Scissor Sisters

»We Are Scissor Sisters And So Are You«

[DVD / Polydor]

08.02.2005, 17:31, Text: Jasmin Lütz, Jasmin Lütz

Schicker New Yorker White-Trash-Klamauk, kunterbunt zusammengeklaut, und die kurzweilige Begegnung einer ehrlichen und amüsanten Popwelt. Wenn die New Yorker Tanzmariechen Scissor Sisters die Bühne schocken, dann hat es den ähnlichen akustischen und optischen Effekt, als würden die Bee Gees, Frankie Goes To Hollywood und Jimmy Summerville Elton John auf ein paar Ecstasy einladen und gemeinsam das Mikro rocken. Bei den Scissor Sisters rotiert im Samstag-Nachtfieber die Diskokugel mit dem klassischen 80er-Poprock-Sound im Grusicalmantel. Zum ersten Mal präsentieren die crazy People in knatschgrellen Farben ein DVD-Paket mit lauter Live-Ergüssen und extra-intimer Bandvorstellung.

›We Are Scissor Sisters And So Are You‹. Im Leben nicht. Diese scherenscharfen Schwestern sind Village People eines Übersee-Karnevals, irgendwo auf einer chemischen Kamelle hängen geblieben. Damit will ich persönlich nix zu tun haben. Frontmann Jake Shears zeigt sich gerne halbnackt in Ledertracht und tanzt sich dabei sexy. Egal, ob beim euphorischen Opener ›Take Your Mama‹, dem Schunkelhit ›Laura‹ oder der Schnulze ›Mary‹, das ebenfalls bedröhnte Publikum grölt jede Songzeile mit und wirkt berauscht von der exzentrischen Bühnenshow. Auf dem Benicassim Festival 2004 läuft der Sänger nur mit einem Handtuch bekleidet über die verschwitzte Bühne. Der Baumwollfetzen verdeckt selbstverständlich nur sein Allerheiligstes, und dies muss er natürlich im heißen Finale durchlüften. Seitdem bin ich übrigens blind. Dieses DVD-Paket bringt einem die Scissor Sisters live ins Wohnzimmer, und zusätzlich erhält man noch weitere aufschlussreiche Informationen. Als Extra-Bonus gibt es noch was ganz Ausgebufftes: ein Fanposter für die Wand. Das ist so dermaßen hässlich, das würde ich meinem schlimmsten Feind noch nicht mal ins Klo hängen. Ich sage nur »Traumposter« aus der Bravo der 80er-Jahre. Da gönne ich mir doch die melodischen Klänge aus dem schönen Glasgow. Snow Patrol präsentieren sich ebenfalls mit einer Konzertreise auf DVD: ›Live At Somerset House‹. Bei dieser frischen Luft kann man wunderbar durchatmen. Hier lauscht man den schönen Pophymnen und erfreut sich an vier sympathischen Musikern, die auch ohne Lendenschurz sexy wirken und bereits seit zehn Jahren gemeinsam die Indie-Szene unsicher machen. Neben fünfzehn Songs, mal wild rockig, mal traurig schön, macht es hier auch Sinn, die Band Backstage zu erleben. Sänger Gary Lightbody und seine Kollegen haben sichtlich Spaß auf der Tour durch Japan und die USA. Da werden gerne mal ein paar Sprüche geklopft. Als Nicht-Schotte muss man sich zunächst an den wunderbaren Akzent gewöhnen, bevor man jede Pointe verstehen kann. Zwischen akustischen Instore-Gigs, verschiedenen Live-Shows, Backstage-Albereien erlebt man Snow Patrol auf ihrer Beobachtungsreise durch Tokio. Da lernt man mit schottischem Humor etwas über die japanische Flora und Fauna und die faszinierende Welt des Spielzeugs kennen. Außerdem sieht man, dass sich auch trinkfeste Schotten durchaus im japanischen Nachtleben wohlfühlen können. Für alle, die kein Musikfernsehen zu Hause empfangen, gibt es zusätzlich die Videos der Hitsingles ›Run‹, ›Spitting Games‹ und ›Chocolate‹. Ein kompaktes Bandpaket, um seine Lieblingsband immer greifbar zu haben oder um eine neue Lieblingsband in die Arme zu schließen.



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