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Feist

»Metals«

[Polydor / Universal / VÖ: 30.09.2011 ]

Text: linus volkmann, Christian Steinbrink
[18 Kommentare]

Auch wenn das letzte Album aus dem Jahr 2007 stammt, ist Leslie Karriere nicht im Fade-Out-Modus. Im Gegenteil, nach „The Reminder“ warten Indies, Galeriebesitzer und Normalos auf ihren nächsten Schritt. Hier ist er - aber wo geht er hin?

Vier Jahre brauchte es, um Leslie Feists Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Angefangen mit der Untermalung eines Werbespots über den Release des letzten Albums bis hin zu dem lustigen Videoclip zur Hitsingle »1234«. Unterbrochen natürlich von ständigen Tourneen über den ganzen Erdball. Gut vorstellbar, dass das Album nach so einem Durchbruch für einen empfindsam-verqueren Charakter wie Feist eine noch größere Nagelprobe darstellte als schon für andere Künstler. »Metals« aber zeigt: Sie hat diese Herausforderung mit Bravour gemeistert.

»Metals« verströmt eine würdige, erwachsene Ruhe. Die Stücke changieren zwischen vollkommen reduziert (»Undiscovered First«) und sacht orchestriert (»Bittersweet Melodies«), und es sind mit »Graveyard« und »The Circle Married The Line« wieder mindestens zwei ohne Umschweife als solche zu erkennende Hits dabei. Trotzdem verwundert an »Metals« vor allem seine zauberhafte Intimität. »Metals« ist ein großes, klassisches Songwriter-Album, das den kritischen Augen der neu gewonnenen Öffentlichkeit ohne Frage standhalten wird. Die sinnlich-seriöse Güte dieser Musik wird Feist auch noch größer werdende Bühnen meistern lassen.  
Christian Steinbrink


- Leslie Feist macht nun so richtig ernste Musik. Man hatte es ja schon kommen sehen, aber trotzdem nervt es. Doch von vorn: Nicht dass ihre früheren Stücke wirklich von fidelem Kaugummi-Folk gezehrt hätten, natürlich nicht. Aber dennoch war im Kosmos Feist immer auch Platz für die Brechung, fürs Unerwartbare geblieben. Und für Optimismus neben der veträumten Melancholie, ja, selbst für die eine oder andere Albernheit. Das ist auf »Metals« nun alles off. Feist ist einem populären Irrglauben aufgesessen. Nämlich der, sie müsse jetzt ihre „große“ Platte machen. Bei all dem Staatstragenden, das damit einhergeht, wundert einen auch nicht die große Lücke, die zum letzten Album klafft. Die schwere Bedeutsamkeitsfuchtel ist omnipräsent, kein Vergleich mehr zu dem vergnüglichen Gejamme mit komischen Freaks, das letztlich zu dem Vorgänger »The Reminder« führte – und sich sehr schön dokumentiert findet in der dieses Jahr erschienenen DVD über jenen Produktionsprozess in Kanada. Auf »Metals«  indes spürt man, wie jede Idee fünfmal gewendet und betrachtet wurde – über Monate. Das alles macht das Werk sicher nicht reizlos, raubt aber einer Künstlerin wie letztlich Feist mehr, als es ihr je zurückgeben könnte.
Linus Volkmann

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  • User: Intro
  • Intro 31.08.2011 | 11:36:00

    Auch wenn das letzte Album aus dem Jahr 2007 stammt, ist Leslie Karriere nicht im Fade-Out-Modus. Im Gegenteil, nach „The Reminder“ warten Indies, Galeriebesitzer und Normalos auf ihren nächsten Schritt. Hier ist er - aber wo geht er hin?

  • snorey 30.09.2011 | 00:02:13
    L´idiot, c´est chic!
    Galeriebesitzer... HAHAHAHAHAHA!
    Ausnahmsweise hat mich diese Postille gut unterhalten.

    Editiert von snorey am 30.09.2011 00:03:53
    Editiert von snorey am 30.09.2011 00:20:49

  • User: der kackofant
  • der kackofant 30.09.2011 | 09:21:36
    kannibalist

    worin lagen nochmal genau deine Verdienste?


    was haben galeriebesitzer dem ösel und linus volkmann bloss angetan? kann irgendwie nichts abwertendes daran finden, eine galerie zu besitzen.

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 30.09.2011 | 13:45:16
    toller specht
    ist dir nicht bekannt, dass galeriebesitzer qua berufswahl zum muzak-konsum verpflichtet sind?

    nee, volkmann, das ist komplette grütze. wenn dir die platte nicht gefällt, fein, aber was du dir da über die entstehungsgeschichte zusammenfantasierst ist schlicht und einfach käse. siehe interview auf pitchfork.

    Editiert von gnathonemus am 30.09.2011 13:45:39

  • snorey 30.09.2011 | 17:55:59
    L´idiot, c´est chic!
    Mit Galeriebesitzer ist doch so ziemlich alles gesagt, was man über Feist, ihre Musik und die Freunde ihrer Musik sagen kann; wir bezeugen quasi die Geburtsstunde der Review in einem Wort.
    Nicht übel, Intro, an dem Konzept vielleicht mal dranbleiben...

  • User: der kackofant
  • der kackofant 30.09.2011 | 18:51:50
    kannibalist
    galeriebestizer sind bestimmt ein rotes tuch für kunst-kommt-von-können-honks... schliesslich machen die ja kohle mit sachen, der kleine sohn/ neffe/ nachbarsjunge besser hinkriegen würde.

  • snorey 01.10.2011 | 01:19:11
    L´idiot, c´est chic!
    Okay...*augenverdreh*... von mir aus... Kunst kommt von Können..., so, bitteschön, habs gesagt...*seufz*... und jetzt darfst du mich gern so oft Honk nennen, wie du lustig bist...

    Editiert von snorey am 01.10.2011 01:20:01

  • User: der kackofant
  • der kackofant 01.10.2011 | 11:04:21
    kannibalist
    ösel ist einsam, weil umi weg ist. ohne schwächere macht das stänkern keinen spass.

  • User: der kackofant
  • der kackofant 30.10.2011 | 22:55:18
    kannibalist
    zu dem review wollte ich noch sagen, dass ich damals eher erleichtert war, dass der verriss von volkmann kam. ich kannte das album zu der zeit noch nicht, aber konnte mich darauf verlassen, dass ich auch diesmal nicht mit ihm übereinstimmen würde. jetzt ist geseier über schlecht besprochene lieblingsalben eher jämmerlich. deshalb will ich auch betonen, dass es mich nicht stört, wenn jemandem das album nicht gefällt - selbst habe ich mehrere anläufe gebraucht, um es zu lieben wie ich es jetzt tue - aber eine kritik, die sich mit: "die ist ja gar nicht mehr lustig" zusammenfassen lässt, finde ich dann doch etwas arm. wenn man sich gerade nicht leichtfüssig fühlt, muss man auch nicht so tun. das album leidet darunter nicht.

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