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Keine besonderen Vorkommnisse, außer Sex

Black Rebel Motorcycle Club live in Köln

»Wrong Creatures«, das achte Album von BRMC, erscheint zwar erst am 12. Januar, auf Tour gehen sie aber schon vorher. In Köln will nicht so richtig Stimmung aufkommen – doch es liegt an uns, nicht an euch. 
Geschrieben am
27.11.2017, Köln, Live Music Hall

Ein Mann muss einen Baum pflanzen im Laufe seines Lebens – die moderne Version dieses Auftrages lautet: ein Mann muss seinen Körper baumartig in den Boden bei Konzerten schlagen. Bei BRMC-Konzerten sind erfahrungsgemäß viele große Männer im Publikum, die zu cool für alles sind, vor allem für Bewegung, außer der, den Bierbecher zum Mund zu heben. Ansonsten zwei Stunden einfach nur so dastehen und ab und an die Freundin darüber unterrichten, dass gleich »der Hit« kommt. Allerdings weiß es die Freundin besser, denn nein, das ist noch nicht der Hit, sondern ein anderer, und zwar »Berlin«. Apropos Berlin: dort soll im BRMC-Publikum sogar mal ein Bier übergeschwappt sein, wie ein anderer Konzertbericht verrät, aber hier ist eben einfach nix. Nur ganz vorn weiß man die Texte mitzugrölen und die Augen zu schließen, der Rest ist vielleicht wegen des geilen Bandnamens und des guten Merchs Fan geworden. Einige gehen auch schon  nach der Hälfte, andere vor der Zugabe, es lichtet sich immer wieder.

Man könnte fast einen Bericht über ein BRMC-Konzert in Deutschland schreiben, ohne da gewesen zu sein. Doch man wüsste dann zumindest nicht zu berichten, wie gern sich Robert Levon Been von Scheinwerfern beleuchten lässt, hach, sich quasi in ihnen räkelt. Und wie schön er dabei aussieht. Allein darüber, bei Anfrage, gern 5000 more words. Wie er sich um Instrumente schlängelt und uns seine Stimme mal erotisch, mal kühl, mal verletzlich anbietet. Oder wie lässig Peter Hayes, mit seiner ewig jungen Stimme, die ganze Zeit konstant abliefert, ohne eine Miene zu verziehen. Wie befreit und energisch Leah Shapiro wirkt, die nach längerer Krankheit nun endlich wieder trommeln darf. Man wüsste nicht, wie speziell es hier duftet, ein Mix aus normalem Männerschweiß und dem Geruch von Plastiklederjacken, denn die Fans sind ja Hipster-Rock 'n' Roller. Man könnte nicht die Gesichter der älteren Leute sehen, die im Stadtmagazin gelesen haben, bei BRMC handele es sich um den letzten wahren, handgemachten Rock und die deswegen Karten gekauft haben und sich nun langweilen.

Ja, wirklich gerockt wird hier nicht, zumindest nicht nach klassischem Verständnis. Es gibt bei BRMC keine dicken Posen, keine peinlichen Ansagen, keine Extras, keine Verkleidungen, keine Pseudoauthentizität. Nur geile Sexmusik. Das perfekte Szenario für einen selbst und BRMC wäre eigentlich: keine anderen Leute. Augen zu und spüren. Aber wem, wenn nicht dieser Band, sei Erfolg gegönnt. Und so soll ruhig mal die Werbetrommel für die neue Platte gerührt werden. Von »Wrong Creatures« gibt es ganze fünf Songs (»Carried From The Start«, »Haunt«, »King Of Bones«, »Little Thing Gone Wild« und »Question Of Faith«) zu hören, und sie ist noch nicht mal erschienen. Schönster Moment ist eindeutig, als Been »Visions Of Johanna« von Bob Dylan in einer zerreißenden Version vorträgt, nachdem er zuvor angekündigt hat, es »a very long time« nicht gespielt zu haben und das Stück auch etwas holprig beginnt. Ganz zum Schluss gibt es natürlich dann endlich auch »den Hit«, eine völlig ausufernde Version von »Whatever Happened To My Rock 'n' Roll (Punk Song)«. Da gibt es dann auch endlich mal so etwas wie Stimmung im Raum. Ergebende Bewegungen, Hände. Das Bier von einem Typen hat sich verdächtig stark bewegt.

Black Rebel Motorcycle Club

Wrong Creatures

Release: 12.01.2018

℗ 2018 Abstract Dragon under exclusive license to [PIAS]

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