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»Man kann was reißen!«

Feine Sahne Fischfilet im Gespräch

Feine Sahne Fischfilet stehen seit jeher für Musik mit Haltung, die mitunter so rau ist wie die Ostsee im Dezember. In selbige sprang Christian Schlodder mit Monchi, Max und Olaf beim Interview in Warnemünde. Dazwischen sprachen sie über das Mitte Januar kommende Album »Sturm & Dreck« und die vergangenen anderthalb Jahre, in denen die Band im Gegensatz zu vielen anderen gegen Rechts nicht nur redete, sondern oft einfach auch mal machte.
Geschrieben am
Das Jahr geht langsam zu Ende, euer Album steht in den Startlöchern. Seid ihr aufgeregt?
Olaf: Jetzt geht alles Schlag auf Schlag. Und klar ist man aufgeregt, vor allem, was die Leute sagen.
Monchi: Es ist einfach geil, dass es jetzt wieder losgeht. Und die Stimmung jetzt ist auf jeden Fall besser als vor dem letzten Album.

Was war damals anders?

Max: Vor drei, vier Jahren gab es diesen Punkt, an dem wir echte Reibungspunkte hatten.
Mo: Das war die Zeit, in der wir hammerviel unterwegs waren, 43 Wochen am Stück, dann ein neues Album und dann wieder auf Tour. Da geht man sich auch mal auf den Sack. Jeder von uns hat eben seinen Spleen.
Ma: Mittlerweile kennen wir uns ganz gut und wissen, welche Freiräume wir uns lassen müssen.
Mo: Das ist wie ‘ne Beziehung.
Ma: Wie sechs Beziehungen.
O: Das ist es wirklich. Wenn es richtig Stress gab, hat sich das auch angefühlt wie Liebeskummer. Ich hatte da auch oft Bauchschmerzen. 
Mo: Das ist normal. Reibung erzeugt Feuer.

Musstest ihr euch auch anders organisieren?

Mo: Für uns sind wir mittlerweile schon gut organisiert, für andere sind wir in dem Punkt wohl ‘n Witz. Wir reden gerade davon, dass wir nach zehn Jahren den ersten Proberaum haben. Für unser Theaterstück in Rostock haben wir unsere Lieder in ‘nem Keller geprobt, in den andere Bands keinen Fuß setzen wollten, weil es da schimmelt. 
Ma: Auch vor Rock am Ring haben wir die Setlist in ‘nem kleinen Keller einstudiert, den wir nach zwei Stunden für ‘ne Chorprobe räumen mussten.

Wie besonders ist es vor diesem Kontrast, vor so vielen Leuten wie bei Rock am Ring aufzutreten?

O: Man entwickelt schon ein Bewusstsein, dass man vor vielen Leuten spielt und nicht mehr vor zehn besoffenen Punks. Das heißt für mich, dass ich nicht mehr unbedingt ‘nen Kasten Bier vorm Auftritt saufen muss. 
Mo: Im Bereich des Möglichen bleibt es trotzdem.
O: Klar, vielleicht hab ich mich damit auch zu weit ausm Fenster gelehnt. Es kann noch genauso räudig werden wie damals. Vielleicht sogar noch schlimmer.

Trotz des einen oder anderen Exzesses, der euch nachgesagt wird, musstest ihr bisher erst ein Konzert absagen.

Mo: Das lag aber auch eher an einem Fall in unserem Umfeld als an uns. Wenn von uns mal einer auf die Idee kommen sollte, ein Konzert wegen irgendwelcher Wehwehchen nicht spielen zu wollen, dann lass ich mir ‘nen Attest zeigen.
Ma: Als wir in Berlin in der Köpi gespielt haben, hat Christoph in der Nacht zuvor ganz komisch auf seiner Hand geschlafen. Die war dann richtig steif. Wir haben das erst nicht ernst genommen und sind dann nachmittags ins Krankenhaus – nachdem wir auf ‘ner Demo waren.
O: Wir haben seine Hand dann mit Gaffa festgetapet, damit er das Konzert durchspielen konnte. Und das hat er ja auch geschafft.
Mo: Bei unserem Konzert in Köln kam ich gerade frisch aus Nepal zurück – und hab echt nur Blut geschissen. Auf der Bühne stand dann ein Notfalleimer – und wir haben durchgezogen. Da sind wir dann doch sehr anarchisch.
Ma: Es muss also schon einiges passieren, bis wir ‘n Konzert absagen.
»Sturm & Dreck« kommt im Gegensatz zu euren anderen Alben der Energie eurer Liveauftritte näher. Was habt ihr anders gemacht? 
Mo: Wir sind ‘ne geile Live-Band, weil wir richtig Bock drauf haben. Doch das kam auf unseren Alben nie richtig rüber. Da musste einfach mal mehr gehen.
Ma: Wir haben bei dem Album aus der Hüfte geschossen und nicht viel hin und her überlegt. Es sollte geradeaus gehen, da waren wir uns einig. Den Moment einfangen und los.
O: Live ist unsere Stärke, das wissen wir alle. Das wollten wir auf die Platte bringen. Da hätte mehr Zeit nur dazu geführt, dass man alles zerdenkt. 
Mo: Ich bin der Typ in der Band, der am wenigsten Ahnung von Musik hat. Aber ich hol mir auf dem Album echt einen runter. Ich bin wirklich stolz drauf.

Von dir, Monchi, ist auch viel Persönliches eingeflossen.

Mo: Ein Album schreiben ist ja wie Tagebuch führen. Diese zwölf Tracks sind persönliche Geschichten von uns. Sachen, die wir erlebt haben. »Niemand wie ihr« zum Beispiel handelt von meinen Eltern. Es war das Persönlichste und Krasseste, was ich jemals geschrieben hab. 

Mit »Suruç« findet sich zudem ein sehr eindringlicher Song über den Anschlag 2015 in der türkischen Stadt. Du warst dabei, Monchi. Wie lief die Zeit danach für dich?

Mo: Kurz zuvor haben wir beim Deichbrand gespielt, und zwei Tage später stehe ich in Suruç, an der türkisch-syrischen Grenze, um Spenden für Kobane zu übergeben. Wir waren in der Stadt an dem Ort verabredet, wo das Selbstmordattentat stattgefunden hat. Das war reiner Wahnsinn. Fünf Minuten früher, und wir wären mittendrin gewesen. Noch 38 Stunden vorher steht man auf einer Bühne, ist bretterhart und wird im Kofferraum nach Hause gefahren, und auf einmal entgeht man wegen fünf Minuten einem Selbstmordattentat und steht zwischen 31 Leichen. Dann bist du hier zurück, fährst aufs nächste Konzert, hörst den Leuten dort bei ihren scheinbaren Problemen zu und denkst: Gott, das ist alles doch überhaupt nicht wichtig.

Trotz all dieser Erfahrungen und der aktuellen politischen Entwicklungen auch hierzulande guckt nicht nur das Album, sondern auch ihr immer positiv nach vorne. Fällt euch das in Zeiten wie diesen noch leicht?

Mo: Politisch und gesellschaftlich läuft es ja nicht erst seit zwei, drei Jahren scheiße. Deshalb ist es wichtig, zu zeigen, dass es überall geile Leute gibt, die geile Aktionen auf die Beine stellen. Das ist das Gefühl, das wir auf »Sturm & Dreck« ausdrücken wollen: Klar ist vieles scheiße, aber man kann trotzdem was reißen. Erhobenen Hauptes nach vorne, weiter geht’s! 

Werdet ihr auch in Zukunft verstärkt Projekte in Meck-Pomm verfolgen wie die »Noch nicht komplett im Arsch«-Tour?

Mo: Hier leb ich, hier fühl ich mich wohl. Für mich ist das die logische Konsequenz, dass man da was reißt, wo man herkommt. Ein Konzert, ein Festival irgendwo auf dem Land aufzuziehen, wo nichts ist, niente, das ist doch geil. Dass man in Dörfer geht, die Vereine vor Ort, den Sportverein, die Feuerwehr, wen auch immer mit ins Boot holt und erklärt, warum es scheiße ist, Thor Steinar zu tragen, das bewegt was bei den Leuten im Kopf. Und das ist wichtig!
Ma: Es wär einfacher, sich in gemachte Nester zu setzen. Doch das wollen wir nicht. Wir bauen sie einfach selbst.

Feine Sahne Fischfilet

Sturm & Dreck

Release: 12.01.2018

℗ 2017 Audiolith

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