Tyler, The Creator
»Goblin«
[Beggars / Indigo / VÖ: 06.05.2011 ]
Text:
Thomas Venker
[145 Kommentare]
Das hier ist das Beste, was HipHop in mehr als einem Jahrzehnt passiert ist. No offense Jay-Z, Talib Kweli, J Dilla etc. – hier kommt wirklich die Rettung für ein Genre, das wir schon so gut wie aufgegeben hatten.
Wo fange ich jetzt am besten an? Bei den unerträglichen Sexismen, die Tyler, The Creator, bekanntester Vertreter der Odd-Future-Posse, auch Wolf Gang genannt, so raushaut? Brutalste, krankste Szenarien, in denen Frauen nicht nur erniedrigt, sondern auch aufgeschlitzt und vergewaltigt werden.
Oder bei den völlig konträren Sehnsüchten nach einem Teenagerabend mit Girl im Kino, inklusive Händchenhalten und Popcorn, die man sich auf »Goblin« auch abholen kann? Bei den Drogenposereien? Den Werwolf-Fantasien? Oder vielleicht doch eher bei der Sehnsucht nach soliden familiären Strukturen – denn zumindest hier sind wir uns sicher, nah an die Fakten des richtigen Lebens von Tyler Okunma ranzukommen.
Der heute 20-Jährige ist bei seiner Großmutter aufgewachsen, wohnt noch immer bei ihr – was so gar nicht dem Bad-Boy-Image entsprechen will. Ganz explizit heißt es aber ohnehin, dass er ein »fuckin walkin paradox« sei und ja keiner irgendwas von dem nachmachen solle, was er hier so treibt, schließlich sei es ja Fiktion und er schon gar kein Role-Model. Erfrischend unkonventionell stößt die Posse alle aus dem Weg, die Alten sowieso, die kriegen in all dem Wahnsinn der Teenagerwelt gerade mal eine kleine Disszeile für Gucci-Klamotten ab, mehr aber auch nicht. Genau genommen interessiert sich diese Clique im Aufbruch nämlich einfach nicht für andere, Odd Future ist sich genug. Man zeigt sich zwar mal mit Kanye West beim SXSW und teilt mit Questlove von den Roots eine Bühne bei der Fernsehshow von Jimmy Fallon, eine Supporttournee für Lil Wayne wird aber zum Ärger des Managers genauso lapidar abgesagt wie die meisten Prime-Time-Talkshow-Formate – zu anstrengend die Anreise, zu öde die Characters. Damit ähneln sie dem frühen Wu-Tang Clan, der auch ein ganz eigenes Zeichensystem en detail ausgetüftelt hatte und sehr viele »Termine« nicht wahrnahm. Der Termin mit mir hat ja sogar geklappt. Leider!
Ach, fuck it. Soll er mich doch hundertmal am Stück Schwanzlutscher nennen. Ist doch sein gutes Recht. Würde ich auch gerne viel mehr Leuten an den Kopf werfen – nun ja, bei mir ist das Wort vielleicht ‘ne Spur positiver konnotiert als bei Tyler, aber da sind wir dann eben bei den verschiedenen Hoods und all dem Kram, der letztlich immer größer als ein HipHop-Album bleiben wird. Anders als bei all den alten Säcken mit ihren Sexismen und Schwulenfeindlichkeiten, wo sich bis zum Ende ihrer Lebtage nichts mehr tun wird, habe ich aber ein ziemlich gutes Gefühl, dass Tyler schon bald, vielleicht gar mit dem nächsten Album, andere Texte abliefern wird. Da scheint wirklich eine hellere Sonne, als er sie uns bislang zeigt.
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16.05.2011 | 15:46:54
Tegan And Sara vs Tyler, The Creator
"When will misogynistic and homophobic ranting and raving result in meaningful repercussions in the entertainment industry? When will they be treated with the same seriousness as racist and anti-Semitic offenses?"
"If Tegan and Sara Need Some Hard Dick, Hit Me Up!"
der kackofant 16.05.2011 | 15:59:59
kannibalist
k.i.z. wurden seinerzeit für weit weniger aus dem magazin verbannt...
Silo Tharrazin 16.05.2011 | 16:03:35
Chimpie wurde seinerzeit für weit weniger aus dem Forum verbannt...
art_i_ficial 16.05.2011 | 17:00:44
freedom oy!Anders als bei all den alten Säcken mit ihren Sexismen und Schwulenfeindlichkeiten, wo sich bis zum Ende ihrer Lebtage nichts mehr tun wird, habe ich aber ein ziemlich gutes Gefühl, dass Tyler schon bald, vielleicht gar mit dem nächsten Album, andere Texte abliefern wird. Da scheint wirklich eine hellere Sonne, als er sie uns bislang zeigt.
nicht zu fassen.
nanker 16.05.2011 | 17:13:56
und bei k.i.z. waren die "achtung achtung, wir meinen es nicht ernst"-fähnchen noch viel eindeutiger gehisst. verstehe dann ebenfalls nicht so ganz warum so dermaßeb mit 2 maßstäben gemessen wird. weil seine texte nicht deutsch sind und die coole indiecrowd ihn cool findet?
_kraftwerk_ 16.05.2011 | 17:52:20...Q-Tip von den Roots...
soso...
snorej 16.05.2011 | 18:30:41
ich könnt ein roman schreiben ich mag aber nicht. nur soviel...
er trägt vans & stüssy anstatt prada & gucci, na denne.
ich kann mir auch in meinem leben soviel vorstellen, dass glaubt ihr gar nicht.
thomas venker hört sich an wie dani cohn bandit als er damals im mousonturm die pressekonferenz mit den onkelz hielt.
BadBrain 16.05.2011 | 18:54:43
zack! regierung gestürzt.
ich hab mit der einleitung aufgehört, die rezension zu lesen. denn zwar mag yonkers ein überbrett von track sein. der rest der platte ist es leider nicht. billige casio-presets dengeln sich durch viel zu lange "songs", die trotzdem nur fragmente bleiben.
den vergleich mit k.i.z. finde ich durchaus richtig. bei beidem höre zumindest ich die ""achtung achtung, wir meinen es nicht ernst"-fähnchen" sehr deutlich. aber spielt die diskussion wirklich noch für jemanden ne rolle? hans hatte glaube ich mal angeboten, unsere plattensammlungen nach allen möglichen ismen durchzugehen. da bleibt nicht viel übrig.
Reverend 16.05.2011 | 18:54:54
war immer aufrichtig
"I'll rape a pregnant bitch and tell em it's a threesome."
Haha, wie lustig! Da freue ich mich auch mal auf die nächste Platte.
Reverend 16.05.2011 | 18:55:49
war immer aufrichtig
"Golden" ist aber doch auch super. Und "Radicals". Es ist nicht so, dass die Platte komplett scheiße wäre. Das macht's nicht einfacher.
snorej 16.05.2011 | 19:00:55"Golden" ist aber doch auch super. Und "Radicals". Es ist nicht so, dass die Platte komplett scheiße wäre. Das macht's nicht einfacher
ach, was ist im leben schon einfach. und nun zum fußball...
ach lieber nicht.
der kackofant 16.05.2011 | 19:53:25
kannibalisthans hatte glaube ich mal angeboten, unsere plattensammlungen nach allen möglichen ismen durchzugehen. da bleibt nicht viel übrig.
^ ^ nee, so viel zeit hab ich nicht. ich hatte, eher im kantschen sinne angeregt, jeder solle, bevor er den zeigefinger schwingt, mal seine eigene plattensammlung überprüfen.
der kackofant 16.05.2011 | 20:09:02
kannibalist
eben gerade in diesem sinne fand ich es besonders albern von der intro, quasi mit stolzgeschwellter brust zu verkünden, dass kiz von denen nicht mehr gefeaturet würde, weil man ja zu den guten gehöre und sexismus (selbst wenn ironisch gemeint) schliesslich bäh ist. da muss man eben von zeit zu zeit auf die fehlende konsequenz (um nicht zu sagen heuchelei) hinweisen.
Silo Tharrazin 16.05.2011 | 20:50:53
Da ist die Kacke bestimmt jetzt am dampfen - im kackofantschen Sinne.
joe public 16.05.2011 | 21:50:39The thing is though, I'm not even remotely interested in being entertained by rape rap, no matter how clever or dumb
Reverend 16.05.2011 | 21:55:42
war immer aufrichtig
Said who?
joe public 16.05.2011 | 22:01:01
let's see
oder so: http://thequietus.com/articles/06232-tyler-the-creator-goblin-review
Editiert von
joe public am 16.05.2011 22:02:14
Reverend 16.05.2011 | 22:06:59
war immer aufrichtig
Right. Thanks a lot.
nanker 17.05.2011 | 09:52:23
album finde ich im übrigen ganz gut. nicht überragend, aber auch nicht schlecht.
dieses schlechte produktions-ding habe ich jetzt schon häufiger gelesen, stört mich persönlich allerdings kein bisschen.
frischer style, frische attitüde, ein paar tolle tracks - im ganzen aber vllt ein bisschen zu lang (was aber für circa 95% aller rap-alben zutrifft): reicht doch im davon hervorragend unterhalten zu werden. mann muss ja nicht gleich die revolution ausrufen.
midnight_man 17.05.2011 | 13:36:38
ganstarap'n'b? gruselig!
Hipecac_243 17.05.2011 | 15:17:10
(in Gedanken ganz woanders):
Is hip-hop homophobia at a tipping point?
Thomas Venker 17.05.2011 | 15:34:53
es ist eine alte und lange diskussion, ob man musik, die man rein musikalisch gut findet, noch mögen darf, wenn sie nicht von den richtigen leuten kommt und nicht die richtige haltung / ansichten etc. vertritt.
eine berechtigte diskussion. zu straight edge zeiten ging das soweit, dass wir die bands, deren mitglieder nicht straight edge waren, skeptisch beäugt haben.
rocko schamoni hat aus dieser grundthematik mal einen song über liebe und politik gebastelt: "C.D.U."
als hiphop dann damals auch in europa aufkam, sorgte das ja nicht zufällig für eine größere identitätskrise in der musikschreibe: wie sollte man sich dazu positionieren? wie kann man (unter anderem themenfeldern) mit diesem offensiven sexismus umgehen? welche rolle spielt die eigene existenz als weißes mittelstandskid dabei und inwieweit hat man das recht in die schwarze community hinein als korrektor und mahner zu agieren.
ich erinnere mich an etliche spex artikel, die diesen umbruch, den das für schreibe und diskurs bedeutete, thematisierten. mal theoretisch von diedrich diederichsen oder greil marcus angegangen, oft auch als erlebnisbericht (man erinnere sich an diederichsens mitreise im tourbus von ice t zu body count zeiten).
heute, zwanzig jahre später, ist die angelegenheit noch immer schwierig. ich habe ja nicht zufällig den einstieg in die besprechung so gewählt. und natürlich haben wir auch kiz dabei intern diskutiert. letztlich bleibt kein anderer weg als das einzelfall für einzelfall zu diskutieren und für sich zu entscheiden.
ich halte tyler musikalisch für wirklich sehr talentiert, das album für extrem gut - klar reibe ich mich an den texten. wobei man - und darauf bin ich ja auch eingegangen soweit es der platz der plattenbesprechung zuließ - sich die widersprüchlichkeit dieser texte genau anschauen muss. es ist ja nicht so, dass tyler wie andere in seinem genre in einem fort die gewalt- und sexismus- und schwulenfeindliche nummer fährt, das album hat textlich (ausgedruckt waren das mehr als 20 din4 seiten und ich habe die texte alle gelesen, da ich ihn auch interviewt habe) ja auch eine krass andere seite, wo er davon spricht, dass er richtige familiäre strukturen beim heranwachsen vermisst hat, dass er sich nach einem romantischen date mit händchenhalten sehnt, dass er zu depressionen neigt und selbtsmordgedanken hat.. sprich für hiphop wird hier auch viel "uncoolness" und verletztlichkeit performt....
das alles wirft fragen auf. genau deswegen habe ich ihn dann ja auch interviewt. ich kann nicht sagen, dass es wahninnig viel an erkenntnis mit sich gebracht hat, für mich, außer dass man es bei tyler mit einem kind zu tun hat, dass noch sehr viel unreifes raushaut und oft zu wenig vorm sprechen nachdenkt - das aber immerhin zuhört und sich die kritik an seinen texten genauso anhört wie das wortergreifen für die eigenen schwulen freunde. eine form von kulturellem austausch und argumenten, die ihm da, wo er herkommt, nicht so oft unterkommen.
die welt ist nicht nur weiß und schwarz, reizvoll wird es oft genau dort, wo sich die haltungen / meinungen etc begegnen und prozesse in bewegung kommen. in diesem sinne: lasst uns weiter diskutieren.
ubercool 17.05.2011 | 15:48:38
Ask Tyler Haley a question
Reverend 17.05.2011 | 15:52:38
war immer aufrichtig
Ok, das ist alles sehr nachvollziehbar und verständlich argumentiert.
Wenn die Plattenkritik noch etwas klarer diesen Standpunkt vertreten hätte (dass man eben nicht genau weiß, wie man das hören/finden kann), anstatt einzusteigen mit "Das hier ist das Beste, was HipHop in mehr als einem Jahrzehnt passiert ist." (ist es eben nicht, das ist doch wieder so ein Hypeding, dem man zu schnell nachläuft, aber OK, darüber kann man immer streiten), hätte man die Diskussion hier vielleicht auch gleich eingangs anders geführt.
Reverend 17.05.2011 | 16:02:54
war immer aufrichtig
like, i recently went to belgium, i love waffles, and my expectations on a belgian waffle was so high, that when i finally got one, i was dissapointered. but thats because i was expecting some other shit and was being bias because of that. so, because of that, i had to tell myself to get out of the hype that i had for the waffles, and actually taste it like a regular waffles, and noticed that overall it was a really good fucking waffles, its just that my mind was set on some other shit because of my corny expectations.
Hihi.





