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Der Trompeter, der den Swag aufdreht

Christian Scott aTunde Adjuah live in Köln

Die großartige Black Atlantic-Reihe holt den nächsten aufstrebenden Jazz-Musiker ins CBE: Der Trompeter Christian Scott aTunde Adjuah spielt nicht nur virtuos, sondern gibt sich auch nahbar und erhaben zugleich.
Geschrieben am
22.11.2017, Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

Man muss schon fast Angst um die Trompete haben. Direkt im ersten Song »The Coronation of X. aTunde Adjuah« drückt Christian Scott so viel Luft in sein Instrument, dass es scheint, als ob das Metall jeden Moment bersten könnte. Tut es natürlich nicht, aber klar ist, dass dem US-Amerikaner Zurückhaltung unbekannt ist. Das beweist auch sein Bühnenoutfit: Mit seinem Vera Wang-Mantel, dem goldenen Collier und den fast an Schlagringe erinnernden Fingerschmuckstücken wäre er, würde er Fußball statt Trompete spielen, definitiv bei den »Fußballern, die den Swag aufdrehen« gelandet.

Zur Entscheidung gegen Ball und für Trompete kann man ihn und sich selbst nur beglückwünschen, denn Christian Scotts Jazz-Interpretation dreht in gewisser Weise selbst den Swag auf: Zum einen ist er ein vornehmer Virtuose, der ohne viel Aufhebens standesgemäß abliefert; zum anderen lehnt sich sein Sound immer wieder gerne zum HipHop mit seinen treibenden Bässen, einem unbezwingbaren Groove und einer in sich ruhenden Lässigkeit. Hierbei unterstützt ihn maßgeblich seine Band, die aus Schlagzeug, Bass, Piano und Alt-Saxopohon besteht und bestens eingespielt ist. 
Was den in New Orleans geborenen Scott von seinen Fußball spielenden Style-Genossen unterscheidet, ist die Lust an klaren Aussagen. Hier wird gegen kleingeistige Abgrenzungsmechanismen, Kriege (»Some old people declaring it and you and your kids have to fight in it«), jede Form der Diskriminierung und fehlende Nächstenliebe gewettert. Und wenn solche Ansagen bei Scott – wie sonst so häufig – nicht ins pathetische abdriften, liegt es an seiner grundsympathischen, lustigen und empathischen Art. Diese manifestiert sich unter anderem auch darin, dass er immer wieder seine Bandkollegen durch Zurufe auf der Bühne lobt, motiviert und weiter anstachelt. Dies hätten die Musiker allerdings gar nicht nötig. Die Band spielt ihren eigenen, innovativen Jazz-Stil so drückend und einnehmend, dass man sich nicht mal kurz zum Getränkeholen weg wagt. Sonst würde man ja das Art Blakey Cover (»Moanin‘«), die John Coltrane-Hommage »Equinox« oder vor allem die eigenen Stücke (ganz groß: »The Walk« und »Diaspora«) verpassen. Und selbst wenn Scott und seine Band die Bühne des gut gefüllten CBEs nach knapp 90 Minuten ohne Zugabe verlassen, ist man sowohl musikalisch als auch menschlich staunend zurückgelassen von diesem Trompeter, der den Swag aufdreht.

Christian Scott aTunde Adjuah

Stretch Music (Introducing Elena Pinderhughes)

Release: 18.09.2015

℗ 2015 Stretch Music, LLC. / World Distribution by Ropeadope

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