dabei. Einer dieser wenn auch inflationären Alles-richtig-Macher-Acts, die mit und nach ihrem letzten Album so aufstiegen, dass jetzt eh nur noch eingesammelt wird. Und trotzdem muss man kein Prophet sein, der Verriss-Part findet sicher mehr Leser als vieles andere im Heft. Warum? Schaulustigen-Crowd? Vielleicht - aber egal, und auch wenn ich garantiert ganz allein mit der Meinung dastehe, ich sage: Der Konsens nervt - eine fette Brille allein funktioniert schon als Trademark für die Band? Haut mir ab damit. Und das Album dazu! Noch cleverer als vorher.

Das heißt dann: Sperriger Umleitungspop zwischen Post-Dance-Kraut und Nickerchen. Wer dazu tanzt, hat sich wirklich einer amtlichen Selbsthypnose unterzogen. I want to believe! Ja, ist ja gut. Dem Rest sei gesagt, durch "Ready For The Floor", das wegen des Samples wie ein okayes frühes Egoexpress klingt, geht's aufwärts. Danach muss man durch weitere Halb-Experimente durch, von 70s bis Heavy-Rock-Pomp. Der durchpflügte Grat zwischen geil Abliefern und genial Glänzen wirkt richtig anstrengend.

Von wegen leichte Hand. Geschlossen sei mit einem Zitat einer bekannten Hamburger Künstlerin, Name trotzdem vergessen: "Wenn das das Erste wäre, was ich von Hot Chip hören würde, würde es mich nicht kriegen." Na, ist ja für alle zum Glück aber nicht so. Also daher letztlich doch: Instant-Klassiker. Man kann ja auch nicht gegen alles sein.
Martina Hergenröther

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr