Dirty Projectors with Björk
»Mount Wittenberg Orca«
[Domino / Rough Trade]
Text:
Felix Klopotek
Nichts an dieser Kooperation ist »sperrig«, und gleichzeitig ist es unmöglich, mitzusummen oder sich wohlig in die Songs hineinzufühlen.
David Longstreth, Mastermind der Dirty Projectors (jahrelang einziges Mitglied), setzt Björk hemmungslos prominent ein, offensichtlich basieren die Songs auf ihrer gesampleten Stimme, manchmal übernimmt sie auch den Lead-Gesang, und immer kommt der Hörer in den Genuss, sie sowohl als Haupt- wie als Nebendarstellerin, als gleichberechtigte Kooperationspartnerin wie als Spielmaterial für Longstreths extravagante Pop-Fantasien zu erleben.
Es ist nicht leicht auszumachen, wessen Glanz hier auf wen fällt. Aber »Mount Wittenberg Orca« will auch gar kein Ego-Trip sein: Streng genommen geht es weder um Björk noch um Longstreth, sondern um die Neuerfindung des Kunstliedes, um Progressive Pop zwischen David-Lynch-Nostalgie und 70er-Jahre-Artrock-Retrospektive. Einige Arrangements könnten auch von John Cale stammen – alter Pop-Adel. Die sieben Songs sind eine Anstrengung der Eleganz, hinter die der Indie-Darling und der Popstar charmant zurücktreten. Nichts an dieser Musik ist »sperrig«, und gleichzeitig ist es unmöglich, mitzusummen oder sich wohlig in die Songs hineinzufühlen. Viel Zeit bliebe ohnehin nicht: »Mount Wittenberg Orca« (das es auch als überkandidelte, extraschwere, handnummerierte Doppel-Vinyl-Variante geben wird) dauert ganze 21 Minuten. Andere hätten das Material auf fünfzig Minuten ausgewalzt. Das spricht für Longstreth.
In drei Worten: GESPREIZT / EXTROVERTIERT / OBSESSIV
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