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Isaac Gracie, Nilüfer Yanya, Velvet Volume u.v.m.

Unsere Highlights vom Eurosonic 2018

Wir waren unterwegs beim Eurosonic Noorderslag Festival in Groningen. Hier sind die Highlights von Julia Brummert und Christian Steinbrink.
Geschrieben am

Mittwoch

Nilüfer Yanya (Großbritannien), Vrijdag
Das Eurosonic ist nicht nur wegen der Auswahl an Bands so toll, sondern auch, weil es hier so viele schöne und besondere Venues gibt. Das Vrijdag ist eine Musikschule und während im großen Konzertsaal aufgebaut wird, übt nebenan noch eine Querflöten-Gruppe. In diesem Setting wirkt auch Nilüfer Yanya mit ihrer Band zunächst wie ein Quartett aus der Musikschule, jung sehen sie aus und charmanterweise vergisst Nilüfer zunächst auch noch, ihre Gitarre einzustecken. Mit den ersten Takten ist der Anfänger-Vibe aber direkt verflogen. Die Band spielt ihre spannende Mischung aus Soul, Blues und Pop souverän und überzeugend, Nilüfers Stimme hat dazu eine wahnsinnige Spannbreite. Neben den eigenen Songs covern sie »Hey« von den Pixies, was das Können der Saxophonistin der Band in ein besonderes Licht rückt. Die hier wirken längst wie Profis, man muss sie nur ein bisschen warm werden lassen.

HOLY (Schweden), Vera

Der Preis für das beste Outfit beim Eurosonic ist hiermit vergeben. In Berlin mag gerade die Fashion Week laufen, die Street-Style-Bloggerinnen würden sich nach HOLY jedoch die Finger lecken. Der Gitarrist hinten sieht aus wie Prinz Adam, der nicht verwandelte He-Man, der Keyboarder trägt Vokuhila und die Gitarristin macht den »Rock-über-Hose«-Look der Endneunziger wieder hip. Der garagige Sound vom 2015-Album »Stabs« bekommt in der leicht schrammeligen Vera die perfekte Umgebung. Die neueren Stücke sind da deutlicher im Dream-Pop einzuordnen. Die Performance ist etwas wackelig, aber nicht nur dank der Outfits trotzdem sehenswert und schlicht cool.
Velvet Volume (Dänemark), Huize Maas (main) 
Dänemark ist das Schwerpunkt-Land des diesjährigen Eurosonic. Eine der Bands in dieser Reihe sind Velvet Volume. Mit sehr viel Glitzer im Gesicht und auf dem Shirt stehen die drei Musikerinnen auf der großen Bühne des ordentlich gefüllten Huize Maas und machen richtig schön Krach. Auch wenn der Klang auf der Platte deutlich ausgefeilter wirk, kann der klassische Siebziger-Rock von Velvet Volume hier überzeugen. Laut, ausgelassen und voller Spielfreude lenken die Däninnen gekonnt davon ab, dass sie das Genre gerade kein bisschen neu erfinden – aber sie reizen es wundervoll aus.

Donnerstag

Lxandra (Finnland), Vrijdag
Sie ist verflixt nervös, man sieht es ihr an, aber kein Wunder: Die Finnin Lxandra steht zum ersten Mal mit dieser Bandkonstellation auf der Bühne. Ihr Bruder unterstützt sie am Bass, ihr Produzent sitzt am Schlagzeug, eine Freundin am Keyboard, sie alle leben mittlerweile in Berlin. Lxandra macht sehr klaren Pop, der vor allem durch die Bandbreite ihrer Stimme besonders wird. Lxandra kann kieksen, aber auch in die Tiefe gehen. Sie hat eine entzückende Ausstrahlung und mit jedem Song verfliegt die Aufregung immer mehr. Songs wie »Flickr« oder »Hush, Hush Baby«, den sie für ihre Mutter geschrieben hat und der in einer Weihnachtsreklame zu hören war, funktionieren live zwar, es hätte der Musik aber gut getan, wenn Lxandra und ihre Band ihnen etwas weniger Glätte verpasst hätten.
Bild: Frederike Wetzels
Högni (Island), Lutherse Kerk
Der isländische Tausendsassa Högni hat in seiner Karriere schon so manches angestellt: mysteriös-glamourösen Electro-Pop mit GusGus, frohsinnigen Indie-Folk-Frohsinn mit Hjaltalín. Zuletzt hat er mit »Two Trains« ein fein komponiertes Soloalbum auf dem respektablen Erased-Tapes-Label veröffentlicht und dafür seinen Sound ein weiteres Mal verbreitert. Bei seiner Solo-Show in der Lutherse Kerk ist davon allerdings wenig zu spüren, und das sagt nur noch mehr über das weitreichende Talent des Musikers aus: Er spielt eine Solo-Piano-Show, die neben musikalischer Finesse auch reichlich Witz bietet. Klar hat Högni bei Chilly Gonzales etwas genauer hingeschaut, aber sein Humor gepaart mit seinen kammermusikalischen Piano-Figuren sind so unterhaltsam wie stimmungsvoll – umso mehr in einer süßen kleinen Kirche wie der Lutherse Kerk.

Ankathie Koi (Österreich), Vrijdag (main)
Madonna der Achtziger, deine legitime Nachfolgerin ist gefunden: Die in Oberbayern geborene und in Österreich lebende Ankathie Koi füllt ihren enorm eingängigen und so reizenden wie leicht trashigen Synthie-Pop live mit soviel Enthusiasmus, dass man nicht anders kann, als sich davon anstecken zu lassen. Koi, die nach diversen Singles und Bandprojekten erst im letzten Jahr mit »I Hate The Way You Chew« ihr Debütalbum unter diesem Namen veröffentlichte, hat die B52’s studiert, sich frisurentechnisch auch vom David Bowie der Ziggy-Stardust-Phase inspirieren lassen und legt eine Show hin, die selbst die abgezocktesten Profis im großen Raum des Vrijdag mitreißt.

Giorgio Poi (Italien), Praedinius Gymnasium 
Groningen ist bitterkalt, aber Giorgio Poi macht trotzdem Bock auf Eis. Er singt, wirklich, »Mangiare Gelato« in einem seiner Songs. Musikalisch ist das recht guter Indie-Pop, aber durch die italienischen Texte und vor allem durch seinen Charme wird dieses Konzert zu einem kleinen Spektakel. Giorgio selbst trägt ein »Seinfeld«-Sweatshirt und singt sehr leidenschaftlich und die Beinarbeit seines tanzenden Bassisten würde Michael Jackson neidisch werden lassen. Man bekommt nicht nur Lust auf ein Eis, sondern auch auf den Sommer. Phoenix mögen mit ihrem aktuellen Album »Ti Amo« schon recht erfolgreich versucht haben, »Dolce Vita« musikalisch einzufangen. Giorgio Poi hingegen lebt es.
Blind Butcher (Schweiz), News Café
Ganz ehrlich: Es war vor allem der merkwürdige Bandname, der die Neugier auf die Schweizer angestachelt hat. Wer Lust auf abgefahrene Beats und eine Band mit viel Glitzerspektakel hat, ist bei Blind Butcher genau richtig. Sie verballern direkt am Anfang ihren Hit »Staubsaugerbaby« und machen damit klar, in welche Richtung dieses Show geht – ist wirklich eine Show, ein buntes Spektakel. Elektronisch, laut, ausgelassen und, was ob des abgehalfterten Musikgeschäftpublikums auch nicht allzu oft vorkommt: Die Leute tanzen! Ob man das auf Platte braucht? Wahrscheinlich nicht. Aber live sind sie ein großer Spaß. Glitzernden Jacken und Samtleggins sei Dank.

Malihini (Italien), Praedinius Gymnasium
Es verwundert kein bisschen, dass Malihini als erste italienische Band für das geschmackssichere Indie-Label Memphis Industries gesignt wurden. Denn bei den als Trio in Groningen auftretenden Musikern paart sich ein recht angesagter, an The xx orientierter Dream-Pop-Sound mit einem profunden Songwriting. Selbst auf der sicher nicht mit soundtechnischer Finesse glänzenden Bühne im Praedinius Gymnasium kommen sowohl ihre fein ziselierten Klangschichten als auch die Klasse ihrer Stücke gut durch. Diese erschwerten Rahmenbedingungen meistert die Band so charmant, dass man sie gerne so bald wie möglich in einem »richtigen« Club sehen will.

Freitag

Darling West (Norwegen), Coffee Company
Nicht nur das Abendprogramm des diesjährigen Eurosonic war wieder stark, sondern auch die Day-Shows umfassten nahezu alle der angesagten Acts des Newcomer-Festivals mit zusätzlichen Auftritten mit kleinerem Besteck. Wobei Darling West zu den Ausnahmen gehören, die eigentlich gar keine Newcomer sind. Ihr bereits drittes Album »While I Was Asleep« steht für Mitte Februar an und enthält wunderbar harmonieseligen Nordic Americana, wie die Band es selbst nennt. Im Kern besteht die Band aus dem Ehepaar Mari Sandvær und Tor Egil Kreken, und besonders charmant ist sie, wenn sie wie in der Coffee Company eine ihrer Duo-Shows spielt. Ihr Auftritt grenzt an eine Art musikalische Stand-up-Comedy, und die Songs werden auch nur mithilfe von Gitarre, Banjo und ihrem hinreißend harmonischen Gesang perfekt in Szene gesetzt.

Dakota (Niederlande), DOT (Restaurant)
Schon beim Reeperbahn Festival gehörten Dakota zu den Highlights, deshalb standen sie recht weit oben auf der Liste fürs Eurosonic. Schade ist nur, dass sie nicht wie gehofft im großen Saal des Planetarium spielen, sondern »nur« vorne im deutlich weniger atmosphärischen Restaurant. Zu ihrem verträumten Pop hätte die Sternenkulisse perfekt gepasst. Dafür werden sie in ordentlich Nebel gehüllt und verstecken, so möglich, ihre Gesichter hinter den gescheitelten Haaren. Songs wie »Icon« verbreiten aber auch so ihre Schönheit. Ein paar EPs haben sie bereits veröffentlicht, im Interview hieß es, das Album käme bald. Wir sind gespannt.

Seamus Fogarty (Irland), Lutherse Kerk
Auch Seamus Fogarty zählt nicht zu den blutjungen Newcomern des diesjährigen Eurosonic. Ohne erkennbaren Masterplan hat er in den letzten Jahren Alben und EPs veröffentlicht und ist 2017 für sein tolles Werk »The Curious Hand« auf Domino Records gelandet. Diese leichtlebige Herangehensweise spiegelt sich auch in seinem Auftritt wieder: Er spielt von klassischer schottischer Folklore inspirierte und mit experimentellen Kanten versehene Songs à la James Yorkston, hier ausnahmsweise mal mit einer dreiköpfigen Band, und zeigt sich dabei als äußerst unterhaltsamer Zeitgenosse. Mit seinen kommunikativen Sperenzchen und dem selbstironischen Auftreten animiert er sein teilweise in Schottenröcken erschienenes Publikum wie kein anderer Act des Eurosonic zur Teilnahme, und seine so sehnsüchtige wie vielseitige Musik tut dabei ihr übriges.
Pip Blom (Niederlande), Heerenhuis
Hoffentlich habe die ganzen Musikgeschäfts-Profis beim Eurosonic ihre Ohren bei diesem Konzert gut gespitzt. Pip Blom sind eine ausgelassene, sehr junge Band aus den Niederlanden. Ihre Spielfreude ist ansteckend, im Heerenhuis sieht man nicht wenige breit grinsen, als Sängerin Pip ihr »Babies Are A Lie« ins Mikrofon patzt. Unterstützt wird sie von ihrem Bruder Tender. Der zweistimmige Gesang kam auf den Aufnahmen gar nicht so sehr raus, verleiht der Musik aber live noch mehr Verspieltheit und Tiefe. Pip Bloms schrammeliger Slacker-Pop ist eingängig und macht großen Spaß. Die Band ist in den Niederlanden bald als Vorband von Franz Ferdinand zu sehen – hoffen wir mal, dass dort noch mehr Menschen so überzeugt von ihnen sind, wie wir.

Isaac Gracie (Großbritannien), Lutherse Kerk
Der junge Songwriter Isaac Gracie gehörte im Vorfeld zu den heiß gehandelten Acts des Eurosonic und hat bereits einen Major-Label-Vertrag in der Tasche. Warum das so ist, kann er auf der Bühne der Lutherse Kerk als einer der letzten Acts des Festivals gut belegen: Der eigentlich recht verhuscht wirkende Typ zeigt sich erstaunlich souverän im Bereich des getragenen, für ein großes Publikum vielversprechenden Folk-Pop, kann aber sogar noch mehr. Seine Songs sind von herausragender Qualität und kommen besonders dann gut zur Geltung, wenn seine zweiköpfige Band nur ganz sacht unterstützt und Isaac Gracie weitgehend in den Mittelpunkt stellt. Bei vielen der zentralen Acts des Festivals bekam man das Gefühl, dass ihre Musik schon viel zu früh arg glattgebügelt wurde. Gracie hat sich seine eigene Handschrift gewahren können, und es steht ihm dennoch eine erfolgversprechende Zukunft bevor.

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