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»Ich freue mich sehr, dass das Melt noch da ist«

Ellen Allien über das Melt

Weil Geschichtsstunden stinklangweilig sind, sparen wir uns an dieser Stelle den obligatorischen schulbuchartigen Text über die Entstehung und Historie des Melt Festivals. Stattdessen lassen wir Ellen Allien zu Wort kommen, die seit dem ersten Melt 1997 Teil des Line-ups und mit ihrem traditionellen Set auf dem Sleepless Floor ein fixer Anlaufpunkt ist. Beim Skype-Plausch verriet sie, was ihr das Melt bedeutet und wie sie überhaupt dazu gekommen ist. Und da ihre Erzählung einen ähnlich smoothen Flow hat wie ihre Sets, geben wir das Ganze hier als Protokoll wieder.
Geschrieben am
In den Neunzigern gab es am Prenzlauer Berg ganz in meiner Nähe den tollen Plattenladen Melting Point. Das war ein Zusammenschluss von Leuten aus West- und Ost-Deutschland. Die waren in Ost-Berlin sehr umtriebig, hatten mit der Pfefferbank ihren eigenen Techno-Club neben der legendären Techno-Institution Pfefferberg. Also lag die Idee nahe, ein Festival zu machen – auch der Name Melt ergab sich daraus. Weil wir uns kannten, fragten sie, ob ich dort spielen wolle. Den Melting Point gibt es heute übrigens immer noch, der Laden ist in die Kastanienallee gezogen. Da gibt’s viel Secondhand, aber auch ganz coole Indiemusik und Electronica, der Laden hat also eine ähnliche Ausrichtung wie das Melt. 
Das erste Melt fand in Brandenburg statt, und ich habe sehr schöne Erinnerungen daran. Es hat nicht geregnet, das Gelände war toll, es gab dort viele Bäume, und die Stimmung war sehr familiär. Ich glaube, es fing mit circa 500 Leuten an, dann wurden es um die 800, später 2000. Ich glaube, es war dieses Family-Gefühl, das mich schon früh begeistert hat. Die Macher waren supernett und haben das Ding souverän hochgerockt. 1999 kam dann der Umzug nach Ferropolis auf das größere Gelände, wo die Gründer es bis 2002 weiterführten. 2003 pausierte man, bevor 2004 die Intro-Leute einstiegen. Ich finde, das neue Team hat souverän weitergeführt, was die Melt-Gründer aufgebaut hatten. Deshalb von mir an dieser Stelle noch mal ein: »Herzlichen Glückwunsch.«
 
Ich freu mich sehr darüber, dass das Melt noch da ist. Da trifft seit Jahren immer noch Ost- und West-Kultur aufeinander, und deshalb ist es meiner Meinung nach auch eines der wichtigsten Open-Airs im Berliner Umland – nicht nur unter diesem Aspekt, auch international betrachtet, denn das Line-up ist schon recht einmalig. Vor allem, weil dort auch junge Künstlerinnen und Künstler eine Chance bekommen. Wer es richtig anstellt und einen guten Slot hat, kann sich dort sogar eine Liga höher spielen. Die Acts meines Labels BPitch Control spielen auch deshalb gerne dort – Dillon zum Beispiel, oder Aérea Negrot. Durch das zunehmend internationalere Publikum kommt es allerdings auch vor, dass sogar ich noch neu entdeckt werde. Irgendwann stand mal ein Mädel vor mir und schwärmte, sie hätte mich zum ersten Mal auf dem Sleepless Floor gesehen und wäre jetzt Fan.
Bild: Florian Schüppel
Gerade, weil ich die Melt-History so gut kenne und ein kleiner Teil von ihr bin, finde ich es schön, da immer noch spielen zu dürfen. Es ist geil und irgendwie auch romantisch, wenn jedes Jahr die Vergangenheit wieder hochkommt und mit dem Jetzt zusammengeworfen wird. Ich merke auch, dass mein Set auf dem Sleepless für einige zum Anlaufpunkt geworden ist. Obwohl das ja von mir nie intendiert war, sondern sich zufällig entwickelt hat. Die Leute haben sich den Floor selbst genommen, was natürlich geil ist. Vielleicht kann ich genau deshalb auch die Intensität dort spüren und weitergeben. Ich bin ja selbst eine leidenschaftliche Raverin, also will ich mit meinen Sets etwas Besonderes erschaffen. Etwas Hypnotisches oder etwas, das die Leute dazu bringt, aus dem realen Leben auszusteigen und in eine neue Welt einzutauchen. Mit meiner Musik will ich auf eine Körperreise einladen. Im Kapitalismus soll der Körper ja immer mehr ausgeschaltet werden, alle müssen den ganzen Tag im Büro sitzen und nur mit ihrem Hirn und dem Laptop arbeiten. Ich sage aber: Mehr Rausgehen, mehr Sex, mehr Bewegung – und man fühlt sich gleich besser! Meine Musik soll daran erinnern.

Auf dem Melt trifft sich außerdem jedes Jahr die Berliner Club- und Label-Landschaft. Viele, weil sie oder ihre Freunde dort spielen. Ich würde mir aber dennoch wünschen, dass mehr Menschen aus Berlin das Melt wieder regelmäßig besuchen. Die sind ja prinzipiell nicht so beweglich, weil sie sowieso eine megageniale Clublandschaft vor der Nase haben: Sisyphos, Schwuz, Else, Ipse und wie sie alle heißen – diese kleinen wilden Inseln, die neben Schlachtschiffen wie dem Berghain und Tresor existieren. Aber hey: So was wie das Melt gibt es nur ein Mal im Jahr! Fahrt doch mal raus und supportet es!
 
Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf mein Set, auf die Konzerte und vor allem auf die Shows am Sonntag. Die waren immer super: Massive Attack oder Portishead zum Beispiel. Die Sonntage haben immer so eine schöne Stimmung, wenn noch mal Großes auf der Bühne passiert, alle aber schon ein wenig runtergefahren haben und das Festival langsam ausleiern lassen. Also denn: Wir sehen uns beim Melt!
Juli 2017 21

21.07.2017

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