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Feine Sahne Fischfilet dürfen nicht nach Riesa

»Herausragend scheiße!«

Die offen antifaschistisch agierende Punkband Feine Sahne Fischfilet erhielt die Tage eine Konzertabsage. Riesa - eine Stadt in Sachsen, Landkreis Meißen – ist schon seit längerem für eine aktive, präsente rechte Szene bekannt, hier nun sollten und wollten Feine Sahne Fischfilet auf dem lokalen Stadtfest ein Zeichen setzen. Doch es kam anders.
Geschrieben am

In einer Stadtratssitzung unter dem Vorsitz der CDU-Bürgermeisterin Gerti Töpfer wurde beschlossen, die Mecklenburger Band wieder auszuladen. Schon im Vorfeld hatte ein NPD-Abgeordneter und gewähltes Stadtratsmitglied auf einen Ausschluss der Band gedrängt – und bezog sich dabei auf deren Verfassungsschutzeintrag.

In Riesa wolle man in jedem Fall »keine politische Kampfbühne« bieten, vor allem nicht in einem Rahmen, der offenkundig dafür da sei, seinen Bürgern lediglich »Freude und Unterhaltung zu bieten«. Wir sprachen mit Jan »Monchi« Gorkow, Sänger von Feine Sahne Fischfilet zur Lage der Nation in Riesa.

 


Wie hat euch die Absage erreicht? Hat die Bürgermeisterin selbst angerufen?
Wir standen im Kontakt mit einem Menschen, der das Line-Up für die Jugendbühne organisierte. Die Absage war dann so eine Art Rundmail an alle Beteiligten, in der sich auch die Bürgermeisterin befand. Wir haben einmal kurz geantwortet, haben uns bei dem Menschen bedankt, der uns in die sächsische Tristesse holen wollte und allen anderen den link unseres Songs »In unseren Augen« geschickt, in dem die Zeile »Verfassungsschutz und Nazis gehen weiter Hand in Hand« auftaucht. Das war‘s.

 

In der Diskussion werdet ihr als linksradikale Krawallband angegangen, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird - was denkt ihr, ist die Absage eher der Angst vor links-autonomen Aktivistenbands oder der Angst vor der Reaktion hiesiger Fascho-Gruppierungen geschuldet?
Da kommen sicherlich verschiedenste Sachen zusammen. Vielleicht haben die wirklich Angst, dass ihre Faschos abdrehen. Denen ist sicherlich aber auch bewusst, dass wir da nicht angekommen wären und zwischen jedem Lied erzählt hätten, wie geil das hier alles in Riesa ist. Zudem haste als Mutti und Papa bestimmt auch kein Bock drauf, dass dir irgendeine Band erstmal erzählt, wie abgrundtief scheiße sie doch deine Söhne, Töchter, Neffen und Nichten finden.

 

Euer Auftauchen im Verfassungsschutzbericht wurde seinerzeit ja auch dank eures Labels Audiolith zu einem Riesen-PR-Coup - aber habt ihr in solchen Fällen dann doch konkrete Nachteile, weil sich Dritte auf diese Institution (und mit ihnen gegen euch) berufen können?
Sowas ist bisher zum Glück relativ wenig vorkommen, aber es passiert, wie man an gerade gut sieht. Zum Glück haben viele Leute scheinbar aber auch einfach gecheckt, wie erbärmlich der Verfassungsschutz ist. Sich etwas von einer Behörde erzählen lassen, die Nazistrukturen aufbaut, ist vielen Leuten dann doch zu düsig. Außerdem gab es eine Kampagne der Neonazis, nachdem unser neues Album rauskam. Sie riefen dazu auf, in die Media Märkte etc. zu gehen und die Läden aufzufordern, unsere CDs aus dem Sortiment zu nehmen. In einigen Städten wie beispielsweise Greifswald hat dies auch geklappt und die Läden haben auf die Nazis gehört.

 

Ist dieser Fall etwas Einmaliges - oder begegnen euch solche Storys öfter im Tourkalender?
Die Geschichte mit Riesa ist schon herausragend scheiße!


Ihr habt jetzt am 23.August frei. Was macht ihr mit der gewonnenen Zeit?
Vor ein paar Wochen stellte ein SPDler im Landtag Mecklenburg Vorpommerns ja sinngemäß die Frage »wer denn so eine krawallband wie uns sein Wohnzimmer einladen würde«. Da wir dieser Frage natürlich auf den Grund gehen wollten, verschenkten wir ein Wohnzimmerkonzert. Über 100 Leute haben sich beworben. Eine Behausung haben wir uns ausgesucht und nun haben wir endlich auch einen freien Termin gefunden. Eins ist definitiv klar. Wird ein traumhafter Ersatz für Riesa. Mehr verraten wir noch nicht...

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