First Aid Kit
»The Lion’s Roar«
[Wichita / Pias / Rough Trade]
Text:
Felix Scharlau
Vom schwedischen Folk-Purismus-Duo zum international vernetzten Neo-Country-Projekt. Featuring Mike Mogis, Conor Oberst und viel Pathos.
Anfang 2009 bildete das Konzert der beiden nahezu unbekannten Schwestern Klara und Johanna Söderberg noch das Highlight der jährlich in Groningen stattfindenden Indie-Talentshow Eurosonic. Danach folgten viele weitere fantastische Auftritte auf der ganzen Welt – allerdings auch eine EP und ein Debütalbum, auf denen sich die Band etwas unter Wert verkaufte. Grund: First Aid Kit hatten hier vor allen Dingen versucht, das intime Set-up der Live-Shows naturalistisch, also entsprechend reduziert wiederzugeben. Jetzt liefern die beiden mittlerweile volljährigen Schwedinnen ihr vollinstrumentiertes Aufnahme-Meisterstück ab.
»The Lion’s Roar« erweitert die fragilen Folk-Songs unter der Leitung des Saddle-Creek-Hausproduzenten Mike Mogis um die Klangfarben einer klassischen Country-Besetzung: Streicher, Schlagzeug, Slidegitarre, Bass (gespielt vom Vater der Band), Gastsänger (siehe gleich). Die Stücke erhielten, derart inszeniert, endlich die Dynamik und das Pathos, um den internationalen Standard des introvertierten Singer/Songwriter-Albums endgültig in Schutt und Asche zu umarmen. Ein Ausbruch aus dem Purismus-Knast aus Akustikgitarre und traurigen Mienen. Fantasy-Nebeneffekt: Mit Conor Oberst (Bright Eyes), dem Ex-Indie-Wunderkind aus Nebraska, singen die beiden Ex-Indie-Wunderkinder aus Schweden, die nicht zuletzt wegen Bright Eyes einst zur Band wurden, endlich auch auf Platte im Duett. Hoffentlich hegen First Aid Kit noch Wünsche jenseits der 20. Auf den letzten paar Metern zum Gipfel könnte es bald schon langweilig zugehen.
In drei Worten: Electric-Folk / 18 / Brillant
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