Joni Mitchell

»Dreamland«

[DVD / Rhino / Wea]

17.12.2004, 15:47, Text: Markus von Schwerin, Markus von Schwerin

Ah, Blockflöten! Auf jeden Fall eine gute Entscheidung, mit dem charakteristischen Intro von ›Free Man In Paris‹ diese Compilation zu eröffnen, für die Joni Mitchell einmal mehr selbst verantwortlich zeichnet. Waren es doch vor allem die Holzbläser-Passagen, die ihren Alben von 1972 bis 75 jene unverwechselbare Note gaben. Aber natürlich auch der entspannte Tonfall ihrer nicht mehr ganz so hohen Stimme, die selbst eingesungenen Backing-Vocals (ein Markenzeichen, das sie sich mit Laura Nyro teilte) und ihre »weird chords« (J. M.) im federleichten Zusammenspiel mit der Band L.A. Express kennzeichneten Joni Mitchells Musik aus dieser Zeit.

Und natürlich die Texte: Wurden widersprüchliche Verliebtheitsgefühle je besser eingefangen als in ›Help Me‹? Oder eine unbeschwerte Urlaubsstimmung je glaubhafter zelebriert als im besagten Eingangsstück? Als sich Joni Mitchells Poesie schließlich vom rein Autobiografischen löste und sie mehr kontemplative Wege einschlug, reagierten viele Fans befremdet. Ähnlich, wie es gerade Tom Liwa ergeht, dessen aktuelles Album besonders zu Mitchells jazziger ›Hejira‹-LP (der wimmernde bundlose Bass!) Bezugspunkte aufweist. ›Dreamland‹ gelingt es nun, sowohl dem Mitchell-Einsteiger einen umfassenden Einblick in ihr Werk zu bieten als auch Songs hervorzuheben, die (wie etwa das nur auf Perkussion reduzierte Titelstück von 1977 oder das hierin noch extremere ›The Jungle Line‹) seinerzeit als »karg und monoton« abgetan wurden, heute aber extrem modern klingen. Lediglich die drei End-Achtziger/Früh-Neunziger-Kompositionen fallen auch im neuen Kontext ab. Dagegen dürften zum Ende hin die Auszüge der zuletzt erschienenen Orchesterplatte ›Travelogue‹ jedem, dem diese genialen Neuinterpretationen vor zwei Jahren entgangen sind, klar machen, was auf dem nächsten Wunschzettel an oberster Stelle stehen muss.



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