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Dänische Delikatessen

Die Highlights vom Spot Festival 2017

Am vergangenen Wochenende trafen sich Musikjournallie und Booking-Welt im schönen Aarhus in Dänemark. Der Anlass? Das Spot Festival, das jungen skandinavischen Acts – vornehmlich aus Dänemark – eine Bühne bietet. Daniel Koch war vor Ort und hat uns seine Highlights mitgebracht. Mit dabei sind zum Beispiel Sløtface, Nico Muhly & Teitur, Sigrid und Lød.

Geschrieben am
01 Lød
Die Überraschung am Donnerstagabend: Im Tape, einem sehr schönen, kleinen Club, der sich die Förderung der lokalen Musikszene auf die Fahne geschrieben hat, erobert der Azubi von Ian Curtis mit seiner Band Lød die Herzen des Publikums. Obwohl es einem die Kopenhagener nicht gerade leicht machen: Im Bühnennebel bearbeiten die jungen Herren geradezu verbissen ihre Instrumente, mäandern zwischen Krautrock, Noise und dunkler Joy-Division-Atmo und gönnen uns zwischen ihren songartigen Ausbrüchen nicht eine Sekunde Stille. Blickfang ist trotzdem ihr Sänger, der mit pathetischem Timbre stimmlich und ausdruckstänzerisch Curtis als Vorbild erkennen lässt. Wobei er zwischendurch auch gerne mal einen DAF-Stampfer in seine Performance einbaut. Die Texte, sofern man sie raushört, scheinen dänisch zu sein, so ganz sicher ist man am Ende nicht. Egal –  Lød werden wir im Auge behalten und hoffen, dass sie bald mehr von sich hören lassen. Bisher gibt’s nur Youtube-Clip-Fetzen wie diesen und eine 12“ bei Bandcamp.

02 Nico Muhly & Teitur spielen »Confessions«
Während draußen der Frühling ausbricht, füllen der amerikanische Komponist Nico Muhly und Färöer’s Finest Teitur mit dem Aarhus Sinfonie Orchester schon am frühen Nachmittag den großen Symfonisk Sal im Musikhuset, um ihre Kollaboration »Confessions« in Auszügen darzubieten. Das Konzept für diese Arbeit, die im vergangenen Jahr als Album erschien: »Wir haben sinnlose Youtube-Videos als Inspiration genommen und sie mit höchstem Respekt behandelt«. So erklärt es Teitur nach den ersten beiden Stücken. Und tatsächlich: Die wendungsreichen, mal bierernsten, mal ironischen Kompositionen und Teiturs Texte, die er mit dieser sehr eigenen, sehr schönen Stimme vorträgt, ergeben eine Mischung, der sich kaum jemand entziehen kann – obwohl der Schritt vom sonnigen Mittagsbier zum edlen Konzertsaal ein wenig krass war.

03 Sløtface
Nicht umsonst haben wir Haley und ihre Jungs schon auf dem Eurosonic getroffen. Wenn es eine junge Band schafft, dem nicht zu unrecht verpönten Genre Pop-Punk wieder Leben und sogar Haltung einzuhauchen, muss die Welt das erfahren. Über den Namen sagten sie uns übrigens: »Sløtface wird genauso wie Slutface ausgesprochen – der norwegische Buchstabe Ø klingt wie das englische U«. Slutface hießen sie vorher, bis sie merkten, dass man damit im Internet oft weggeblockt wird. Und sie wählten ihn, weil er »ein guter Gesprächsanfang ist, über das Frauenbild in der Musikindustrie zu sprechen.« Leider schien das Spot-Festival-Publikum Sløtface schon ein paar mal live gesehen zu haben und die Reihen vor der Bühne blieben etwas leerer, als sie das verdient hätten. Egal, Spaß machen sie weiterhin, vor allem mit dieser Knallersingle.

04 First Hate
Viel diskutiert und oft gelobt, wurde der Auftritt dieses Duos, das sich zwar in der großen Armee der Depeche-Mode-Wiedergänger einreiht, mit seinem sehr poppigen, melodieverliebten Synthie-Pop aber durchaus aus dieser Masse hervorsteicht. Allerdings weiß man nicht so ganz, ob First Hates affektierte Coolness nun ironisch gemeint ist oder eher nicht. Wir befürchten Letzteres, sind aber bereit darüber hinwegzusehen, wenn sie weiterhin Stücke wie dieses bringen.
05 Shitkid
Polierte Keyboardmucke, ultrasmoother R’n’B und etwas gefälliger Electro sind dieser Tage ein wenig zu sehr Konsens in der Musikwelt – das merkt man auch und vor allem am Spot-Line-up. Sehr erfreulich war es deshalb, Shitkid am frühen Abend zu erleben. Die 23jährige Schwedin Åsa Söderqvist und ihre Band-Mitstreiterin brachten ihren räudigen DIY-Punk und ihre oft feministischen Lyrics mit einer herrlichen Fuck-You-Attitüde auf die Bühne und hatten nach gut 25 Minuten bereits alles und mehr gesagt.
06 Sigrid
Nach langer Überlegung wollen wir sie doch in diese Liste aufnehmen, obwohl ihre Liveshow auf Langstrecke ein wenig monoton geriet. Was nicht an ihrer Performance lag. Im Gegenteil: Wie die 19jährige Schwedin da grinsend über die Bühne irrlichterte, keinen Ton verfehlte, ihren Gesang manchmal mit einem leichten Rachenkratzen noch spannender klingen ließ, war es eine große Freude, ihr beizuwohnen. Das Problem waren eher der verschmockte Keyboardsounds und die ewig gleichen Songstrukturen aus dem Hitbaukasten. Sigrid wurde bereits mit 17 Jahren von einem Majorlabel gesignt, was ihren am Reißbrett entworfenen Sound erklären dürfte. Aber vielleicht ist es ja noch nicht zu spät, gegenzusteuern. Wenn sie ihrem Management noch mal die Bedeutung ihres Hits »Don’t Kill My Vibe« einsingt und wenn sie sich häufiger traut, eine lyrisch wie musikalisch starke Ballade wie »Dynamite« rauszufeuern, bei der die Bühne ganz ihr gehörte, dann wird das was ...

07 Aarhus
Ist vielleicht klar, soll hier aber noch mal erwähnt werden: Ein Grund, zum Spot zu fahren ist alle Jahre wieder die Gastgeberstadt. In diesem Jahr vielleicht noch ein bisschen mehr, da Aarhus gerade offizielle Kulturhauptstadt Europas ist, was sich bizarrerweise in erster Linie dadurch bemerkbar macht, dass man das auf jedem zweiten Bürgersteigpflasterstein nachlesen kann. Aber auch sonst hat die Stadt viel zu bieten: preisgekrönte Architektur, sehr schöne Trinkgelegenheiten in Wassernähe und tolle Museen, wie das ARoS Aarhus Kunstmuseum mit dem bekannten Rainbow Walk auf dem Dach. Das findet sich direkt neben der Festivalzentrale, und da man es dadurch jeden Tag passiert, kann man sich dem Drang reinzugehen, eigentlich nur schwer widersetzen.

Das ARoS Aarhus Kunstmuseum
Bild: Daniel Koch

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