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Mit Bastian Küllenberg

Fenster zum Hof #241

Was Wuppertal, Bayern und Westafrika gemeinsam haben? Sie alle kommen in der aktuellen Groove-Kolumne vor. Und das Wetter ist sicher auch überall ähnlich.
Geschrieben am
Jene Jahre, in denen die Regierung in Niger den Tuareg verbot, Gitarre zu spielen, da sie darin ein Zeichen der Rebellion sah, hat Bombino überstanden. 2007 musste er bereits zum zweiten Mal sein Geburtsland verlassen. Bereits 1990 war der heute 36-Jährige mit Vater und Großmutter als Folge der Tuareg-Rebellion nach Algerien geflohen. Nun veröffentlicht die lebende Gitarren-Legende ihr fünftes Soloalbum »Azel« (Partisan). Nachdem der Vorgänger »Nomad« von Dan Auerbach (The Black Keys) produziert wurde, reiste Bombino für die aktuellen Aufnahmen nach Woodstock, New York, um zusammen mit Dave Longstreth (The Dirty Projectors) in einer alten Scheune aufzunehmen. Eine Kollaboration, die funktionierte. Mit »Azel« bleibt sich Bombino, der den »Bluesman of Africa« Ali Farka Touré und Jimi Hendrix zu seinen großen Idolen zählt, musikalisch darin treu, afrikanische Elemente und amerikanischen Blues und Rock zu verbinden.

Bombino

Azel

Release: 01.04.2016

℗ 2016 Partisan Records

Es gab Zeiten, da machten es die Albumtitel den Menschen leicht: »The Supremes Sing Country Western & Pop«, »Nina Simone Sings The Blues« – da bleiben bezüglich Klang und Stil keine Fragen offen. Bryson Tiller hatte für sein Debütalbum eine ähnliche Idee: »Trapsoul« (Sony) ist, kurz zusammengefasst, ein Zusammentreffen von Trap und modernem Soul. Sowohl Dru Hill und Omarion als auch Drake zählten zu den Einflussgebern des 23-Jährigen aus Kentucky. In den USA erschien das Album bereits im letzten Sommer und erreichte Platz 11 der Charts, die Hitsingle »Don’t« wurde millionenfach gestreamt. Damit katapultierte sich Tiller aus dem Stand in die US-Spitzenriege. Wenn man dieses Jahr nur ein R’n’B-Album hören will, könnte es »Trapsoul« werden.

Bryson Tiller

T R A P S O U L

Release: 21.08.2015

℗ 2015

Vor zwei Jahren baute er »Menschenpyramiden« und hinterließ mit dem dazugehörigen Video auch außerhalb der Wuppertaler Heimat seine Duftmarke. Jetzt erscheint mit »Limbus« (Vinyl Digital) das lang erwartete Opus magnum. Direkt der Opener definiert die bekannten Feindbilder: Prezident nennt YouTuber und Autoren der Vice würdelos, entwirft das Schreckensszenario einer Fahrt im Ford Focus in die Vorhölle des »ewigen IKEA«. Dieser Kreislauf führt »von den Bienenwaben der Bürozellen ins auf Raten finanzierte Grab«. Gesellschaftskritik, dass sich die Balken biegen. Das Problembewusstsein entsteigt nicht selten den weniger nüchternen Stunden und zieht wie Nebelschwaden durch graue Straßenschluchten. »Dreck reinigt den Magen«, weiß diese »ehrliche Haut«, und eine Kelle Pathos hat noch keinem geschadet. Deutschrap mit metertiefen Zornesfalten gegen »gönnerhafte Herrenmenschen« und »Hunde, die dem eigenen Schwanz nachjagen«. Lyrische Höchstleistungen treffen auf ungewaschene Punchlines, und das Fazit ist so düster wie wahr: »Die meisten Menschen sind exakt, wofür man sie hält: Anfang und Ende aller Übel der Welt.«

Prezident

Limbus (Deluxe Version)

Release: 08.04.2016

℗ 2016 VinDig

LaBrassBanda sind ziemlich furchtbar, das weiß man schon länger. Warum sollte da das dritte Soloalbum von deren Frontmann besser sein? Vielleicht, weil Stefan Dettl auf »Soultrain« (RCA) keinen bayerischen Volksmusik-Ska-Rock spielt, sondern das, was er im Titel bereits ankündigt: Soul. Oder besser: was er dafür hält. Und zwar auf Bayerisch. Das klingt zwar oft nach einer Weißwurst-Variante von Jan Delay zu »Mercedes Dance«-Zeiten, ist aber insgesamt tatsächlich solider gemacht, als man erwartet hätte. Braucht man deshalb aber immer noch nicht.

Stefan Dettl

Soultrain

Release: 18.03.2016

℗ 2016 Sony Music Entertainment Germany GmbH

Dann doch lieber Berliner Afrobeat: Omar Diop stammt aus dem Senegal, lebt seit 1997 in der deutschen Hauptstadt und gründete kurz nach seiner Ankunft die Band Lion Express, aus denen Jahre später Tiliboo Afrobeat hervorgingen. Neben den Congas von Diop ist das Balafon, ein westafrikanisches Xylofon, zentral für den Klang der Combo, zu der unter anderem auch der Whitest-Boy-Alive-Schlagzeuger Sebastian Maschat sowie Gitarrist Nick Morrison (Charity Children, Polyversal Souls) gehören. Highlife und Afrofunk vereinen sich auf dem Debütalbum »Silabaa« (Mamasweed) zu tanzbaren Rhythmen. Fela Kuti wäre stolz auf seine Lehrlinge.
Bevor Kuti zum Wegbereiter des Genres wurde, war auch für ihn der Highlife-Sound aus Ghana prägend, in dem sich afrikanische Rhythmik mit Jazz verbindet. Bereits während seiner Zeit an der Trinity School Of Music in London gründete er 1961 Fela Ransome Kuti And His Koola Lobitos. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis deren Klang sich weiterentwickelte und Kuti gegen Ende der Dekade den Begriff Afrobeat erfand. Das Frühwerk blieb dagegen lange Zeit ein Fall für Spezialisten. 2005 wurde erstmals eine Compilation mit Stücken der Band von einem japanischen Chemieprofessor zusammengestellt, ansonsten sucht man vergebens nach ReIssues. Das macht die Dreifach-CD »Highlife-Jazz And Afro-Soul (1963-1969)« (Knitting Factory) zur ersten offiziellen Werkschau. Eine CD versammelt eine Reihe Singles, die zweite ist ein ReIssue des einzigen Studio-Albums von 1969, und als Bonus erhält man zahlreiche Live-Aufnahmen. Gäbe es diese feine Zusammenstellung auch auf Vinyl, man müsste laut »Pflichtkauf« rufen. Doch auch digital macht sich diese Musik gut im imaginären Plattenschrank.

Fela Kuti and His Koola Lobitos

Highlife - Jazz and Afro- Soul (1963-1969)

Release: 08.04.2016

℗ 2015 Knitting Factory Records

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