×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Das Model und die Schriftstellerin

Sara Gmuer

Bis vor zwei Jahren jobbte Sara Gmuer hauptsächlich als Model. Dann begann die 32-jährige HipHop-Liebhaberin die Arbeit an ihrem Debütroman. Einfach mal ein Buch schreiben! Jetzt ist »Karizma« da – und erzählt von einem Model, das zum Rap-Star wird.
Geschrieben am

Bei Sara Gmuers Roman »Karizma« hat man vom ersten Satz an das Gefühl, die Autorin könnte ihre Geschichte jeden Moment gegen die Wand fahren. Dann kriegt sie aber doch immer wieder die Kurve.

Die Kritik hat sich geradezu überschlagen. Es gab viel Lob in den Feuilletons. Die Schweizerin freut sich darüber. Es ist ja auch keine Selbstverständlichkeit, mit dem Debüt gleich einen literarischen Sommerhit zu landen. Wie sie es geschafft hat, das Buch trotz aller plötzlichen Wendungen im Leben der Hauptfigur Victoria so hinzubekommen, dass ihr stets eine gewisse Lässigkeit attestiert wird? »Das mit der Leichtigkeit war manchmal ziemlich anstrengend. Ich arbeite viel mit Gefühl. Wie Feng Shui – nur für Seiten.«

Die Story um das Model Victoria, das sich in eine Romanze mit dem Berliner Rapper Said stürzt, erscheint bei Orange Press. Der Freiburger Verlag stand bislang für Sachbücher wie »We Feed The World« oder »Making Woodstock«. Beinahe wäre das auch so geblieben. Als die Verlegerin anrief, erzählt Sara, habe sie nämlich zunächst gedacht, eine Vertreterin des Telekommunikationsunternehmens Orange sei am Telefon. Und Sara so: »Vertrag? Nee, danke!« Beim ersten Treffen dann das nächste Problem: Auf die Frage, wie viel von dem eingeschickten Fragment denn autobiografisch sei, bekannte Sara: »Fast gar nichts.« So kam Orange Press zum ersten Roman im eigenen Programm.

»Sie wollten es unbedingt machen. Hätte das Buch ganz vorgelegen, wäre die Frage überflüssig gewesen«, erklärt Sara. Eine echte Karizma – die Figur, zu der Victoria im Lauf der Handlung wird – existiert schließlich nicht. Victoria verrät dennoch einiges über ihre Erfinderin: So wie sie steht Sara Gmuer auf HipHop und hat bereits als Model beziehungsweise Schauspielerin gearbeitet, zum Beispiel ist sie im Clip des Ärzte-Songs »Fiasko« zu sehen. Für den Charakter ihrer toughen Heldin hat sie sich von guten Freundinnen inspirieren lassen. Dass Victoria immer wieder herbe Verluste erleidet, war genau so geplant: »Ich wollte ihre Traurigkeit, aber auch die Wut zeigen.« Saras ursprünglicher Titelvorschlag lautete »Halt’s Maul, wenn du mit mir redest«.

Die größte Gemeinsamkeit von Sara und Victoria besteht wohl im learning by doing. So, wie Victoria nach Saids Verschwinden das eigene Rap-Talent entdeckt, entwickelte sich Sara Gmuer zur Schriftstellerin, weil sie mutig genug war, das Schreiben eines längeren Textes einfach mal auszuprobieren – und als »Wortpedantin« daran zu feilen. Die besten Passagen sind Victorias Aufenthalt in der Psychiatrie und das Treffen mit ihrem Vater. Denn da steht jeweils ihr Verhältnis und somit das Verhältnis des gesamten Romans zur Realität auf dem Prüfstand. Vielleicht kann man das so nüchterne wie spektakuläre Ende von »Karizma« auch schon bald im Kino sehen. Es gebe Anfragen wegen einer Verfilmung, sagt Sara. Genaues könne sie jedoch noch nicht erzählen. Fatih Akin, bitte übernehmen Sie!

Sara Gmuer »Karizma« (Orange Press, 219 S., € 16,90 / VÖ Mai 2012)

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr