Bill Wells
»Lemondale«
[Domino / Rough Trade]
Text:
Felix Klopotek
Wells fuhr nach Tokio, um dort innerhalb von nur einem Tag (!) mit japanischen Jazz- und Experimentalmusikern den Soundtrack einer imaginären japanischen Fernsehserie zu vertonen: »Lemondale«. Ergebnis: angemessen free bis irre.
In den letzten zehn, fünfzehn Jahren hat es der schottische Multiinstrumentalist und Komponist geschafft, eine Musik, die eigentlich untrennbar mit den 70er- und 80er-Jahren verschmolzen ist, für die Gegenwart neu zu entdecken: sanft modernistischen Big-Band-Jazz in der Tradition Carla Bleys, amalgamiert mit Elementen aus Easy Listening und britischem Progrock aus der sogenannten Canterbury(= Soft Machine)-Tradition.
Das war weder spektakulär noch innovativ, aber eigenwillig und in seiner Sanftheit sympathisch. Auf »Lemondale« verwirklicht Wells seine Arbeitsweise nach wie vor sehr konsequent, vielleicht sogar bis dato am nachdrücklichsten: Er fuhr nach Tokio, um dort innerhalb von nur einem Tag (!) mit japanischen Jazz- und Experimentalmusikern – angeleitet von Jim O’Rourke, der vor einigen Jahren bei Sonic Youth kündigte und von New York nach Japan zog – den Soundtrack einer imaginären japanischen Fernsehserie zu vertonen: »Lemondale«. Ein Unternehmen, das nur funktionieren konnte, weil er den Musikern freie Hand gewährte, seine Kompositionen und Arrangements nach eigenem Gutdünken umzusetzen. Vor allem Pianist Satoko Fuji und Jim O’Rourke haben diesen Freiraum angemessen genutzt – das Piano trägt die mal mehr elegischen, mal hübsch albernen Songs, während im Hintergrund ganz offensichtlich O’Rourke für angenehm kratzige Störgeräusche und Gitarrendissonanzen sorgt.
In drei Worten: FREE / JAPAN / EXPERIMENT
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