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Mit der Weisheit der Jugend

Beatsteaks im Gespräch

Berliner unter sich: Arnim, Peter und Bernd von den Beatsteaks berlinern sich mit Ur-Berliner Intro-Autor Christian Schlodder durch ein Gespräch über das neue Doppelalbum der Band »Yours« und erklären, warum es ihnen wichtig war, sich auf der Insel der Jugend zu treffen.
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Es sind nur ein paar Meter vom Treptower Park in Berlin bis zur Insel der Jugend, die mitten in der Spree liegt. Das historische Brückenhaus diente schon zu DDR-Zeiten als Jugendclub und wird auch heute noch als solcher genutzt. Die Insel der Jugend ist dank des Biergartens auch ein beliebtes Ausflugsziel, etwas entfernt vom Trubel des Berliner Zentrums, allerdings auch kein Geheimtipp mehr. Auf der Spree strampeln sich einige Besucher auf rosafarbenen Flamingo- oder weißen Schwan-Tretbooten ab. Trotz der fortschreitenden Zeit hat sich die Insel eine gewisse Beständigkeit bewahrt, sodass man das Gefühl hat, dass sie in dieser Form irgendwie schon immer da war. Ähnlich wie die Beatsteaks.

Sänger Arnim Teutoburg-Weiß erinnert sich an längst vergangene Ausflüge auf das kleine Eiland inmitten des Flusses. Heute wohnt er ganz in der Nähe und fährt des Öfteren mit dem Ruderboot um das kleine Fleckchen Land. Die Gitarristen Peter und Bernd machten die Insel tatsächlich zu ihrer Insel der Jugend und schwoften ab und an im Brückenhaus zu Punk und Independent. Ein Stück gemeinsame Bandgeschichte, als sich die fünf selbst noch als Punks und den Rest als »all die anderen« kategorisierten.

Dieser Zeit gedenken die Beatsteaks auf ihrer mittlerweile achten Studioplatte »Yours« mit allerlei Querverweisen. Im Track »You And Your Memories« gibt sich Chad Price von der US-Punkband All die Ehre. »Wir hatten einfach den Song, der so klang, als er ob von Chad hätte sein können«, beschreibt Peter die skizzenhafte Idee im Proberaum. Danach folgte eine persönliche Suche mit Kontaktaufnahme auf Facebook. »Er kannte die Beatsteaks, und wir konnten es ooch kaum glooben. Wir dachten nur: Dit jibt’s ja jar nich. Jetzt singt der echt, was wir uns ausjedacht haben«, gibt sich Peter überschwänglich. Es blieb nicht die einzige Kooperation. Jamie T, mit dem die Beatsteaks vor zehn Jahren gemeinsamen getourt waren, ist auf dem Album ebenso vertreten wie Stereo Total. Deichkind dürfen sich im Song »L auf der Stirn« gewohnt ironisch über das Phänomen des Prokrastinierens einbringen. Vier Tracks später ist Farin Urlaub mit an Bord. 

»Janz, janz oft gab es auf der Platte Momente für uns, die uns daran erinnert haben, was uns gekickt hat, als wir die Band gründeten«, sagt Arnim. Der Titel »Summer Time« erinnert beispielsweise an die Stone Roses, bei »Hate To Love« fühlt man sich an The Clash erinnert und irgendwann an nichts mehr als die Beatsteaks. »Dieses Album erklärt allet«, sagt Arnim. »Es ist wie ein Konzert von uns, sehr bunt, ein musikalischer Strauß Blumen.« Und es ist ein wirklich großer Strauß.
In Titeln ausgedrückt, umfasst er volle 21 Schnittblumen – was »Yours« zum ersten Doppelalbum der Berliner macht. Anderthalb Jahre haben sie daran geschraubt. »Bei uns ist jede Platte eine Reaktion auf die davor«, erklärt Arnim. Die elf Titel der Vorgängerscheibe »Beatsteaks« waren in knapp zehn Tagen eingespielt. Der Logik folgend darf man sich schon jetzt auf den Nachfolger von »Yours« freuen, sagt Arnim. »Jetzt mussten wir das aber genau so machen!«

Das bedeutet, dass jeder Song seine eigene kleine Evolution durchmachen musste. »I Do« und »Yours« zum Beispiel sind eigentlich klassische Demos, an vier weiteren bastelten sie gemeinsam mit dem HipHop-Produzententeam The Krauts, das sich dieses Jahr auch für Marterias »Roswell« verantwortlich zeigte. Vom großen Rest gebe es x verschiedene Versionen in unterschiedlichen Genres, gesteht Bernd. Und obwohl Produzent Moses Schneider bei einigen Titeln wieder an den Reglern saß, haben sich die Beatsteaks viel Selbstverantwortung zurückgeholt. »Es gab eigentlich niemanden, der für das ganze Album den Hut aufhatte – außer uns«, sagt Peter. Die Zeitreise in die eigene Jugend verlief für die Jungs aus Berlin quasi im Fast-Alleinflug. »Das war neu für uns, aber dit war auch jut, weil wir keine Kämpfe austragen mussten. Wir mussten nur uns überzeugen«, sagt Peter. Auch so kommen die 21 Titel zustande, weil es teilweise individuelle Herzensangelegenheiten waren, ohne Produzenten-Filter wie noch zu »Smack Smash«-Zeiten.
Der interne Respekt und das gegenseitige Vertrauen der Band führten quasi zur musikalischen Basisdemokratie. »Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich zu einzelnen Songs immer etwas anders stehe, je nachdem, mit wem ich sie höre«, sagt Arnim. Diese Mischung macht »Yours« tatsächlich sehr divers. So trifft die musikalische Frischzellenkur auf leicht verpackte Alltagsthemen, an die man leicht andocken kann. »Manchmal schiebe ich das Aufräumen gerne auf, bis ich irgendwann bei mir im Bad stehe und denke: Mann, dit is doch allet keimig hier«, gesteht zum Beispiel Peter zu seiner persönlichen Prokrastination, die im Song »L auf der Stirn« thematisiert wird. Das steht dann irgendwo zwischen Punk und dem Gefühl, doch schon sehr erwachsen zu sein. »Blickwinkel ändern sich generell, allet wird irgendwie klarer«, fügt er noch an. Die Band sieht das als Chance.  

»Das Schwierige für eine Band ist, zusammen und gleichzeitig in Bewegung zu bleiben«, sagt Arnim. »Erst dann wird die Musik gut. Nichts ist schlimmer, als wenn man nur diesem einen Moment oder diesem einen Album hinterhertrauert.« Mit »Yours« haben sie sich genau solch einen Moment geschaffen – und sich dabei dermaßen wohlgefühlt, dass sie ihn in Albumform verewigten und so lange ritten, bis er zum längsten aller Beatsteaks-Alben wurde.

Beatsteaks

YOURS

Release: 01.09.2017

℗ 2017 Warner Music Group Germany Holding GmbH / A Warner Music Group Company

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