×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Feminismus ist Pop! Das Hamburger Musikerinnenfestival Espressiva [Heimspiel]

Die Espressiva-Organisatorinnen vom Hamburger Frauenmusikzentrum verstehen sich dabei keineswegs als lila Insel für erdverbundene Lazthosenträgerinnen. "Feminismus muss Pop werden", lautete schliesslich eine der Forderungen des 1999er Symposiums, das sich mit den Arbeitsbedingungen im Musikbusiness
Geschrieben am

Autor: intro.de

Die Espressiva-Organisatorinnen vom Hamburger Frauenmusikzentrum verstehen sich dabei keineswegs als lila Insel für erdverbundene Lazthosenträgerinnen. "Feminismus muss Pop werden", lautete schliesslich eine der Forderungen des 1999er Symposiums, das sich mit den Arbeitsbedingungen im Musikbusiness befasste. Und siehe - es setzten nicht nur Künstlerinnen ihren Fuss ins Frauenmusikzentrum, die bis dato mit derlei gar nichts am Hut hatten, sondern Veranstaltungen, auf denen sich nur Frauen treffen, gelten dieser Tage als durchaus cool. Die Zusammenhänge müssen halt stimmen, ebenso die Orte und die Inhalte - und schon überkreuzen sich Szenen, die einander bislang gemieden hatten: Letztes Jahr z.B. trafen Alternativradioredakteurinnen auf Journalistinnen von Junge Welt, NDR, oder Spiegel; feministisches Urgestein wie Angie Domdey von der 70er Jahre-Frauenband Schneewittchen stiess auf Charlotte Geldermann von Ladomat und auf Bernadette Hengst von BH-Booking und schon halten in diesem Herbst die Patinnen Donna Maya und Donna Neda beim Frauen-aus-der-Branche-Treff "Salon Séparé" Vorträge über HipHop und Jazz (31.10) oder Bach und Techno (28.11.) - unterstützt vom Uni-Radio beim Hamburger Alternativsender FSK und der ganz allgemeinen RockmusikerInnenorganisation Rockcity.

Der derzeit die Diskussionen prägende (Schein)Widerspruch zwischen den Forderungen "Geht es hier um Frauen als Benachteiligte, denen mehr öffentliche Orte und mehr Aufmerksamkeit zur Verfügung gestellt werden müssen?" und "Lasst uns endlich über Musik sprechen!" hebt sich auf. Bei Espressiva geht es um beide Aspekte: Von September bis November spielen fast ausschliesslich Musikerinnen an allen möglichen Orten, die zumeist allen Geschlechtern offenstehen und es steht allen Beteiligten frei, über die Musik zu reden. Alles über Espressiva im folgenden Gespräch mit Pressesprecherin Dagmar Brunow.

Seit wann gibt es Espressiva und was ist der Grundgedanke?
Espressiva fand 1998 zum ersten Mal statt und ist Musikerinnenfestival und Netzwerk zugleich. Das Festival ist sozusagen das Schaufenster für das Netzwerk von Frauen im Musikbereich, also Musikerinnen, Technikerinnen, Bookerinnen, Labelarbeiterinnen, Journalistinnen. Espressiva will Frauen im Musikbereich sichtbar machen und dadurch eingefahrene Wahrnehmungmuster durchbrechen. Frauen auf der Bühne zu erleben, soll ganz einfach selbstverständlich sein.

Wie entstand Espressiva, wer organisiert und wer finanziert?
Die Veranstalterin ist das Hamburger Frauenmusikzentrum (FMZ), das es seit 13 Jahren gibt. Sie wollten eine größere Öffentlichkeit ansprechen als sie es mit der bisherigen "Frauenkultur" geschafft hatten, wollten mehr Aussenwirkung und ein breiteres Publikum erreichen - kurz: eine politische Wirkung im Sinne von Sichtbarer-Sein. Für die finanzielle Unterstüzung konnte das FMZ die Hamburger Kulturbehörde gewinnen, die in den letzten drei Jahren ein Projekt verfolgte, das Frauen in der Popmusik fördert - unter anderem vergibt sie Arbeitsstipendien an Hamburger Musikerinnen. Espressiva funktioniert auf mehreren Ebenen - die Konzerte werden von Workshops, einer Messe und dem Symposium ergänzt. Ausserdem ist uns eine Vernetzung mit bestehenden Veranstaltungsorten wichtig sowie die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen wie Rockcity oder dem Jazzbüro.

Wie weit reicht das Espressiva-Netz bislang und wie weit soll es geknüpft werden?
Das konzentriert sich erstmal auf Hamburg, denn wir existieren erst seit drei Jahren und soviel Geld haben wir nun auch nicht. Wir würden uns gerne überregional ausdehnen, im deutschsprachigen Raum präsent sein und letztlich europaweit arbeiten. Aber erstmal geht es um ein Grundnetz und das verbindet u.a. über das Medium Freies Radio immerhin schon Hamburg mit Nürnberg, Berlin und Wien.

Hast du den Eindruck, dass dieses entstehende Netzwerk etwas verändert?
Nun, ohne übermäßig Optimismus versprühen zu wollen, was die Erfüllung der Weltrevolution anbelangt - es kommt viel in Gang und alte Ressentiments bauen sich ab.

Wo setzt ihr dieses Jahr Schwerpunkte?
Besondere Gewichtung liegt dieses Jahr auf auf Elektronik und Internet. Am 6.10. heisst das Motto im Molotow "Elektronika" und die Ehre geben sich Berliner VertreterInnen minimaler sowie skurriler Tüftelarbeiten mit einem grossen Herz für Pop als schöne Melodie: die Vermoosten Vløten, Komëit und die Quarks. DJ Luka Skywalker aus Hamburg dreht abschliessend auf "asskick mission" die Plattenteller, bis der Raum sich mitbewegt zu Disco, House, Speed Garage und Funky Techno.

Unbedingt unerhört und international wird der Net-Audio-Event am 4.11. im Westwerk sein: Vier Künstlerinnen improvisieren undprogrammieren auf der Bühne, per Internet gelangen die Klänge nach London, Graz und New York, werden dort bearbeitet und zurückgeschickt. Beteiligt sind u.a. Cybele aus St.Gallen an Synthesizern und Vocals, Silke Eberhard und Sabine Worthman aus Berlin an Kontrabass, Klarinette, Altsaxophon und Samplern, Barbara Buchholz aus Bielefeld an Bass und Theremin sowie Andrea Polli aus Chicago, die u.a. per Augenbewegung musikalische Improvisationen erzeugt und steuert. Nachts gibt es dann noch Party mit den femmes with fatal breaks aus Berlin, u.a. mit DJ-T-Ina vom ´zine Neid. Wer Netzanschluss hat, kann mithören unter http://orang.orang.org. Radio FSK überträgt die Nacht und viele andere freie Radios - z.B. Radio Z in Nürnberg - werden sich anschliessen. Patti Stucky aus der Schweiz macht elektronische Musik für Leute, die sonst keine Elektronik hören - am 11.11. im FMZ. Da heißt´s denn auch women only und das gilt auch für das 3. Symposium Musikerinnen und Öffentlichkeit, das am 10. und 11.11. stattfindet, und sich mit verschiedenen Aspekten rund um Musik und Internet befasst. Marketing und Urheber(innen)rechte sind genauso Thema wie Kunst und Geschlechterkonstruktion im Netz und nebenbei ergibt sich die Möglichkeit, dass Musikerinnen und Musikarbeiterinnen Kontakte knüpfen.
Eines meiner persönlichen Highlights ist übrigens der Swing Cat´s Ball am 30.11. in der Fabrik, für den eigens eine Swingband zusammengestellt wurde. Zur Einstimmung gibt´s einen Tanzkurs mit den Downtown Daisies und danach legt DJ Swinging Swanee auf. Das wird bestimmt toll...

Informationen zu Espressiva gibt es unter 040 - 39 27 31 oder fmz@espressiva.de bzw.www.espressiva.de

Ausgehtips:
8.10. Schmidt´s: Popette Betancor.
12. 10. Hafenklang: Gloria Victoria mit den Stipendiatinnen der Kulturbehörde - u.a. Bernadette
Hengst und Roberta Possamai von Il Gran Teatro Amaro. 13. 10. Hafenklang: Chicks on Speed.
14./15. 10. Handelskammer Hamburg: Herbizz: Die 1. Hamburger Frauenmesse.
24.10. Fabrik: Maria Farantouri.
28. 10. Honigfabrik: Oriental HipHop mit Aziza A., unterstützt von der Berliner Rapperin Bianca de Edelweiss.
10.11. Fabrik: Holly Cole

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr