Wild Flag
»Wild Flag«
[Wichita / Pias / Rough Trade]
Text:
Björn Sonnenberg
All-Star-Post-Riot-Grrrl-Projekt (Sleater-Kinney, Helium), das aber gerade ohne die Namedropping-Verdenkmalisierung glänzen kann.
Mit vielen Dingen auf der Welt, zu denen man starke Gefühle hat, ist es so, dass man alles, was zu sagen ist, in einem Satz unterbekäme – oder aber einen ganzen Abend lang darüber referieren könnte. »Mal eben kurz beschreiben«, was man hasst oder liebt, ist eine hohe Kunstform, die sehr viel mit der Reduktion auf das Wesentliche zu tun hat. Der eine kurze Satz, den ich zu Wild Flag sagen würde: Das Album ist großartig, und jeder Haushalt sollte zwei davon besitzen.
Oder in der langen Abend-Version: Die Band besteht unter anderem aus Carrie Brownstein und Janet Weiss von Sleater-Kinney und Mary Timony von Helium. Wenn man diese Bands kennt, hat man bereits eine recht gute Vorstellung davon, wie Wild Flag klingen. Falls nicht, was nicht unwahrscheinlich ist, da die beiden seit fünf bzw. 14 Jahren aufgelöst sind und leider nie komplett ihren Nischenstatus verlassen konnten (anders als etwa die Yeah Yeah Yeahs oder The Gossip, die wiederum schwer von Sleater-Kinney beeinflusst sind), versuche ich es rasch: zugleich an Gruppen wie den Shangri-Las und Slits geschult und ein bewusst unfetter, aber straighter Gegenentwurf zu Rock, bei dem die Gitarren entweder trockener und skelettöser oder aber sehr viel überkandidelter sind. Grundgefühl in Sound, Text und Haltung ist eine aufbegehrende Rast- und Atemlosigkeit, wichtiger als alles Beschreiben von Klangästhetik aber: Die Songs sind ganz enorm. Hits! Ich werde damit sicher nicht der Bedeutung der Künstlerinnen gerecht, nicht der (gender-)politischen Dimension ihres Schaffens und nicht ihrer langen Geschichte, die zu dieser herrlichen Platte geführt hat, aber man muss vielleicht auch gar nicht immer das ganze Riesenprisma des Gesamtkontexts mitdenken. Am besten ist Musik eventuell dann, wenn sie ohne einen Kontext, ohne jegliches Vorwissen funktioniert und dennoch alles klarstellt, einfach, weil sie so dermaßen gut ist. Und so ist es, zackbumm.
In drei Worten: SLITS / HITS / POWER
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