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Eagle*Seagull

Eagle*Seagull

Ein Spektakel, definitiv. Dabei scheint es, als könnten Eagle*Seagull, die Band aus Lincoln im US-Bundesstaat Nebraska, nur lange, epische Songs schreiben. Geradezu Charts-feindlich bleiben sie selten unter der Fünf-Minuten-Marke und geben ihre Geheimnisse auch erst nach und nach preis. Und was die
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Ein Spektakel, definitiv. Dabei scheint es, als könnten Eagle*Seagull, die Band aus Lincoln im US-Bundesstaat Nebraska, nur lange, epische Songs schreiben. Geradezu Charts-feindlich bleiben sie selten unter der Fünf-Minuten-Marke und geben ihre Geheimnisse auch erst nach und nach preis. Und was die sechs (fünf Herren plus Dame) in dieser Zeit an kniffligen, überwältigenden Arrangements in die Welt hinaustragen, spottet jeder Beschreibung und jedem Vergleich. Ein eklektischer Widerspruch in Pop und Rock. Gleich der verzagte Opener “Lock And Key” bricht gegen Ende in Gitarren-Feedbacks und fiepende Störgeräusche aus. Die entgegengesetzte Richtung schlägt das frenetisch-wütende “Photograph” ein, bei dem ein dunkel gefärbter Bremsschirm geworfen wird: “So what if I carry your photo around with me everywhere I go / It’s not such a bad thing to do / And so I’ve tried to do what you’ve told me to do / I’ve tried to forget about you, oh I’ve tried.” Country/Folk-Einschlag bekommt das Album bei “Hello, Never” mit einer dieser schönen und schaurig-schönen Melodien von Sänger und Songwriter Eli Mardock, der teilweise an Win Butler von Arcade Fire erinnert. Auch er beherrscht dieses gepresste Ächzen in der Stimme, bei der man immer befürchten muss, dass sie jeden Moment umkippt. Aber was für eine Vielfalt: “Holy”, getragen von Carrie Butlers Piano-Schwere und reichlich Text-Pathos (“Everything is holy, everyone is holy, everyone’s an angel”), mündet in das zappelige “Your Beauty Is A Knife I Turn On My Throat”. Ein Höhepunkt, geprägt durch unnachgiebig hämmernde Piano-Achtel. Überhaupt viel Klavier, aber so vielfältig in den Bandsound (Gitarren, Banjo, Geige) eingewoben, dass dieses sperrige, anspruchsvolle Etwas bisher nicht bekannte Konturen gewinnt. Es geht immer weiter: “It Was A Lovely Parade” steht für neunzig Sekunden totale Entschleunigung. Butlers rechte Hand in klirrenden Klangregionen, die linke in dröhnenden Tiefen – und in der Mitte hängt die Stirn auf den rissigen Tasten. Zwei sich bearbeitende Gitarren (J.J. Idt und Austin Skiles) durchziehen “It’s So Sexy”, ein stampfendes Klagelied mit Mardocks Bekenntnis: “When your makeup runs down your cheeks / You look so hot” – DAS ist sexy! Die vorweggenommene Coda “Last Song” verströmt die brüchige Eleganz von Joan As Police Woman, ebenso der dringliche Gesang von “Ballet Or Art”. Majestätisch kreist der Adler mit wenigen kräftigen Schwüngen, im luftigen Spiel vereint mit der quirligen Seemöwe. Zwischen ihnen leuchtet ein funkelnder Stern.

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