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We Built This City

c/o Pop

Für & Wider Skeptiker gab es zur Genüge, doch allen Unkrufen zum Trotz hat das c/o Pop Festival die Lücke, die die Popkomm im Kölner Sommer hinterließ, im Electro-Bereich adäquat füllen können. Selbstredend, dass ein Festival, das sich hauptsächlich mit elektronischer Musik beschäftigt, nicht
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Für & Wider

Skeptiker gab es zur Genüge, doch allen Unkrufen zum Trotz hat das c/o Pop Festival die Lücke, die die Popkomm im Kölner Sommer hinterließ, im Electro-Bereich adäquat füllen können. Selbstredend, dass ein Festival, das sich hauptsächlich mit elektronischer Musik beschäftigt, nicht die Präsenz hinbekommen kann wie ein alles abdeckendes, deswegen aber auch nicht gerade charmigeres Popmonster wie die Popkomm. Die zum Festival erschienene CD hatte es bereits angedeutet: Es geht den Festivalmachern um mehr als nur um einige wilde Tage im August. Sie wollen darüber hinaus Zeichen setzen, neue Impulse liefern. "We Built This City" zitiert hierfür die letztjährige Maxi von Baxendale auf Kompakt und eignet sich als Leitslogan wirklich exzellent. Denn in der Tat kommen viele von jenen zu Wort und Sound, die Köln als eine der weltweiten Hauptstädte für elektronische Musik prägten - ein Unterfangen, das so wohl keiner der Protagonisten für möglich gehalten hätte, als sich Ende der 80er, aufgewühlt von Detroit und Chicago, eine elektronische Musikszene herauszubilden begann. Mit dabei sind u. a. Hans Nieswandt, der als Spex-Chefredakteur und später mit Whirlpool Production und als DJ den Sound aus Köln hinaustrug, die A-Musik/Sonig/Mouse-On-Mars-Posse, die gewährleistet, dass auch die Avantgarde nie zu kurz kommt in der Stadt, Holger Czukay, der mit Can die Basis für so vieles legte und später mit Dr. Walker die Brücke zur nächsten Generation suchte und fand, Kompakt, das derzeitige Erfolgsmodell Techno, und Areal, das andere Erfolgsmodell Techno der Stadt. Neben Interviews mit diesen und weiteren Stützen der Kölner Szene finden sich auf der DVD auch Videoclips von u. a. Bionaut, Forever Sweet, Mouse On Mars, Justus Köhncke, Superpitcher ... Natürlich fallen einem noch viele ein, die nicht zu Wort kommen und mindestens (persönlich gefühlt) genauso wichtig sind (beispielsweise das dritte Techno-Erfolgsmodell Traum/Trapez, das aber immerhin über ein Feature zu seinem Wunderkind Dominik Eulberg vertreten ist), aber trotzdem: ein sehr guter Einstieg für alle, die verstehen wollen, was die Rheinmetropole so besonders toll macht.
T.L. Renzsche

"Warum ist es am Rhein so schön?" - Diese Frage sollte man den Karnevalisten überlassen. Ärgerlich, dass hier der Lokalpatriotismus als Klammer herhalten muss, umrahmt von dumpf nachhallenden Sätzen wie "der Sound of Cologne ist ein Gefühl" (Tobias Thomas), obwohl es doch eigentlich um eine gute Sache geht. Die gute Sache: elektronische Musik in und aus Köln. Eine Tradition von Stockhausen bis Mouse On Mars. Sympathische Projekte, große Künstler und idealistische Selbstausbeuter kommen in diesem mehr als zweistündigen Dokumentarfilm von Thomas Kappeller und Sebastian Züger ebenso zu Wort wie Aufsteiger und bewährte Instanzen. Vielleicht gibt es ihn ja tatsächlich, den "gefühlten" Zusammenhang, der so etwas wie den Sound einer Stadt ausmacht, hier unter anderem eingefangen im Studio für elektronische Musik des WDR, bei A-Musik, Spex, Sonig und Kompakt. Blickt man allerdings ein wenig hinter die Kulissen, wird schnell deutlich, dass in Köln wie anderswo auch die meisten am Ende doch ihr eigenes Süppchen kochen und der große Traum vom Netzwerk, in dem jeder jeden stützt, ein Mythos bleibt. In dem Film geht es fast durchweg um ganz tolle Labels und Künstler, keine Frage, nervig ist jedoch die Konstruktion vom "Sound of Cologne", welche letztlich nicht mal jenen hilft, die als Einzige von so etwas profitieren könnten, dem Fremdenverkehrsamt. Wer sich über Sampler à la "Made In Germany" oder "Neues Deutschland" aus gutem Grund aufregt, sollte auch auf "Hey Kölle"-Schlachtrufe pfeifen. A-Musik, Justus Köhncke oder Auf Abwegen ist noch eine lange erfolgreiche Zukunft zu wünschen, allerdings nicht für oder wegen Köln, sondern für und wegen ihrer tollen Arbeit. Aber gerade solche zum Teil am Rande der Marginalisierung agierenden Szene-Aktivisten unter dem Slogan "We Built This City" zu präsentieren ist ein Witz, der hoffentlich Ironie statt Identifikation meint. In Wirklichkeit bauen nämlich ganz andere an der Zukunft von Millowitsch-City. Und hätten um ein Haar dafür gesorgt, dass dem Dom der Titel als UNESCO-Weltkulturerbe aberkannt worden wäre.
Martin Büsser

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