Sigur Rós
»INNI«
[CD+DVD / Pias / Rough Trade]
Text:
Helmar Becker
Live erlebt man die Isländer neben den leisen Passagen überraschend krachig – manche kurzzeitig aufgeschüttete wall of sound könnte sogar Mogwai Konkurrenz machen.
Mit Konzertfilmen ist das ja immer so eine Sache. In Zeiten, in denen jeder mit dem Handy filmt, mangelt es nicht gerade an bildlichen Erinnerungen. Im Netz finden sich nach quasi jedem halbwegs relevanten Konzert Dutzende Clips auf YouTube und Co. Allesamt natürlich zum Davonlaufen, übersteuert, verwackelt. Das Gegenstück dazu ist »die gut ausgeleuchtete Aufnahme« – mit festen sowie bewegten Kameras, mit Totalen.
Und nicht zu vergessen reingeschnittenen Close-ups vom Drummer, bestenfalls auf den ersten Schlag des Takts der Bridge zum Refrain. Die Profiversion ist ehrlich gesagt aber: fast noch öder. Sigur Rós waren sich dessen bewusst, als sie für ihr Doppel-Live-Album »INNI« (aufgenommen vom letzten Konzert im Alexandra Palace in London) auch einen 75-minütigen Film produzierten. Schwarzweiß, Gegenlicht, Schatten, Schleier-Effekte. Das Ergebnis gibt ihnen recht. Zwar wirkt die visuelle Inszenierung mächtig pathetisch – was aber würde besser passen zu einem Konzert der Isländer? Live erlebt man sie dabei neben den leisen Passagen überraschend krachig – manche kurzzeitig aufgeschüttete wall of sound würde hier sogar Mogwai Konkurrenz machen. Ein Weihnachts’n'Fan-Gadget, das sich tatsächlich mal lohnt.
In drei Worten: LIVE / LAUT / LEISE
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