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»Unsere Musik ist trügerisch«

alt-J im Interview

Der real gewordene Hipstertraum aus Leeds veröffentlicht sein drittes Album »Relaxer«. In den drei Jahren seit »This Is All Yours« hat Keyboarder Gus Unger-Hamilton ein Restaurant eröffnet, Schlagzeuger Thom Green ein Soloalbum herausgebracht und Sänger Joe Newman sehr viele Filme gesehen. Was es sonst noch zu erzählen gibt? Leonie Scholl hat nachgefragt.
Geschrieben am
alt-J gehören zu den wenigen Bands, auf die sich sowohl Fans als auch Kritiker einigen können. Als ich den Interviewraum betrete, malt Thom gerade mit Wasser auf dem Tisch. Joe baut während des Interviews kleine Modelle aus Salzstangen und Weintrauben. Und Gus klärt uns darüber auf, dass spezifische Apfelsorten nicht über Samen gezüchtet werden können, sondern nur durch Veredelung. Ich solle übrigens unbedingt anmerken, dass die gesamte Band Äpfel hasst. Das wäre hiermit auch erledigt, aber wenden wir uns doch den wesentlichen Themen zu.

Ihr steht kurz davor, euer neues Album »Relaxer« zu veröffentlichen. Fühlt ihr euch unter Druck gesetzt, dass das neue wieder so ein Erfolg werden muss wie die letzten beiden Alben? 
Joe Newman: Wir fühlten uns nie unter Druck gesetzt. Als wir uns entschieden haben, neue Songs für das Album zu schreiben, waren wir davon auch viel zu abgelenkt. Wir schreiben schon sehr gern zusammen und sind darin auch ganz gut. Und wir wussten, wenn wir mit dem Material zufrieden sind, dann werden es auch die Fans mögen. Ich denke nie wirklich darüber nach, was Kritiker darüber sagen könnten, bis wir das Album fertig haben. 
Gus Unger-Hamilton: Meiner Ansicht nach kann man Erfolg und Druck auf zwei Arten sehen. Entweder es erzeugt Druck, dem Erfolg standzuhalten, oder der Erfolg kreiert eine Umgebung, in der man mehr Freiheiten hat, das zu machen, was man will. Wir waren immer schon eine eher ungewöhnliche, vielleicht eine Avantgarde-Band. Wir sind niemals Kompromisse eingegangen oder haben uns verändert. Und damit hatten wir Erfolg. Also können wir auf eine Weise das machen, was wir wollen.

Warum dieses Mal nur acht Songs? Die letzten beiden Alben enthalten deutlich mehr. 
J: Das sind acht lange Songs! Wir mögen die Symmetrie, es ist wie eine A- und eine B-Seite mit jeweils vier Songs. Man wird auch nicht so von kleinen Dingen abgelenkt, sondern sieht das große Ganze. Die beiden ersten Alben waren etwas schwieriger zu verstehen. 
G: Die acht Songs auf diesem Album sind alle sehr verschieden, ausdrucksstark, sehr muskulös, und wir fühlten, dass acht genug sind. Mehr hätten es nur erschwert, dem Album zuzuhören.

Thom, du hast in der Zwischenzeit ein Soloalbum herausgebracht – das übrigens 21 Songs hat. Brauchtest du das als kreativen Output, den du mit alt-J nicht verwirklichen konntest? 
Thom Green: Ja. Viel von dem, was ich tue, würde nicht unbedingt zu alt-J passen. Ich wollte es aber irgendwohin packen, um es loszuwerden und weiterzumachen. Ich mache ziemlich viele Sachen, die gar nicht so gut sind, da schreibe ich dann meinen eigenen Namen drauf.

Zurück zu alt-J und »Relaxer«. Das Artwork hat eine Retro-Computer-Ästhetik, die ja gerade sehr angesagt ist. Wie kam es dazu? 
J: Es fing alles an mit dem Bild. Thom hat es auf Twitter gefunden und mir und Gus gezeigt, und wir fanden es auch sehr cool. Zu dieser Zeit hatten wir uns eigentlich schon für ein anderes Cover entschieden: ein Bild, das ein Freund gemalt hat. So nah dran waren wir also schon, zu sagen: »So wird ›Relaxer‹ aussehen.« Und dann kam dieses Bild dazwischen und hat noch mal alles geändert. Wir mögen die Stimmung von dem Bild und haben uns dann mehr mit »LSD Dream Emulator« beschäftigt, weil diese Kontinuität für uns Sinn machte. 
G: Ich weiß schon, dass das ein Look ist, der gerade en vogue ist, und wir sind diesem Trend anscheinend irgendwie unterbewusst gefolgt. Aber so funktioniert eben Fashion, oder?
»3WW« ist der Opener des Albums. Das Musikvideo dazu ist ein Kurzfilm, der in Mexiko spielt. Könnt ihr etwas zu der Verbindung zwischen Song und Video erzählen? 
G: Das Musikvideo wurde vom Regisseur Young Replicant gemacht. Wir fanden sein Konzept gut und haben es deshalb ausgewählt. Ich nehme an, dass er vorher das Lied gehört hat, aber ich bin mir nicht so sicher. Im Song geht es um einen jungen Mann, der einen Abenteuertrip macht und eine Art sexuelles Erwachen erlebt. Und im Video geht es um eine junge Liebe, eine verlorene Liebe, ganz klassisch. 

Der Song »Hit Me Like That Snare« hat einen ganz anderen Vibe, als man sonst von euch gewohnt ist. Was hat euch dazu inspiriert? 
G: In diesem seltenen Fall haben wir versucht, einen 70er-Sound zu erzeugen. Joe hatte seit einer Weile mit diesem Gitarrenriff herumexperimentiert. Dazu haben Thom und ich zu jammen angefangen. Unser Produzent hat es aufgenommen, ohne dass wir es wussten, und wir mochten diesen punkigen Grunge-Sound direkt. Uns war schon klar, dass er nicht nach alt-J klingt, auch wenn unser Sound selbst ja sowieso schwer zu definieren ist. Danach haben wir viel The Stooges und The Velvet Underground gehört und wollten diesen Sound einfach durchziehen.

Ihr veröffentlicht das Album auch auf Kassette. Seht ihr nach dem Vinyl-Hype jetzt das große Comeback der MC? 
G: Der Vorschlag kam vom Label. Sie meinten, das machen gerade alle so. Ich war etwas skeptisch. Thom, du magst Kassetten wegen des Sounds, oder? 
T: Ja, ich glaube, das ist der Grund, warum so viele Leute es mögen. Der Sound vom Tape klingt nicht so stark durchdigitalisiert. Viele kleine Produzenten nehmen so in ihrem Schlafzimmer auf und verkaufen die Tapes über Bandcamp, sie lassen sich günstig produzieren. Ich mag den physischen Aspekt davon. 
G: Wir sind alle mit Kassetten aufgewachsen, sie erinnern uns an unsere Kindheit, und das ist ja nie eine schlechte Sache, zumindest nicht für die meisten Menschen. [lacht] Ich habe mein erstes Album auf Tape gekauft: Spice Girls. Wahrscheinlich erlebt die Kassette gerade ihr Revival, weil Vinyl im Mainstream angekommen ist, das kann man ja schon im Supermarkt kaufen. Die coolen Leute kaufen jetzt Tape. In fünf Jahren gibt es vielleicht ein MiniDisc-Revival. 

Es passiert höchst selten, dass mir jemand sagt, er fände eure Musik scheiße. Was, denkt ihr, hat eure Musik, dass so viele verschiedene Leute sie mögen? 
G: Ich denke manchmal, unsere Musik ist etwas trügerisch. Sie ist nicht so simpel, aber auch nicht so clever, wie sie klingt. Es ist eine gute Kombination von Pop und interessanten Sachen, die so passieren.
T: Es ist sehr umgängliche Musik. Viele Leute denken nicht darüber nach, sie schalten es einfach an und mögen es. 
J: Wir hören unsere Musik auch oft selbst. Wir sind stolz darauf und fühlen, dass wir das nirgendwo anders hören können.

alt-J

RELAXER

Release: 02.06.2017

℗ 2017 alt-J under exclusive licence to Infectious Music Ltd., a BMG Company

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