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Das Video zu »French Disko« ist da!

Dirk von Lowtzow und die Beatsteaks über »Tschick«

Dirk von Lowtzow von Tocotronic hat gemeinsam mit den Beatsteaks ein Cover von Stereolabs »French Disco« für den Soundtrack von »Tschick« eingespielt. Jetzt ist das Video zum Song da. Wir haben die Musiker zum Gespräch getroffen. 
Geschrieben am
Interview:
Sermin Usta
Achtet ihr bei Filmen darauf, wie die Musik im Hintergrund klingt und ob ein Soundtrack ein guter oder schlechter ist?
Dirk: Total. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen polemisch, aber oft sind Soundtracks auch einfach schlecht. Und das traurige ist, das kann echt einen ganzen Film versauen. Bei Hollywood-Filmen stört es mich noch am wenigsten, aber bei Filmen die ich toll finde, ist das schon ärgerlich.  

Wer von euch beiden hat denn im Vorfeld das Buch von Wolfgang Herrndorf gelesen?
Arnim: Ich nicht (lacht).
Dirk: Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich habe mir erst vor kurzem das Buch auf mein Kindl geladen und bin jetzt ungefähr bei der Hälfte angekommen.
Arnim: Aber als die Anfrage kam, war für uns klar, dass wir dabei sind, wenn Fatih diese Geschichte verfilmt. Denn der Rest unserer Band hat das Buch nämlich gelesen und ist großer Fan.  

Habt ihr denn zumindest den Film geschaut?
Arnim: Leider nicht (lacht). Um ehrlich zu sein, haben wir nur die letzten zehn Minuten gesehen, da wir wussten, dass unser Song im Abspann gespielt wird. Quasi in den Sonnenuntergang rein. Damit wir auch sicher sein konnten, dass alles passt, durften wir einen kurzen Blick darauf werfen. Aber soviel kann ich zum Film sagen: Fatih ist wirklich zufrieden und glücklich damit.
Aber ihr wisst worum die Geschichte geht. Könnt ihr euch mit den beiden und ihrer Unvernunft ein wenig identifizieren?
Dirk: Ich habe ja erst zwei Drittel der Geschichte gelesen, aber mir ist eins direkt aufgefallen: Das Buch ist nicht wie andere Jugendbücher pädagogisch. Das finde ich sehr schön. Oft sind Bücher für Jugendliche so geschrieben, dass sie irgendeine pädagogische Philosophie vermitteln wollen. Das ist auch der Grund, wieso mir so wenige Bücher einfallen, die ich als Jugendlicher gerne gelesen habe.
Arnim: Ja, ging mir auch so.
Dirk: Und das ist natürlich eine große Leistung. Außerdem ist Rockmusik ja auch wie eine Endlospubertät, also kann man sich mit Teenagern immer gut identifizieren.
Arnim: Einer meiner Lieblingsfilme aus meiner Jugend ist »Stand By Me«, deswegen hoffe ich ja, das »Tschick« diesem Klassiker ein bisschen nahe kommt.
Dirk: Ich habe als Jugendlicher auch nie Jugendliteratur gelesen, dafür aber wahnsinnig viel Stephen King. Als ich 13 Jahre alt war, kamen gerade die ersten Übersetzungen und Verfilmungen raus. An den Geschichten gefiel mir besonders gut, dass die jungen Menschen als ernstzunehmende Charaktere dargestellt wurden, die der Erwachsenen-Welt etwas entgegenzusetzen haben. Vielleicht sogar eine bessere Welt. Kinder zu verscheißern ist einfach nicht gut. Aus diesem Grund bin ich ja auch so ein großer Buffy-Fan. Die haben natürlich auch Probleme wie alle in diesem Alter, aber auch diese werden extrem ernst genommen.  

Was war das Unvernünftigste was ihr in diesem Alter gemacht habt?
Arnim: Ich war nie wirklich halbstark, aber ich habe mal in einer Kaufhalle in Ost-Berlin geklaut. Einer der schlimmsten Tage meines Lebens auf jeden Fall. Ich werde nie vergessen, wie mein Kumpel vor mir gelaufen ist und gebrüllt hat: »Mit dir habe ich nichts zu tun!« Das gehört aber irgendwie zum Erwachsenwerden dazu, solche Erfahrungen muss man gemacht haben.
Dirk: Ich komme ja aus einer ganz kleinen Stadt namens Offenburg. Und da musste man viel mit dem Fahrrad unterwegs sein als Jugendlicher. Mit 15 habe ich dann, als meine Eltern für ein Wochenende verreist sind, das erste Mal richtig viel getrunken mit einem meiner engsten Kumpels. An einem Sonntagnachmittag wohlgemerkt, in irgendeinem Café in der Innenstadt. Wir haben das natürlich gar nicht vertragen. Auf dem Weg nach Hause bin ich betrunken in ein parkendes Autos gefahren und habe eine Schramme hinterlassen. Das Blöde war nur, der Besitzer saß gerade drin und hat uns dann zur Polizei geschleppt. Und natürlich kamen genau an diesem Abend meine Eltern zurück, die uns dann abholen durften. Es kam tatsächlich auch zu einer Gerichtsverhandlung. Am Ende wurde ich dann zu einer Menge Sozialstunden verdonnert, die ich bei irgendeiner evangelischen Kirchengemeinde ableisten durfte.
Arnim: Da warst du doch bestimmt stolz drauf?
Dirk: Klar, ich weiß noch wie ich zu meiner Clique an den Baggersee gefahren bin und stolz erzählt habe, wo ich gerade herkomme. Wie so ein jugendlicher Straftäter (lacht).  

In welchen Situationen zeigt sich das Kind in euch?
Arnim: Im Proberaum und auf der Bühne. Ganz klar. Weil man dort ganz einfach den Kopf ausschaltet.
Dirk: Na ja, ich bin eher ein kleines Mädchen, würde ich sagen. Ich kuschle lieber mit meinen Stofftieren.

Ihr habt dem Soundtrack genau einen Song beigesteuert und damit wieder gleich alle überrascht. Wie kam das Cover von Stereolab zustande? Wieso gerade »French Disko«?
Arnim: Das ist schon ewig einer meiner Lieblingssongs. Ich habe immer gehofft, dass wir mit den Beatsteaks da mal was machen können.
Dirk: Meinst du, das kommt vom Auflegen?
Arnim: Auf jeden Fall. Wir haben den Song öfter aufgelegt. Aber ich fand den Gesang auch immer so schön. Ich war mir auch sicher, sie singt Französisch. Als dann die Filmanfrage kam, dachten wir klar, das machen wir jetzt: »Endlich mal Französisch singen!« (lacht). Irgendwann habe ich mir den Text dann vorgenommen und gemerkt, ah englischer Text. Und erst als ich mir den Text genauer angesehen habe und versucht habe zu verstehen, worum es genau geht, dachte ich nur: »Ach, das ist doch ein Dirk von Lowtzow Text!«. Dann habe ich ihn angerufen und gefragt, ob er das Lied kennt. Er kannte es selbstverständlich. Als ich ihn fragte, ob er ihn übersetzen könnte, sagte er direkt: »Nee, quatsch!«
Dirk: Stimmt (lacht).
Arnim: Eine halbe Stunde später bekam ich eine SMS von ihm mit den Worten: »Hey probier’ es doch mal damit!«. Dann wurde mir kurz schwindelig, weil ich es mega fand.
Dirk: Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass man den Song so gut übersetzen kann. Aber das lag vielleicht auch daran, dass ich nur das Lied aber nicht den genauen Text im Kopf hatte. Durch den Titel und Lætitia Sadiers Wurzeln dachte ich nämlich auch das sei ein französischer Text. Aber bei genauer Analyse, habe ich viele Wörter uns Ansätze gefunden, die wir auch bei Tocotronic benutzen, wie Rebellion, Widerstand, Solidarität. Die Art wie Stereolab Texte geschrieben haben, kommt unserer Art zu texten sehr nahe. Es ist Prosa, die sich fast wie eine marxistische Theorie liest.  

Und ihr habt den Text wirklich wörtlich übersetzt?
Dirk: Ja, genau. Es hat wirklich alles gepasst. Man würde den Song auch gar nicht mit der Geschichte in Verbindung bringen.
Arnim: Unsere Kontrollinstanz war ja Thomas, der das Buch gelesen hatte und selbstverständlich auch den Song kannte. Als er meinte: »Das könnte funktionieren«, haben wir es probiert.

»Tschick« startet am 15. September im Kino. Mehr zum Thema findet ihr hier.

Various Artists

tschick (Original Motion Picture Soundtrack)

Release: 09.09.2016

℗ 2016 Warner Music Group Germany Holding GmbH / A Warner Music Group Company

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