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Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #252

Der Frühling ist da und mit ihm neun tolle Platten, die den ersten warmen Tagen genauso gut zu Gesicht stehen wie den noch ziemlich kalten Nächten.
Geschrieben am
Wenn es mittags warm wird, bekommen wir Lust darauf, draußen zu sein. Als Soundtrack passen dazu Chris Kramer & Beatbox’n’Blues ganz vorzüglich, die auf »On The Way To Memphis« (Blow Till Midnight) eine sehr eigene Version von Bluesrock präsentieren. Die Roots-Gitarre spielt Sean Athens, an der Mundharmonika agiert Kramer selbst, und für die Percussions sorgt – und das ist der Clou – Beatbox-Champion Kevin O’Neal mit dem Mund. Das macht viel Spaß und geht mit einem kühlen Bier an einem warmen Abend im Freien ausgezeichnet einher.

Chris Kramer & Beatbox 'n' Blue

On the Way to Memphis (feat. Kevin O' Neal)

Release: 24.02.2017

℗ 2017 Blow Till Midnight Records

Eher beschaulich geht es bei der LischKapelle vom Chiemsee zu. Auf »How We Struggle« (White Chapel) spielen die vier Bayern einen wunderbar harmonischen, bläsergetränkten Folk-Pop, der sich anhört, als träfen Element Of Crime auf die Young Chinese Dogs. Hochgradig harmonisch, äußerst liebevoll und überaus versiert zelebriert das Quartett die Schönheit des Moments und beklagt dessen zwangsläufige Flüchtigkeit mit herrlich dreistimmigem Gesang und angenehm zupackendem Pop-Schmiss. Wärmt das Herz.

LischKapelle

How We Struggle

Release: 10.03.2017

℗ 2016 White Chapel Records

Und wo wir bei Beschaulichkeit mit Bläsern – wenn auch hier etwas handfester dargeboten – sind, ist es nicht weit bis zu Von Weiden. Deren »Klang der Provinz« (Kursaal) versteckt seine ländliche Herkunft ganz und gar nicht. Derart sorgsam aufgeschichtete Indie-Folk-Hymnen schreibt man eben am besten mit Blick auf die Weite. Dann nennt man die Songs folgerichtig »Hügelland«, »Direktsaft« (aus regional angebauten Früchten, klar) oder »Mofa« (was wäre man ohne da draußen?) und verfasst Ode um Ode an die lieb gewonnene Heimat, Gott sei Dank ohne Kitsch und falsche Romantik. Tolle Songs mit pittoresken Texten.

Von Weiden

Ruf der Provinz

Release: 03.03.2017

℗ 2017 Kursaal

Ähnliches mutmaßt man auch bei Hermelin und ihrer EP »Tüdelüt« (Pain Of Mind) zu finden, richtig? Au contraire: Hier gibt es einen hörenswerten Mix aus Math- und Postrock, dezent angejazzt, ohne Texte, und das ist vielleicht auch ganz gut so, wenn man sich die Tracklist mit obskuren Titeln wie »Knuffelschock« oder »Raketenheinz« recht besieht. Das hätte zu einer Gaga-Nummer werden können, und das Problem Hermelins wird sein, dass viele das angesichts des illustren Titulierens auch glauben werden und sich erschreckt abwenden. Tut das nicht. Ihr würdet es bereuen.
Dadaismus würde man auch bei einer EP erwarten, die »Roekki Zimt« (Oimo Music) heißt. Doch Michi Rieder, der sich nach seinem Uropa Nikolaus Wolf nennt, sieht sich eher in der Tradition großer Songwriter wie den Gallagher-Brüdern, Elliott Smith oder entsprechenden Pionieren aus den 1960ern. Sein Gitarrenpop, den er mit Klavier, Xylofon und Streichern anreichert, ist mal traurig, mal beschwingt und hat einen herrlichen Spannungsbogen, sodass es wirklich schade ist, dass es erst vier Songs von ihm gibt. Egal, wie das Album dann heißt: Behalten wir im Auge. Ist schön.

Nikolaus Wolf

Roekki Zimt - EP

Release: 24.03.2017

℗ 2016 OIMO MUSIC

Als Aydo Abay den mächtigen Blackmail den Rücken kehrte, schrie die Fangemeinde auf und witterte das Ende der Band. Das wurde mit Mat Reetz als ebenbürtigem neuen Frontmann gerade so noch abgewendet. Der veröffentlicht nun mit »962« (Tumbleweed) ein erstes Soloalbum, das mit Blackmail musikalisch nichts am Hut hat, sondern traurig und nach Indie-Pop mit Folk-Aspekten klingt, verhallten Vibes und pluckernden Beats. Es steckt eine Menge Talent in diesem Typen, das zeigt diese hingebungsvolle persönliche Liedersammlung mit jeder der zehn dunkel-sanften Songperlen.

Tumbleweed Records (Broken Silence)

962

Tides! aus Saarbrücken huldigen auf »Celebrating A Mess« (Midsummer) eher anderen Helden. Die vier Jungs haben nach etlichen Projekten ihre musikalische Mitte in hemdsärmeligem Punkrock gefunden, der sich vor Bands wie Hot Water Music verneigt, sich in seinem zupackenden Charme aber auch nicht vor selbigen verstecken muss. Sehr mitsing- und mitspringbar, eingängig und quasi prädestiniert für die Festivalbühnen des nahenden Sommers.

Tides!

Celebrating a Mess

Release: 14.04.2017

℗ 2017 Midsummer Records

Aus Leipzig kommen sowohl Lingua Nada als auch Paan, die nach einer gemeinsamen Tour vor zwei Jahren beschlossen, eine gemeinsame Split-EP (Kapitän Platte) aufzunehmen. Fünfmal Posthardcore-Shoegaze-Indie-Noise von Lingua Nada, dreimal Screamo-Hardcore von Paan: Das ist vor allem laut, da regiert das konstruktive Chaos, da wird einem mit heißer Nadel das Trommelfell durchlöchert, wobei die verzweifelt-wütenden Ausbrüche von Paan mit wuchtig gebrüllten, tatsächlich mehrsprachigen Vocals mit absolut tanzbarem Indie-Rock in sich zwingender sind als die zappelig-hektischen Mathrock-Exzesse Lingua Nadas.

Lala Schallplatten

Split EP

Düsterer wird es bei Start A Fire, aber das ist bei einem Album, das »Schattenjagd« (Twisted Chords) heißt, auch nicht anders zu erwarten. Stilistisch irgendwo zwischen Fjort und KMPFSPRT beheimatet, werden hier die Frustration über eine zu Ignoranz und Selbstgerechtigkeit verkommene Gesellschaft, aber auch über die eigene Unzulänglichkeit, Lügen und Hass mit überaus prägnanter Bildsprache herausgebrüllt. Das gerät zu einer ziemlich bissigen, aber auch äußerst packenden Angelegenheit, intensiv und ausdrucksstark. Darf man gerne öfter hören, wenn man es denn aushält.

Start A Fire

Schattenjagd

Release: 10.02.2017

℗ 2017 Twisted Chords

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