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Mit Dan Owen, Tommy Cash und anderen

11 Entdeckungen vom Eurosonic 2017

Immer zu Beginn des Jahres findet sich beim Eurosonic in Groningen die europäische Musikbranche ein, um zu Netzwerken und aktuelle Trends zu entdecken. Wir waren vor Ort und haben uns drei Tage und Nächte lang neue Bands und Solo-Acts angeschaut. Hier kommen unsere elf Entdeckungen.
Geschrieben am
01 MHD (Frankreich): Donnerstag, 23:00 Uhr, Grand Theatre Main
Mohamed Sylla alias MHD zeigt eine der energiegeladensten Shows des Festivals. Genre und Movement liefert der französische Rapper direkt mit, und liegt mit der Namensgebung Afro Trap goldrichtig. Zeitgenössisch satte Beats verbinden sich mit traditionellen afrikanischen Gesängen und Rhythmus-Instrumenten zu einem treibenden Sound für die trendbewusste Großraumdisco. Auch Bonez MC und RAF Camora sind Fans und ließen sich für ihr »»Ohne mein Team« deutlich vom Afro Trap inspirieren. Diesen Act könnte man sich sehr gut auf einer Festivalbühne zwischen Crystal Castles und Major Lazer vorstellen. (BK)
02 Bonzai (UK): Donnerstag, 23.45 Uhr, Simplon
Die in London lebende Irin lässt auf ein Debütalbum noch warten, hat in den letzten anderthalb Jahren aber schon die drei äußerst spannenden EPs »Royah«, »Lunacy« und »Sleepy Hungry« rausgehauen. Außerdem tourte sie mit Flume und war wiederholt auf den Tracks ihres Kumpels Mura Masa zu hören. Man weiß nicht so recht, was einen erwartet, da ihr Oeuvre schon jetzt eine interessante stilistische Spannbreite zwischen R’n’B und Electronica vorweist. Bonzai entscheidet sich bei dieser Show für ein Bandsetting, lässt ihren drei Musikern den Vortritt und springt dann zu den letzten Klängen des Instrumentalstücks »Daniel Gets It Wrong« auf die Bühne. Mit Guinness-Shirt und Jogginghose macht sie sofort klar, dass es hier um sie allein geht. Sie twerkt auf eine aggressive ironische Weise, reibt sich den Schritt, starrt die Menschen in der ersten Reihe nieder, springt auf Tische und Monitorboxen, fordert einen Bandkollegen zum Dance Battle auf – und gibt stimmlich bei all dem fast mühelos die R’n’B-Queen, die mal säuselnd aufpeitscht (»No Rest«) und mal arschcool ihren Respekt einfordert (»I Did«). (DK)
03 The Moonlandingz (UK): Freitag, 23:45, Vera
Sie sehen aus wie eine Cartoon-Band, haben Sean Lennon als Fürsprecher und sind sich als Psychedelic Punks für nichts zu schade. Vor allem Sänger Lias Saoudi, der grotesk mit Hakenkreuzen beschmiert und nur mit einem Disco-Stringtanga bekleidet über die Bühne herfällt, gibt alles und schenkt uns die wohl exzentrischste Show des diesjährigen Eurosonics. (CS)
04 Let’s Eat Grandma (UK): Freitag, 20:00 Uhr, Stadsschouburg
Bereits bei ihrem letzten Holland-Gastspiel beim Le Guess Who im Winter konnten die beiden jungen Engländerinnen begeistern. Das Eurosonic stellt ihnen die beeindruckende Bühne des Theaters Stadsschouwborg zur Verfügung und damit eine Akustik, die gut zu den überbordenden Stücken des Duos passt. Psychedelischer TripHop trifft auf schroff gepickte Gitarren und trotzigen Sprechgesang, ohne Frage einer der außergewöhnlichsten Auftritte des Festivals. (BK)
05 Dan Owen (UK): Donnerstag, 22:40 Uhr, Lutherse Kerk, Kerzaal
Wer die bisher veröffentlichten, majestätisch-sinnlichen Singles »Made To Love You« und »Fade Like A Feather« von Dan Owen kennt, dürfte überrascht davon sein, was für einen unbekümmert unterhaltsamen und nahbaren Normalo-Briten er auf der Bühne abgibt. Er ist durch hunderte Pub-Gigs in seiner Heimat gestählt, und das kommt seiner Show absolut zugute. Bei ihm paaren sich eine angenehme Ansprache mit außerordentlichem Talent in Sphären eines George Ezra. Er strahlt eine Klasse aus, die man auch noch gut finden wird, wenn er in naher Zukunft schon die ganz großen Bühnen bespielt. (CSt)
06 Tommy Cash (Estland): Freitag, 2:45 Uhr, De Spieghel
Der Clip zu »WINALOTO« von Tommy Cash gehört zu den Musikvideos der vergangenen Jahres, die man gesehen haben muss. Eine Ansammlung nackter Haut von grotesker Schönheit, irgendwo zwischen Kunst und Kabelfernsehen. Beim kurzen Überraschungs-Auftritt spät in der Freitagnacht im randvollen Kneipenclub De Spieghel bringt der MC aus Tallinn seine Eurotrash-Variante von Trap gut gelaunt und höchst unterhaltsam auf die Bühne. Braucht zwar niemand auf Platte, ist aber für Millionen Youtube-Views und mindestens eine Party-Saison bestens geeignet. (BK)
07 La Jungle (Belgien): Freitag, 20:00 Uhr, De Spieghel, up
Wie jedes Jahr ist man gut beraten, sich früh in die Rockbar Spieghel zu begeben, wenn man dort eine bestimmte Show sehen möchte. Am Freitagabend bietet das noch den angenehmen Nebeneffekt, zwei dünnen Typen dabei zuschauen zu können, wie sie nervös mit Sticks herumhampeln, Geräte checken und Dehnungsübungen veranstalten. Das haben die beiden, die sich bald als La Jungle aus Belgien entpuppen, angesichts ihrer Show auch bitter nötig: Noch viel mehr als ihre beiden bislang veröffentlichten EPs ist ihre Show ein Ausbund an Energie, Drang und Ausbruch. Schlagzeuger Rémy ist überragend und kann von Metal über Hardcore bis hin zu Dance-Rhythmen scheinbar alles, und Kollege Mat schafft es, Gesang, Gitarren und sein Kasio doppelt und dreifach zu loopen und dabei auch noch einen ekstatisch zuckenden Frontmann abzugeben. Ihre Show ist ein Ereignis, wie Trans Am zu deren besten, härtesten und rasantesten Zeiten. (CSt)
08 Brutus (Belgien): Freitag, 1:15 Uhr, De Etage
Bei Brutus hämmert Sängerin Stefanie gleichzeitig die Blastbeats, während sie mit einer hellen, leicht rauchigen Stimme auch noch darüber schwebt. Ein ungewöhnliches Set-up, das vor allem von der Spielfreude lebt, mit der die Schlagzeugerin die Musik zwischen Post-Metal und –Rock in den Himmel prügelt. (CS)
09 Novo Amor (UK): Freitag, 22:40 Uhr, Lutherse Kerk, Kerkzaal
Fragiler Folk, modifizierter Gesang und Melancholie im Mid-Tempo. Das Frühwerk von Bon Iver scheint ebenso wie Sam Beam (Iron & Wine) einen nachhaltigen Eindruck bei diesem 25jährigen Songwriter hinterlassen zu haben. Spätestens sein 2015er Hit »Anchor« katapultierte Ali Lacey alias Novo Amor auf die Merklisten der europäischen Booker-Szene. Ebenfalls hilfreich dabei war seine reduzierte Coverversion des Guns’N’Roses-Klassikers »Welcome To The Jungle«, die er beim Konzert in Groningen beinahe peinlich berührt anmoderiert. Es müsste schon einiges schiefgehen, wenn man diesen Künstler nicht sehr bald auf großen Bühnen sieht. (BK)
10 Wildes (UK): Donnerstag, 20:00 Uhr, Lutherse Kerk, Kerkzaal
In gleich mehrfacher Hinsicht sorgt die junge Britin Ella Walker alias Wildes für ein Novum: Ihr Auftritt beim Eurosonic ist tatsächlich ihr erster überhaupt. Außerdem ist sie die erste Künstlerin des Festivals, die ihre normalerweise 40-minütige Spielzeit nicht komplett ausreizt, sondern schon nach einer knappen halben Stunde alles gesagt hat. Die reicht aber auch vollkommen aus, um die Qualität der Songwriterin mit einem Stil zwischen Daughter, SOAK und der frühen Heather Nova zu erkennen. Ihre durchaus routiniert agierende Backing-Band tut dabei ihr übriges und gibt der jungen Frau Sicherheit. Bisher hat Wildes erst zwei Songs veröffentlicht, die allein schon eine große stilistische Spannbreite offenbaren und unterstreichen: Hier geht noch viel mehr. (CSt)
11 Wucan (Deutschland): Mittwoch, 23:00 Uhr, Der AA-Theater
Drückende Gitarren, wehende Haare und sorgfältig eingestreute Mittelalter-Referenzen, Wucan aus Dresden beherrschen ihr Hardrock-Handwerk hervorragend und begeben sich mit Theremin und Frontfrau auf die Spuren von Black Sabbath oder Birth Control. Dezent krautig mutet dieser in den frühen 70ern geborene Sound an. Mit einem derart leidenschaftlichen Vortrag wie beim Showcase im rustikalen AA-Theater dürfte die Band auch außerhalb der Neo-Hippie-Szene punkten. (BK)
Hier findet ihr unsere Fotostrecke zum Eurosonic:

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