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Grimm: Graphic Novel meets Zeitschrift

Die Axt im Blätterwald

Eine neue Zeitschrift, die in der Hand liegt wie eine Graphic Novel und auf 160 wundervollen Seiten die Welt erklärt? Wolfgang Frömberg zollt Tribut.
Geschrieben am
Grimm? Das muss ein Märchen sein. Eine neue Zeitschrift, die in der Hand liegt wie eine phatte Graphic Novel und auf 160 wundervollen Seiten die Welt erklärt? Nein es ist wahr! Wolfgang Frömberg kennt die Wahrheit und zollt ehrfürchtig Tribut.

Viel wird über das Verschwinden der Print-Magazine gesprochen. Seit Apple sein iPad vorgestellt hat, werden die Stimmen, die deren Untergang beschwören,  sicher nicht leiser. Aber so wie es immer weiter Vinyl-Platten für Liebhaber geben wird, dürften auch in hundert Jahren noch gedruckte Blätter in Umlauf gebracht werden, die die Stärken des, äh, Mediums ausspielen – vorausgesetzt es existiert dann noch eine Welt, die zu verachten sich lohnt, und deren düstere Seiten betonenswert erscheinen (hier sind es 160 Seiten "Toxic Eye-Candy").

Gehen wir mal davon aus. Insofern hält man mit "Grimm" ein ordentliches Stück Zukunft in Händen. Wer ein Magazin sucht, deren Macher sich noch nicht haben desillusionieren lassen, das also noch nicht leer geschossen ist, sondern mit jedem Umblättern den eigenen Apparat gewaltig mit Munition für den trostlosen Alltag füllt, der muss sich mit dieser neuen Publikation aus dem Hause Averse für läppische 13 Euro einfach von vorne bis hinten gut bedient fühlen. Das auratische, von Hand nummerierte Wesen (von) "Grimm" wünscht man sich auf Anhieb in Serie.

"Grimm" hat einen Redakteur, in Worten: einen, mehr nicht, der im fortgeschrittenen Alter dem Rest der Welt zeigt, was 'ne Harke ist – und darüber hinaus braucht man absolut nichts auf Entscheidungsebene in Zeiten von zu viel Demokratie und vermehrten Haltungsschäden schon bei den Allerjüngsten. Lars Brinkmann schreibt seit Jahrzehnten über Popkultur, und zwar mit zwei geballten Fäusten, einer in der Tasche, die andere am Schreibgerät. Lange tat er das für die Spex, jetzt u.a auch für Intro, und er regt sich seit ebenso langer Zeit bereits über nach außen gekehrte Egos von Redakteuren und unter den Teppich gekehrte gute Ideen sowie von Grafikern verhunzte Magazinseiten auf. Und das, ohne je den Glauben an das Gute sowie das Interesse für all den unnötigen Scheiß, der uns die kostbare Zeit vertreibt (kurz: die "Popkultur"), verloren zu haben.

Jetzt macht Brinkmann mit "Grimm", was er will, so scheint's. Und Käpt'n Bulboes hat eine illustre Mannschaft um sich geschart. Auf glänzendem Papier wird in "Grimm" mit einer Vielfalt an Stimmen und subkulturellen Themen und einer Lust an den ihnen auf den Leib geschneiderten Formaten hantiert, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Das Sinn stiftende Insekt, welches sich schimmernd im Logo (aus der Hand und Feder von Wolfgang Sangmeister) abzeichnet und auf dem festen nachtschwarzen Karton-Umschlag auch für Blinde nicht zu übersehen ist, deutet an, dass man den feuchten Untergrund liebt und ihn fleißig zu durchwühlen bereit ist – eine intelligente, überlegene Lebensform.

Von ihr erfahren wir einiges über in stiller Abgeschiedenheit von der Zivilisation sich reproduzierende Bakterien, subversive Multitalente vom Schlage Boyd Rice', Zäune als Zeichen der Zivilisation, die besten Sprüche aus der Feder des großen Science-Fiction-Autors J.G. Ballard, schräge Särge aus Ghana, das Verhältnis der SS zur Buchkultur und wir bekommen Bildstrecken sowie einen Comic-Strip und eine Menge Zusätzliches vor den Latz geknallt, das nicht für ein herbei imaginiertes Zielpublikum aufbereitet wurde, sondern schlichtweg weil es wichtig ist und von Interesse.

Dem wagemutigen Design (Artdirection: Ingo Fischer) gilt das Sonderlob im letzten Absatz, der so schließen muss: In den Zeitschriftenregalen dieser Welt stehen so einige Kandidaten, für die der Tod durch Internet und Smart Papers wahrscheinlich gerade rechtzeitig kommt. Sie dürfen jetzt schon mal vor Scham im Boden versinken, wenn eine märchenhafte Schönheit wie "Grimm", in voller Pracht aus schwerem Papier, mit der Kakerlake als Symbol der eigenen Unverwüstbarkeit ans Revers geheftet, neben ihnen auftaucht und mit dem angespitzten Zaunpfahl winkt. Respekt!

Mehr Infos unter www.grimmoire.de

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