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Bezugspunkt Leben: Der Clip als Kritik

Graw Böckler

Erst Kopf, Flasche und ein schön sichtbares Firmenlogo - dann nur mehr Blutfontäne. Es kann ganz schön drastisch zugehen, wenn das Duo Graw Böckler so ungefragt wie eigenmächtig Werbefilme für bekannte Produkte dreht.
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Erst Kopf, Flasche und ein schön sichtbares Firmenlogo - dann nur mehr Blutfontäne. Es kann ganz schön drastisch zugehen, wenn das Duo Graw Böckler so ungefragt wie eigenmächtig Werbefilme für bekannte Produkte dreht, zum Beispiel den "Gorbatschow Vodka Suicide". Mit ihrem vor einigen Jahren in Köln initiierten Raum für Projektion, der inzwischen auch als DVD-Label funktioniert, haben Ursula Böckler und Georg Graw ein Forum für Kurz- und Kürzestfilme geschaffen, das die übliche Dichotomie von Publikum hier vs. Leinwand da auflösen und vor allem zur Kommunikation einladen will. Blip.tv finden sie cool, noch besser aber ihre Fotokameras, mit denen sie den Alltag jederzeit spontan in einen Kunst-Clip verwandeln können. Gerne auch mit Firmenlogos.

Ihr habt in eurem Raum für Projektion vor Kurzem "
Unauthorized Commercials" vorgestellt. Bleibt Werbung, auch wenn man künstlerisch und unkommerziell arbeitet, ein zentraler Bezugspunkt für Kurzfilme?
UB: Wir haben immer Musikclips oder Kurzfilme gemacht. Da war Werbung für uns der nächste Schritt: Es ist ein extrem kurzes Format und vor allem eines mit Aussage. Es hat uns immer interessiert, nicht bloß abstrakte Clips zu machen, sondern Clips, die klar für etwas stehen, etwas propagieren.
GG: Dabei interessiert uns die Werbeästhetik gar nicht, uns interessieren die Produkte selbst. Wir arbeiten gerne dokumentarisch, und da Produkte überall im Alltag vorkommen, war das für uns eine ideale Spielwiese. Das hat uns als Bezugspunkt interessiert, da man zu allen möglichen Marken sofort irgendwelche Bilder im Kopf hat. Wenn man dann etwas ganz anderes sieht, kann man sich sofort darauf beziehen. Man ist nicht in so einer leeren Welt, in die Experimentalfilmer sonst oft geraten.

Was propagieren diese Filme denn?
GG: Sie etablieren einen unabhängigen visuellen Diskurs über Produkte. Wenn man in einem Spielfilm ein Produkt sieht, hat entweder ein Hersteller dafür bezahlt oder das Label wird rausgedreht. Es gibt überhaupt keine unabhängige Form, in visueller Kommunikation mit Produkten umzugehen, etwa zu sagen: Ich mache unabhängige Werbefilme, die keinerlei Kontakt zu den Produzenten des Produkts haben. Das finden wir interessant. Und ich finde schade, dass Produkte immer mit Geld assoziiert werden. Dabei ist das Leben oder der Alltag als Bezugspunkt viel interessanter.

Für eure Arbeit ist auch immer ein sozialer Zusammenhang wichtig.
GG: Eigentlich haben wir den Raum für Projektion gegründet, um uns selbst eine Plattform zu schaffen. Die Kunst- und Galerienszene in Köln war irgendwie nicht wirklich unsere Welt; was wir gemacht haben, hat da nicht reingepasst. Aber ins Kino hat es auch nicht gepasst. Deswegen haben wir einen Ort geschaffen, der unserer Art, Filme und Clips zu machen, entsprach. Und den haben wir geöffnet für andere Leute, die in einer ähnlichen Situation sind.
UB: Unser "Loop Pool" zum Beispiel war ein Gruppenprojekt. Für die Produktion der Loops selbst hatten wir keine Finanzierung, aber wir kannten unheimlich viele Leute, die visuell und eher künstlerisch arbeiten oder auch aus der Werbung oder dem Musikvideo-Business kommen. Die wollten wir alle zum Mitmachen animieren, denn ein Loop ist sozusagen die kürzeste und längste Form eines Films: Man kann ein kleines Element oder etwas sehr Elaboriertes machen, aber irgendwie kriegt man das auch ohne Finanzierung hin und kann jeweils bei der eigenen Methode bleiben.
GG: Da es mit solchen Filmen kein Geld zu verdienen gibt, darf man beim Produzieren eben auch keines ausgeben.




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