Four Tet

»Everything Ecstatic«

[DVD / Domino / Rough Trade]

15.11.2005, 11:33, Text: Hendrik Kröz, Hendrik Kröz

Elektronische Musik mit konkreten Bildern zu verbinden ist ja immer so eine Sache. Immer dieser Wettstreit um Aufmerksamkeit ... Nicht selten gehen die Bilder komplett an der Musik vorbei. Und natürlich auch umgekehrt. Manchmal lenkt allein schon der Wettstreit zwischen den beiden Wahrnehmungskanälen vom Wesentlichen ab. Und doch ist jede DVD, die den Versuch unternimmt, beide Kanäle ausgeglichen zu bespielen, begrüßenswert. Kieran Hebden alias Four Tet wirft jetzt so ein Ding ins Rennen: “Everything Ecstatic”, das letzte, im Mai 2005 erschienene Four-Tet-Album, wird re-releast, jedem der zehn Stücke wird ein Kurzfilm zur Seite gestellt.

Die Filme fallen sehr unterschiedlich aus: Abstrakt visualisierende Farbcollagen, eine Day-in-a-life-Geschichte und der einsame Trip einer ekstatisch durch die Welt tanzenden jungen Frau sind nur drei optische Inhalte, die auf dieser DVD an die zentralen Aspekte von Four Tets Musik anknüpfen. Weil Hebdens Musik einfach immer eine verspielte Note hat, muss natürlich bei einem der Filme auch ein tanzender Koalabär die Hauptrolle spielen. Es wäre ein Zeichen von Respekt gewesen, die Namen der beteiligten Filmemacher – Woof Wan Bau, Ed Holdsworth, Jason Evans und Kieran Hebden – erkennbar in die DVD-Präsentation einzubauen. Aber so weit ging die Liebe zwischen Bild und Ton dann doch nicht. In diesem Fall legt sich die Musik ja auch lobenswert konsumentenfreundlich ins Zeug: Der DVD liegt als Bonus nämlich eine 35-minütige Neufassung von “Everything Ecstatic” bei, ein ekstatischer Remix dieser sowieso schon recht ausgelassenen Platte. Inspirationsmoment: Free Jazz von Don Cherry, John Coltrane und Sun Ra – drei Astronauten vor dem Herrn, die Anfang der 70er alles erreichen wollten: die Erde, den Himmel und die Milchstraße gleich noch mit dazu. Four Tet nimmt mit dieser Epoche ja schon seit seiner ersten Platte Tuchfühlung auf, sie schimmert immer durch. Auf jeden Fall ist es verblüffend, die Referenz mal explizit zu hören. Wie denn nun umgehen mit diesem Doppelpack? Zuerst alles parallel betrachten, kurze Zeit später dann irgendwie zusammenmixen. Und sich fragen, wo man bleibt – zu Hause, vor dem Schirm.



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