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So wars in Leipzig: Zwischen überirdisch und geerdet

Godspeed You! Black Emperor live

Godspeed You! Black Emperor räumen mit dem Missverständnis auf, dass sie nicht von dieser Welt wären.
Geschrieben am

05.08.13, Leipzig, UT Connewitz

 

»Du warst doch gestern bei Godspeed! (das You! Black Emperor wird lässig ausgespart). Wie war denn das Konzert?« – »Viel Effekte.« Was soll man auch zu einer Band sagen, die als Intro ein 15-minütiges Gewitter aus Feedback und Bass fährt. Nach den Atmosphärikern von Air Cushion Finish als Vorband und diesem Intro scheint es fast ernüchternd, dass selbst Godspeed You! Black Emperor so etwas Profanes und Irdisches brauchen wie einen Umbau. Warum schweben sie nicht einfach herein? Aber sie kommen auf die Bühne gelaufen - einer nach der anderen und Efrim Menuck zuletzt. Da dürfte den 500 Menschen im Leipziger UT Connewitz nach dem Intro der Magen gut durchgeschüttelt sein.

Efrim hat ganz sanft alles unter Kontrolle. Während der ersten zehn Minuten von »Mladic« spielt er nicht, sondern wippt versunken zu dem mit, was die anderen machen. Selbst da ist er aber präsent und dirigiert mit sanftem Nicken den Einsatz als wolle er sagen: »Gut, und jetzt der nächste Takt bitte.« Diese Notwendigkeit zur Koordination zeigt von Anfang an, wie frei die Band spielt, obwohl die Lieder vom aktuellen Album sind. Aber die Band lässt sich bereitwillig im Dienste der Musik führen. Es bleibt die einzige Kommunikation während des Konzerts. Überhaupt nehmen sich die Musiker zurück. So sehr, dass man die Augen schließen und die Musik spüren kann. Die Bässe kommen im Magen eben besser an, wenn man nicht visuell abgelenkt ist. Und so scheinen die Musikerinnen und Musiker merkwürdig als Statisten, während sie das tun, was sie am besten können: Musik in den Saal feuern.

 

Wenn die Augen geschlossen sind, braucht es noch nicht mal die Projektionen an die Bühnenwand. Oder sehe nur ich das so? Der Junge neben mir schaut begeistert auf das projizierte Flammenmeer und lässt sich entführen. Er fährt dabei aber wohl seinen ganz eigenen Film ab. Und das ist gut so, denn dafür ist die Musik da. Alle sollen sie für sich erfahren. Jeder hat hier sein eigenes Konzert. Wer die acht Leute auf der Bühne versunken über ihre Instrumente gebeugt sieht, weiß, dass sie tun, was sie tun, weil sie die Musik lieben. Dass sie nicht reden, weil es einfach gut tut, wenn auf der Bühne mal nicht so viel gequatscht wird. Der weiß, dass sie 15-minütige Lieder nicht aus Verweigerung am Radio spielen, sondern weil es ihre Lieder sind. Der weiß, dass sie keine Interviews geben, weil du schweigen sollst, worüber du nicht reden kannst. Der weiß auch, dass sie keine Zugaben geben, weil es einfach nicht angemessen ist weiter zu quatschen, wenn schon alles gesagt ist.

 

Aber heute sind Godspeed You! Black Emperor doch zu sehr Rock und zu wenig überirdisch. Sie kommen noch mal für ein 15-mnütiges Lied auf die Bühne.

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