The Notwist

»On/Off The Record«

[DVD / City Slang / Rough Trade]

23.10.2006, 06:00, Text: Tim Jürgens

Er komme sich blöd vor, wenn er Interviews fürs TV gebe, sagt Micha Acher in der Dokumentation, die vor vier Jahren während der Aufnahmen zu „Neon Golden“ im Auftrag von 3sat entstand: „Wenn die alles so fetzig zusammenschneiden, komme ich mir fehl am Platze vor.“ Einen abendfüllenden Film über The Notwist zu machen, mit dem die Musiker genauso zufrieden sind wie der Zuschauer, ist demnach nicht einfach. Regisseur Jörg Adolph ist dieses Kunststück gelungen: Sein Film kommt ohne technischen Schnickschnack, abgedrehte Perspektiven und Stakkato-Schnitte aus und schafft es trotzdem, über 90 Minuten einen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. „On/Off The Record“ verschmilzt mit der Musik, von der er erzählt. Und die ist bekanntermaßen introvertiert, so wie die Mitglieder der Band, die Adolph bei der Arbeit beobachtet. Männer in Moll, die um Takte feilschen. In langen Einstellungen sieht man die Acher-Brüder wie die Marx-Brothers des Indie-Rock über Sounds von Mitstreiter Martin Gretschmann schmunzeln. Zerbrechlich und angreifbar solle die Musik sein, Fehler und Schwächen mit einbeziehen, sagt Markus Acher. Der Film zeigt, dass ein Notwist-Album keineswegs der generalstabsmäßigen Umsetzung einer musikalischen Vision entspricht, sondern ein diffiziler Findungs-Prozess nach weitgehend demokratischen Prinzipien ist, in dem auch der Zufall eine wichtige Rolle spielt. Aus Weilheim reist der Zuschauer nach Abschluss der Aufnahmen schließlich mit der Band ins Londoner Abbey Road zum Mastering. Und er stellt fest: Die provinzielle Welt der Bayern passt auf seltsame Weise zu der britischen Reserviertheit im berühmtesten Plattenstudio der Welt. Humor beweist der Film überdies auch: Die Entstehungsgeschichte endet mit dem Interviewmarathon, den Musiker am Ende einer Produktion durchlaufen. Und es ist schlicht zum Schlapplachen, welch lausige Entertainer The Notwist immer noch sind. Da macht es gar nichts, dass die 40 Minuten Bonusmaterial (Trailer, Videos und EPK) nicht wesentlich zum Mehrwert der DVD beitragen.




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aus Intro #144 (November 2006)
 
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