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Mit Benjamin Walter

Heimspiel #234

In diesem Monat gibt es in der eigentlich stets freundlichen »Heimspiel«-Rubrik auch mal kritische Töne. Wie konnte es nur so weit kommen? Lest selbst!
Geschrieben am
»Weißer Wal« (Tumbleweed) von Daniel Decker erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem ich schon fast aufhören wollte, daran zu glauben, dass dieses Album jemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Aber Decker hat es durchgezogen. Diese Jagd nach etwas, das so wichtig ist, auch wenn es einem nicht unbedingt ausschließlich guttut. Die schon fast karge Produktion, die nörgelige Stimme und die sehr eigenen Texte, deren kämpferischer Ton immer mehr Notwehr als revolutionäre Pose ist, machen »Weißer Wal« zu einem echten Außenseiter-Album, in dem sich doch fast jeder wiederfinden kann. Musik aus Schmerz, aber voll trotziger Hoffnung.

Daniel Decker

Weißer Wal

Release: 05.06.2015

℗ 2015 Tumbleweed Records

Aktueller Postpunk ist häufig eine ziemlich ernste Angelegenheit. Die Musik klingt zwar mächtig cool, aber so richtig Spaß hat daran auch niemand mehr. The Highbrow aus Heidelberg bringen den Soul, die Orgel, die Ironie und das Überdrehte zurück in dieses Genre. Zu den sechs neuen Stücken auf »Pelican Sounds« (Elite) mit ihren mitreißenden Melodien, die teilweise sehr angenehm an The Robocop Kraus erinnern, kann nun knapp 25 Minuten exaltiert mit dem Arsch gewackelt werden. Das macht Spaß und sieht außerdem noch mächtig cool aus.

The Highbrow

Pelican Sounds - EP

Release: 19.06.2015

℗ 2015 Eliterecords

Noch eine Veröffentlichung von Tumbleweed Records. Das kleine Label aus Köln ist einfach zum Liebhaben. Krälfe machen auf ihrem Debütalbum »Krälfe« (Tumbleweed) alles so, wie ich es mag. Bescheuerter, aber sehr griffiger Bandname, ein irres Konzept, nämlich Instrumentalmusik nur mit Bass und Schlagzeug, und Umsetzung komplett uneitel. Denn der Bandsound ist kaum produziert, sondern klingt eben so, wie Drums und ein angezerrter Bass nun mal klingen. Die Stücke sind vom Aufbau auch nicht extrem komplex oder übertrieben virtuos eingespielt. Gerade deshalb erzeugt die Musik einen einzigartigen Sog. Alle anderen Instrumente denkt man sich ganz einfach selbst dazu. Danke für diese tolle Erfahrung.

Krälfe

Krälfe

Release: 05.06.2015

℗ 2015 Tumbleweed Records / Krälfe

Richard Kapp & The Gowns und ihr Album »Fake!« (Vienna2day) gingen mir zuerst etwas auf die Nerven, denn das hier ist die ganz große Tingeltangel-Show: ein Geklimper und Gedüdel wie auf einem historischen Rummelplatz. In jeder Sekunde muss etwas passieren, denn das hochverehrte Publikum will ja unterhalten werden. Nur ich nicht? Im zweiten Durchlauf bin ich dann aber doch dem witzigen Charme der Texte und der Freude an der musikalischen Opulenz der Stücke des Wieners Richard Kapp erlegen. The Divine Comedy lassen hier grüßen, und ich grüße freundlich zurück.

Richard Kapp & the Gowns

Fake

Release: 25.06.2015

℗ 2015 vienna2day

Einen schwierigen Fall stellen die Band Mind Trap und ihr Album »Chaijerland« dar. Deren durchaus eigenständiger, aber ziemlich streberhaft und mit heiligem Ernst vorgetragener Indie-Folk gefällt mir nämlich wirklich überhaupt nicht. Aber ich bin auch kein kompletter Stümper und kann deshalb erkennen, dass hier von drei jungen Männern aus Bad Kreuznach auf absolut internationalem Niveau musiziert wird. Dauerrotation im Studentenradio, die großen Festivalbühnen, der Song zum Handy-Werbespot: Hier ist für die weitere Karriere echt noch alles drin. Das muss man nicht mögen oder wollen, aber an diesen Punkt kommt eben auch nicht jeder.

Mind Trap

Chaijerland

Release: 15.05.2015

℗ 2015 Mind Trap

Nachdem ich mich durch das total peinliche und unangenehme neue Album von Blockflöte Des Todes gehört hatte, war meine Lust auf Singer/Songwriter mit lustigen Namen nicht direkt größer geworden. Zumal beim Grillmaster Flash Künstlername und Covergestaltung durchaus Schlimmes erwarten ließen. Aber wie so oft: großer Irrtum und sofort das Gegenteil behaupten. Das Album »Andere Leude My Ass« (Speck Flag) ist grundsympathisch, liebevoll, selbstironisch, melancholisch und schlau. Der Grillmaster kommt zudem aus meiner Lieblingsstadt Bremen und spielt mit seiner Band eine Art flotten College-Rock. Weltschmerz plus eingängige Melodien, das funktioniert doch einfach immer.

Grillmaster Flash

Andere Leude My Ass

Release: 26.06.2015

℗ 2015 Speck Flag

Sad Mermaid kommt aus Berlin und macht vermutlich alleine in ihrem Zimmer mit Laptop, Piano und dunkler Stimme Musik. Aus dieser mittlerweile doch nicht völlig ungewöhnlichen Kombination holt Katarina Burchin mehr raus, als jemals drin war. Die EP »Gestures« vereint hypnotische Frickel-Elektronik mit der großen Klavierballade und Dreampop mit R’n’B. In manchen Momenten ist es fast unheimlich, was Burchin mit Samples, düsteren Synthie-Flächen, schnarrenden Gitarrenseiten und ihrem Gesang so anstellt. Und dann wird es richtig gut.
Den Namen der Band Er France habe ich in den letzten Jahren schon häufiger gelesen, mir die Band aber irgendwie nie angehört. Dabei war ich mir immer sicher, dass das bestimmt ganz in Ordnung ist. Nun liegt das neue Album in der Dropbox, und ich hatte natürlich recht. Voll die Spürnase für guten Sound! Fröhlicher, aber auch nicht banaler Bubblegum-Punkpop mit sehr charmantem Gesang (auf Englisch mit französischem Akzent!). Der leicht schrammelige Retro-Sound wird dabei nicht krampfig authentisch durchgezogen, sondern auch mal aufgebrochen. Außerdem gibt es auf »The Great Escape« (3Klang) eine ganz erstaunliche Hitdichte. Eigentlich gibt es sogar nur Hits!

Er France

The Great Escape

Release: 29.05.2015

℗ 2015 3Klang records

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