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Die wahrscheinliche coolste Band des Landes

Gurr live in Köln

Laura Lee und Andreya Casablanca sind eine für Deutschland ungewöhnliche Erscheinung. So lässig, harmonisch und großartig ist ihr mitreißender Garage-Rock, dass ihr Kölner Konzert eine wahre Freude ist.
Geschrieben am
06.12.2017, Köln, Gebäude 9

Man muss es mal so deutlich sagen: Gurr sind die coolste Band, die jemals in diesem Land zwischen Gartenzwergen, AfD und Mark Forster existiert hat. Warum das so ist, ist gar nicht so leicht zu greifen. Vermutlich ist es eine Mischung aus diversen Faktoren, die auf natürliche Weise miteinander harmonieren. Das führt direkt zum ersten Punkt: Der Harmonie zwischen den beiden Bandmitgliedern Laura Lee und Andreya Casablanca.

Die beiden scheinen partner in crime, beste Freundinnen und spaßig-geniales Songwriterduo in einem zu sein. Letzteres merkt man vor allem auf dem famosen Debütalbum »In My Head«, die ersten beiden Punkte vor allem live: Die Intimität, die die beiden untereinander durch wahrscheinlich unzählige durchzechte und -tanzte Nächte aufgebaut haben, wird auch auf der Bühne ausgelebt. Da wird über Blasenentzündungen, misslungene Stagedives und feministische Selbstzuschreibungen mal mehr aber meistens weniger ironisch geredet.
Vor allem ihre wunderbar selbstermächtigende Feminismusauslegung ist – soweit man das als Mann überhaupt beurteilen kann – ein wichtiger Punkt bei Gurr. Hier hört man keine Parolen, sondern eher Aufforderungen zur Selbstermächtigung: Vor »Rollerskate« werden alle Frauen des gut gefüllten Gebäude 9 in die erste(n) Reihe gebeten und »wer als Mann noch eine Frau hinter sich sieht, hat etwas falsch gemacht. « Das ist nicht nur Attitüde, sondern kreiert einen so häufig geforderten, aber doch selten umgesetzten Safe Space, der dann in der unmittelbar folgenden Wall of Death auch direkt ausgetestet wird. Dass der Song dann auch noch mit dem Intro des Gwen Stefani Songs »Hollaback Girl« beginnt, ist nur folgerichtig.

Der dritte Aspekt der nur schwer fassbaren Coolness von Gurr ist, wie einfach und gut die Songs geschrieben sind. Auf »In My Head« reiht sich ein Garage-Punk-Hit an den Nächsten und deshalb wird das Konzert auch keinen Deut schlechter, wenn schon zu Anfang des knapp einstündigen Konzerts die vermeintlichen Hits wie »Walnuss« oder »Computer Love« rausgehauen werden.

Apropos Anfang: Den Beginn des Abends bestreiten die Engländer Shame. Die fünfköpfige Punk-Band haut noch ein bisschen härter in die Gitarren und ist von der Bühnenshow noch ein bisschen exzessiver als Gurr. Vor allem Sänger Charlie Steen – eine Mischung aus einem hyperaktiven Jason Williamson (Sleaford Mods) und einem wütenden Ian Curtis – ist eine Augen- und Ohrenweide. Dass die Engländer im Gegenzug Gurr bald auf ihre UK-Tour als Support mitnehmen, ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass Gurr wahrscheinlich die coolste Band ist, die jemals in diesem uncoolen Land zwischen Kuckucksuhren, Markus Söder und Musikantenstadl existiert hat.

Gurr

In My Head

Release: 14.10.2016

℗ 2016 Duchess Box Records

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