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Efrim Manuel Menuck

Wer zum Teufel ist eigentlich...

Godspeed-You!-Black-Emperor-Gründungsmitglied Efrim Manuel Menuck legt sein Solodebüt vor. »Plays High Gospel« ist ein ebenso persönliches wie forderndes Album. Damit tradiert es den Anspruch des Mutterschiffs, da auch GY!BE seit jeher darauf aus waren, Grenzen zu überwinden.
Geschrieben am

Efrim Manuel Menuck ist ein ernsthafter Typ. Das Leben, sagt er, bedeute für ihn ein Sich-Einlassen auf die Welt. Er stellt sich dem Leben mit seiner vollen Emotionalität und all den Widersprüchlichkeiten, die zwischen Geburt und Tod angelegt sind: Liebe und Hass, Zorn und Hoffnung. Diese Auseinandersetzung findet sich geradezu zwangsläufig in seiner Musik wieder. Herausgekommen ist so erwartungsgemäß ein weniger romantisches als vielmehr melancholisches Debütalbum, das Menucks schonungslose Sicht auf die eigene Existenz offenbart, auf die Endlichkeit unseres Seins.

Statt Easy Listening für den Hörer treffen Field Recordings und experimentelle Soundcollagen auf seinem Solodebüt »Plays High Gospel« auf einige Gesangsstücke wie »Kaddish For Chesnutt«, eine tieftraurige und gleichzeitig feierliche Hommage an den verstorbenen Freund und Musikerkollegen Vic Chesnutt. In dem hymnisch angelegten Song »I Am No Longer A Motherless Child« setzt sich Menuck dann mit der eigenen Biografie auseinander und dokumentiert, wie er in der Vaterschaft

Frieden mit der eigenen Kindheit findet, in der er als Dreijähriger von seiner Mutter verlassen wurde. Auch wenn der Albumtitel auf religiöse Grundfragen hindeutet, weist Menuck Religiosität als Tenor des Albums ab: »Ich hatte 2010 ein sehr schweres Jahr durchzustehen. Mit dem Tod von Freunden und der Geburt meines Sohnes gab es eine Menge Veränderungen. Wenn du nich t an Gott glaubst, sind die härtesten Jahre die, in denen du wünsch test, du würdest an Gott glauben.«

Die Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen prägte Menucks Arbeitsweise als Solokünstler: »Wenn du in völliger Isolation zwischen acht und zehn Stunden am Tag im Studio arbeitest, entwickelt sich fast eine Art Selbstgespräch.« Dieser künstlerische Prozess steht der Vorgehensweise im Bandgefüge mit GY!BE naturgemäß fast diametral gegenüber: »Wenn du in einer Gruppe bist, die die ganze Zeit tourt und zusammen arbeitet, als Demokratie funktioniert, ohne Leader, und diese Gruppe an einem Produkt oder dergleichen arbeitet, dann kann das auch ein schmerzhafter Prozess sein. Alles endet dann in einer Art schönem Kompromiss.«

Die daraus resultierende freiere Arbeitsweise kann er seit vergangenem Herbst auch wieder beim Mutterschiff einbringen, denn mitten in die beschriebene aufwühlende Lebensphase fiel neben der Produktion des Solodebüts auch das Comeback von GY!BE. Die Band beendete damit eine siebenjährige Pause und leitete eine Phase intensiver Aufarbeitung ein, offen für neue Positionen und Ansätze. »Wir haben ausgiebig geprobt, vier, fünf Monate fast jeden Tag, denn die Songs sind sehr lang und schwierig, und wir haben sie lange nicht mehr gespielt.« Was sich richtig nach Arbeit anhört. Menuck stimmt in diesem Punkt zu, ergänzt aber, dass es sich um eine nicht unangenehme Art von Arbeit handele. »Musik ist Arbeit. Musik ist mühsam. Ich denke, nur satte Musiker sehen das anders. Sie spielen das altbekannte Spiel und lassen sich nicht auf den kreativen Prozess ein. Unsere Arbeit dagegen war ein sehr lohnenswerter Aufwand.« Die Gespräche darüber, ob dieser Aufwand womöglich eine Fortsetzung in einem weiteren Godspeed-Album finden wird, dauern noch an.

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