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Am Ende eines Labels

Unterm Durchschnitt

Mit dem Release von »Zu den Takten des Programms« von Adolar hat das Kölner Label Unterm Durchschnitt seinen Rückzug erklärt. Wir sprachen mit Labelmacher Andreas Wildner über seine Zukunftspläne.
Geschrieben am

Letztens haben uns die Leipziger Adolar noch in der Redaktion besucht und einen kleinen Akustik-Gig gegeben. Nun sind sie mehr oder weniger unvorbereitet ihr Label losgeworden: Unterm Durchschnitt aus Köln macht dicht. Das Label, das von Andreas und Antje Wildner 13 Jahre lang betrieben wurde, ist mit seinem letzten und erfolgreichsten Release, »Zu den Takten des Programms« von ebenjenen Adolar, an seinem Endpunkt angelangt. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden von Andreas Wildner in einem Statement angerissen. Weil dazu schon alles gesagt ist, haben wir ihn zu Zukunftsaussichten und eigenen Plänen befragt.

Was dein Abschiedstext noch nicht sagte: hat es einen konkreten Grund, warum du das Ende gerade jetzt, am Punkt des Erfolges mit Adolar, einläutest?

Es ist glücklicher Zufall, dass die Entscheidung mit dem größten Erfolg meines Labels zusammen fällt. Und ich bin dankbar dafür, dass ich mit Adolar noch einmal dieses große Finale bestreiten durfte – so eine meilensteinlegende Platte fällt einem nicht täglich vor die Füße!

Was wären deine Empfehlungen/wichtigsten Ratschläge an Jüngere, die ebenfalls ein Label aufbauen wollen?
Findet euren Weg, dann wird das auch. Und wenn ihr am Tiefpunkt seid, geht es danach oftmals steil bergauf.

Denkst du, dass es heute überhaupt noch möglich ist, ein Label wie deines ohne Tendenzen von Selbstaufgabe zu betreiben?
Das ist ja keine Frage der Möglichkeit, sondern ob man das Risiko für sich selbst eingehen will – und wie weit man dafür zu gehen bereit ist. Ich denke nicht, mich selbstaufgegeben, schon aber auch viel auf eine Karte gesetzt zu haben. Ich weiß noch gar nicht, wie es ohne dieses »Baby« ist – das Leben.

Hast du eine Vorstellung davon, wie ein Independent-Label, das im Kontext von Filesharing und illegalen Downloads überleben will, auszusehen bzw. zu laufen hat?
Unterm Durchschnitt hat Downloads nie illegalisiert. Auf unseren CDs stand sogar drauf, dass es eine »willkommene Verletzung bestehender Rechte« darstellt. Das hat aber nie jemand kapiert, weil wir es im Englischen versteckt haben und es aussah, wie ein normaler Copyright-Spruch. Deshalb wurden auch Menschen, die was von uns runtergeladen haben, nie kriminalisiert.

Die Frage sollten sich eher Downloader stellen – es ist eine Frage der Moral. Unser Spendenbutton (für freie Downloads sonstwo) wurde bis auf ein einziges Mal (1 Euro) nie genutzt. Das fand ich sehr schade. Es sollte eine Selbstverpflichtung geben, dass jeder Downloader sich auch mal hinterfragt – wie viel habe ich mir von welchen Bands/Labels runtergeladen und was kann ich finanziell dazu beitragen, dass sie etwas zurück bekommen. Natürlich ging es den Bands nie ums Geld, aber doch geht es irgendwie immer um Geld. Zum Beispiel: Wie kriegen wir genug Spritgeld zusammen, um wieder vom Konzert zurück nach Leipzig zu kommen? Oder so.

Du schreibst in deinem Abschiedstext davon, deine »Erfahrungen weiter aufschreiben« zu wollen. Willst du daraus ein Buch machen? Was wäre dein Antrieb, diese Arbeit auf dich zu nehmen?
Ich habe nie Tagebuch geschrieben, weshalb ich Anfang des Jahres, als das erste Mal diese Frage in mir und zwischen mir und Antje bezüglich Zukunft des Labels aufkam, einfach mal drauflos geschrieben habe. Der Text ist mit 30 Seiten recht umfangreich geworden und ist durch seine subjektive Brille in ihrer Kompromisslosigkeit kaum zu überbieten. Bisher habe ich das aber nur für mich aufgeschrieben, wüsste auch nicht wen so etwas interessieren sollte. Es geht darum, wie das früher im Harz war, und wie man eigentlich im Harz auf so eine Idee kommen kann – und dann sogar noch einen guten Namen bei der Sache gewinnt…

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