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Der Trotzkopf

Dua Lipa im Interview

Sie weiß, was sie will und sie bekommt es auch: Die Londoner Sängerin Dua Lipa schlägt sich seit ihrem 15. Lebensjahr praktisch auf eigene Faust durch Englands Hauptstadt, um sich ihren Traum vom Leben als Musikerin zu erfüllen. Dua ist keineswegs ein rebellischer Teenager – sie läuft bloß bestimmt, aber sanftmütig auf ihr Ziel zu. Kira Schneider traf sie in Köln.
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»Damals habe ich mich echt oft gefragt: Gehe ich das wirklich richtig an? Ich war so jung. Aber ich wusste einfach nicht, was ich außer Musik machen soll.« Was klingt wie die müßigen Rückblicke eines alten Hasen im Musikbusiness kommt aus dem Munde einer noch sehr jungen Frau, deren Karriere gerade erst beginnt. Dua Lipa, 21 Jahre alt und in den internationalen Charts mit Songs wie »Be The One« und »Hotter Than Hell« gut vertreten, steuert ihr Leben selbst und jagt ihren Traum, seit sie 15 ist. Als ihre Eltern, die aus dem Kosovo stammen, aus beruflichen Gründen dorthin zurückkehrten, sah Dua ihre Chancen in London – und stieg ein paar Jahre später alleine in einen Flieger zurück in die englische Hauptstadt. So aufmüpfig wie es klingt, war ihr Vorhaben allerdings nicht: Zu ihren Eltern hat die Sängerin nicht nur in Haushaltsfragen und in Sachen Überlebensstrategien als alleinstehender Teenie einen guten Draht. »Immer wenn ich dachte ›Was zur Hölle geht ab in meinem Leben?‹, hab ich sie einfach angerufen.«
So schauen sie aus, die zwei Seiten der Dua Lipa: Zum einen ist da dieses wunderschöne Mädchen mit den dunklen Haaren, der rauchigen Stimme, den Choker-Ketten und den gewagten Outfits – ein Mädchen, das dir eines kühlen Abends mit einem Glitzern des Highlighters auf ihren Wangenknochen das Herz brechen könnte, wenn ihr danach wär. Zum anderen ist da Dua, die versucht, in dieser Millionenmetropole auf sich allein gestellt so wenig Mist wie möglich zu bauen, damit ihre Eltern sich keine Sorgen machen. Dua, die ihr Herz auf der Zunge trägt und ihre Demos raus in die Welt schickte, um das tun zu können, was sie am meisten liebt: singen. »Ich habe Cover gepostet, habe Leute angesprochen, ihnen gesagt: Hör dir meine Aufnahme an, wir könnten zusammenarbeiten«, erzählt sie. »Irgendwann hat dann einer mich meinem jetzigen Manager vorgestellt.« 

Das Management teilt sie sich zufälligerweise mit Lana Del Rey. Einschüchternd? Nicht für Dua. »Vergleiche sind irgendwie scheiße – als mehr meiner Songs draußen waren, war auch völlig klar, wie verschieden wir sind. Es ist natürlich ein Riesenkompliment, aber du willst ja zeigen, was du kannst und wer du bist, statt vor jemandes Hintergrund betrachtet zu werden.« Vergleiche erübrigen sich tatsächlich, denn außer einer tiefen Stimme und einem sinnlichen Äußeren verbindet Lana und Dua wenig. Dua Lipas Songs sind um vieles Club-tauglicher und synthetischer als die berüchtigte Vintage-Melancholie der Lana Del Rey, und ihre Lyrics unverblümt unmädchenhaft. Mit »Hotter Than Hell« zum Beispiel wischt Dua einer verflossenen Beziehung eins aus: Damals fühlte sie sich klein und austauschbar, aber in ihrem Lied dreht sie den Spieß um und verarbeitet so die Erfahrung. »Ohne meine Erlebnisse hätte ich wohl nichts zu sagen«, stellt sie fest, »mittlerweile glaube ich auch, ich bin erwachsen geworden, bevor es an der Zeit für mich war.« Tatsächlich – es gibt 30-Jährige, die ihre Existenz nicht so im Griff haben, wie Dua es schon mit 18 oder 19 hatte. Paradoxerweise behält sie den selbstironischen, sorglosen Teenage-Esprit einer Tumblr-Userin im Highschool-Alter völlig mühelos bei. Lana-Memes kennen wir schon – wie sie sich Dua-Lipa-Memes vorstellt, frage ich sie. »Oh Gott«, lautet die Antwort nach einer kleinen Pause, »wahrscheinlich irgendwas mit Glitzerlidschatten, Chokern und Schlabber-Shirts. Das Standard-Teenie-Mädchen aus London halt.«


Für Mädchen sei es gerade eine gute Zeit, findet Dua. »Es gibt mehr weibliche Newcomer, mehr Girl Power im Radio.« Das ist nicht zuletzt den sozialen Medien geschuldet, und auch Dua ist natürlich ein Kind des Internets: »Ohne Social Media wäre ich niemals da, wo ich jetzt bin, weil ich die richtigen Leute nie kennengelernt hätte.« Als sie von Gruppenchats mit Fans erzählt, blüht Dua trotz des langen, mit Terminen vollgepackten Tages richtig auf. »Es ist ziemlich verrückt: Erst finden Leute durch Musiker zueinander, dann reden sie über Dinge aus dem echten Leben, kommen aus sich heraus und finden vielleicht zum ersten Mal Verbündete.« Ehrlichkeit und Zugänglichkeit scheinen für den Moment die zwei Gebote für Dua zu sein. Für einen jungen Menschen, der gerade einen ein Jahr lang andauernden Höhenflug erfährt, mit ausverkauften Shows weltweit und einem Jetlag so gewaltig, dass man nicht drüber nachdenken mag, zeigt sie bemerkenswerte Bodenhaftung. »Wenn ich jemandem helfen kann, der an einem Punkt ist, an dem ich vielleicht vor Kurzem selbst war, dann mache ich das. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man gestrandet ist und dich dann jemand wieder hochzieht.« 

Ein bisschen eifert sie ihren Vorbildern nach. Dua schwärmt davon wie Rapper J. Cole mal Fans in sein Elternhaus eingeladen hat. »Ich liebe es, dass man durch seine Musik echte Einblicke in sein Leben bekommt. So was bringt Künstler und Fans einander näher. Ich bewundere das sehr.« Ihre Idole seit Kindertagen verteidigt sie eisern: Nelly Furtado und Pink. »Die nehmen kein Blatt vor den Mund, und machen dabei geile Popmusik«, sagt sie völlig unprätentiös. In ihrer eigenen Rolle als kommerziell erfolgreicher Popstar fühlt sie sich offensichtlich pudelwohl, solange man sie nur machen lässt. »Am Anfang bin ich ins Studio und sagte, ich will klingen wie Nelly Furtado und Kendrick Lamar und Outkast, und alle dachten, was zur Hölle will dieses Mädchen? Als ich dann angefangen habe, mehr Songs zu schreiben, bekam ich langsam den Dreh raus, was mein Sound werden sollte.« Lang dauert es nicht mehr bis zu ihrem lang ersehnten Album-Release. »Keep your eyes on the price … just be nice along the way«, wirft Dua gutmütig ein. Rebellisch? Nur ein bisschen. »Ich mache nichts kaputt oder so, und bin supernett zu deinen Eltern. Aber verbiegen lasse ich mich halt nicht.«

Dua Lipa

Dua Lipa

Release: 02.06.2017

℗ 2017 Dua Lipa Limited, under exclusive license to Vertigo/Capitol, a division of Universal Music GmbH

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