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So war’s in Kopenhagen: Korben Dallas Multipass

Dan Deacon live beim Frost Festival

Dan Deacon veranstaltet einen Party-Gottesdienst im Jazzclub und alle machen mit.
Geschrieben am
28.02.2013, Kopenhagen, Jazz House

Das Frost Festival in Kopenhagen hat es sich zur Aufgabe gemacht, ungewöhnliche Orte, extraordinäre Konzepte und im weitesten Sinne alternative Musik zusammenzubringen. Die Konzerte finden im Botanischen Garten, einer alten Kirche oder eben dem Jazz House statt. Wo sonst flott drauflos gejazzt wird, halten während des Frost Festivals Indie Pop und Alternative Rock Einzug. An diesem Donnerstag lautet das Booking: Thulebasen und Dan Deacon.

Den Auftakt machen Thulebasen, ein Trio aus Kopenhagen, das sich in der Schnittmenge aus Grunge, Psychedelic Rock und Free Jazz bewegt. Der stilvoll beleuchtete Saal füllt sich stetig, während die Band ihre ersten Stücke spielt, die wirken, als seien sie das Ergebnis ausgiebiger und verrauchter Proberaum-Sessions. Leider scheint anfangs die Chemie auf der Bühne nicht völlig zu stimmen, klingen manche der wuchtigen Stücke arg holprig. Auch bei improvisierter Rockmusik ist das passende Timing nicht zu unterschätzen, und es gelingt Thulebasen glücklicherweise in der Mitte ihres  rund 30minütigen Sets, sich zu fokussieren und einige druckvolle Songs in den dankbar applaudierenden Jazzclub zu feuern.
 
Dennoch ist klar, dass die meisten der geschätzt 250 Besucher für Dan Deacon gekommen sind, der heute seine Kopenhagen-Premiere gibt und von zwei Schlagzeugern sowie einem Keyboarder begleitet wird. Im Vergleich zu seinen früheren Solo-Shows steigert sich so deutlich der Konzertcharakter, was jedoch nicht bedeutet, dass der beleibte Entertainer auf ausführliche Publikumsinteraktion verzichtet. Direkt zu Beginn des Auftritts wird eine Art absurd-komisches Massengebet veranstaltet, was sich schließlich zur Bruce Willis-Beschwörungsformel »Korben Dallas Multipass« zuspitzt. Die Hände sind in der Luft, da beginnen die Füße an, jeden Halt zu verlieren. Ab Minute eins ist die Energie im Raum spürbar und Deacon nebst Band peitschen die Menge mit Drum’n’Bass- und Mickey Mouse-Stimme an.
 
Statt wie früher mitten im Publikum, steht Deacons wunderliche, selbstgebaute Licht-und Ton-Konsole im Zentrum seiner Band auf der Bühne. Von der unmittelbaren Wirkung seiner Kommandos geht jedoch nichts verloren. Mehrfach wird das Publikum geteilt oder im Kreis aufgestellt, um einen Tanzwettbewerb zu veranstalten. Es stellt sich dabei als hilfreich heraus, dass das Getränke-Spezial aus vier Bier zum Sonderpreis besteht. Eine gesunde Grundmenge Alkohol fördert den ausgelassenen Spaß und lässt die Schamgrenze sinken. Denn soviel ist klar: Miesepeter und Spaßbremsen haben es heute schwer.
 
Dan Deacon selbst scheint bestens aufgelegt und fest entschlossen, das letzte Konzert seiner aktuellen Europa-Tour als Party-Gottesdienst zu feiern. Als besonderes Extra hat er eine App im Gepäck, die sich Smartphone-Besitzer im Vorfeld gratis runterladen konnten. Im Verlauf der Show werden die Telefone so zur Light-Show, indem sie durch musikalische Reize die Farbe der Display-Beleuchtung ändert oder wie von Gesietrhand die Taschenlampen-Funktion aufblitzen lässt. Selten sah man auf Konzerten zuletzt so gerne Smartphones in die Luft gestreckt. »If your arm gets tired, remember that you have two«, kommentiert Deacon und macht weiter mit der wilden Fahrt. Nächster Halt: Polonaise. Und zwar durch den Hinterausgang aus dem Club heraus und den Vordereingang zurück hinein, bevor einige brachiale Tracks die Tanzfläche endgültig zur Explosion bringen.

Spätestens jetzt wabern große Wolken von Schweißgeruch durch den Raum und es ist noch lange nicht vorbei. Weit über eine Stunde spielen Deacon und co. und schaffen es dabei, bis zum Schluss die Energie im Publikum auf der Bühne zu spiegeln.

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