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Interview mit dem Club-Betreiber Jan van Weegen

Das Gebäude 9 ist bedroht

Diese Woche schreckte uns die Nachricht auf, dass der Kölner Live-Club Gebäude 9 vom Aus bedroht ist. INTRO ist dem Club und seinen Betreibern nicht nur aufgrund der dort stattfindenden INTRODUCING-Reihe sehr zugetan. Deshalb sprachen wir mit Jan van Weegen, einem der zwei Betreiber des Gebäude 9, über die aktuellen Entwicklungen und die Chancen für die Zukunft des Clubs.
Geschrieben am

In den letzten Tagen haben mehrere Presseorgane über ein drohendes Ende des Gebäude 9 geschrieben. Wie sieht die Situation aktuell aus?

Wir haben aktuell leider nur Planungssicherheit bis zum Ende diesen Jahres. Aktuell geht eine Flächennutzungs- und Bebauungsplanänderung durch die städtischen Gremien, die große Teile des Kunst- und Gewerbehofes, auf dem das Gebäude 9 beheimatet ist, als Mischgebiet ausweist. Damit wäre eine Wohnbebauung bis ran an das Gebäude des KunstWerk Köln möglich. Der Betrieb eines Musikclubs ist dann nach Aussage des Stadtplanungsamtes nicht mehr möglich.

 

Wie sieht die Mietsituation für euer Gebäude denn aus?

Unser Mietvertrag mit der Rhein Estate GmbH läuft momentan bis zum Ende diesen Jahres. Dies gilt für alle Nutzer des Kunst- und Gewerbehofes außer der Ateliergemeinschaft KunstWerk Köln. Die haben einen Erbpachtvertrag, der noch mindestens 20 Jahre läuft. Uns wurde mehrfach ein Gespräch mit dem Investor, der das Gelände der Rhein Estate abkaufen will, in Aussicht gestellt, um zu schauen, wie es weitergeht. Das hat leider bis zum heutigen Tag nicht stattgefunden.

Seit wann wisst ihr von dieser Weiterentwicklung des Areals?

Es ist seit Jahren klar, dass der Mülheimer Süden weiterentwickelt werden wird und werden muss. Im letzten Jahr gab es seitens der Stadt ein »interdisziplinäres, dialogisches Werkstattverfahren« zum Zwecke der öffentlichen Ideensammlung. Der Erhalt des Gebäude 9 und die Weiterentwicklung des Kunst- und Gewerbehofes war einer der häufigsten Eingaben seitens der Öffentlichkeit. Ich bin gespannt, ob anderswo im Planungsgebiet die zahlreichen kreativen Ideen aufgegriffen werden. Wenn schon nicht auf unserem Hof.

Dass man vorhandene Industriearchitektur aufgreifen und erfolgreich  in eine zeitgemäße Nutzung überführen kann, sieht man ja z. B. in der Schanzenstraße. Abriss hingegen ist immer auch ein Stück Verlust von Stadtgeschichte.

Gegen Wohnbebauung ist grundsätzlich natürlich gar nichts einzuwenden. Die riesigen benachbarten Brachflächen sollten auch auf jeden Fall dafür genutzt werden. Ein kulturelles Angebot in der Nachbarschaft, in erträglicher Lärmdistanz hätte man ja auch als Chance aufgreifen können.

Im Übrigen komme ich auf meinem Weg zum G9 an der Brachfläche des Barmer Viertels vorbei und frage mich jedes Mal, warum das Wohnquartier eigentlich so dringend abgerissen werden musste. Damit man acht Jahre lang eine Schotterfläche mitten in Deutz hat?

 

 

Gab es von behördlicher Seite irgendeine Form der Unterstützung?

Vom Kulturamt natürlich. Ansonsten... man darf nicht davon ausgehen, dass einem international renommierten Club wie das Gebäude 9 bei allen Entscheidungsträgern automatisch eine hohe Relevanz beigemessen wird. Die sehen tagsüber eine marode Bausubstanz und verstehen den ganzen Ärger um die »Halle 9« nicht. Die sind dann abends aber auch leider nicht da, wenn Künstler wie Ja, Panik, Milky Chance, Built To Spill u. a. diesen Ort zusammen mit dem Publikum in etwas völlig anderes verwandeln.

Aktuell gibt es aber deutliche Signale aus dem Kulturausschuss, dass die Belange der Clubkultur und Musikspielstätten stärker in der lokalen Kulturpolitik verankert werden müssen. Die Klubkomm (Verband Kölner Clubs und Veranstalter) arbeitet diesbezüglich daran. Präzedenzfälle gab es mit Papierfabrik, Sensor Club u. a. ja mehr als genug.

 

Was wollt ihr gegen die Schließung des Gebäude 9 unternehmen? Könnt ihr etwas unternehmen?

Wir hoffen aktuell, dass zumindest eine mittelfristige Lösung herbeigeführt werden kann, dass wir zusammen mit unseren Hofnachbarn das Gebäudeareal weiter nutzen können. Solange da baulich nichts angetastet wird, sehe ich keinen Grund, warum die zahlreichen Künstler, die gerne zu uns kommen, nicht auch mit ihrem nächsten Album wieder bei uns auftreten können. Ganz zu schweigen von der tollen INTRODUCING-Reihe, die wir natürlich mit euch fortführen wollen, haha. Ob man sich langfristig noch mal neue Gedanken zu einer modernen Quartiersentwicklung im Mülheimer Süden machen will, weiß ich nicht.

 

 

Im Internet hat sich bereits eine breite Front an Unterstützern formiert. Was können die vielen Besucher des Gebäude 9 tun, um euch zu helfen?

Es hat sich sehr schnell und ohne unser Zutun bei Facebook eine »Rettet das Gebäude 9«-Gruppe gegründet. Da sind innerhalb kürzester Zeit über 3800 Leute beigetreten und es wird sehr kreativ und kenntnisreich geplant und diskutiert. Von dem Zuspruch sind wir natürlich überwältigt! Mittlerweile gibt es auch eine Fanpage »Rettet das Gebäude 9«.

 

Wie geht der kommunale Entscheidungsprozess nun weiter? Was sind die Termine, die für die Zukunft des Gebäude 9 entscheidend sind?

Am 03.04. und 08.05. wird im Stadtentwicklungsausschuss noch mal über den Flächennutzungsplan und Bebauungsplan beraten. Meines Wissens gibt es dann noch eine Offenlage für die Öffentlichkeit. Grundsätzlich ist das ganze Bauleitverfahren drastisch verkürzt worden, um es noch in dieser Legislaturperiode zu beschließen. Am 25.05. ist Kommunalwahl.

 

Könnt ihr euch im schlimmsten Fall vorstellen, den Club an einem anderen Ort neu zu eröffnen? Gibt es dazu schon Ideen?

Kerstin Meier hat zu der Thematik im KStA sehr richtig geschrieben, dass man so einen Club nicht am Reißbrett planen kann. Das steht und fällt mit dem Ort, mit all seinen Stärken und Schwächen. Das hat in all den Jahren eine eigene Dynamik gehabt, die durch Künstler, Publikum und den Ort definiert wurde. Da gab es ja nie einen Masterplan, der dahinter steht.

Allein die Möglichkeit, nachts ohne Nachbarschaftsstress auf dem Hof inmitten der Industriearchitektur sein Bier zu trinken, ist für viele schon einen Besuch wert. Und wem es nicht gefällt, der bleibt halt weg.

Wir waren all die Jahre eine völlig konfliktfreie Zone in toller Nachbarschaft mit den Handwerkern, Künstlern, Musikern, um die uns viele andere Clubs beneidet haben.

Ich weiß beim besten Willen nicht, wie man so was noch mal neu kreieren kann.

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