Cloud Control
»Bliss Release«
[Pias / Rough Trade]
Text:
Maja Schäfer
Nach 39 Minuten und zehn Songs verspürt man jedenfalls das dringende Bedürfnis, sich Blumen ins Haar zu flechten und Jesuslatschen umzuschnallen – na, wenn das keine Empfehlung ist.
Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Und wer bezüglich der täglichen Dosis melancholischen Folks auch mal den Anbieter wechseln möchte, dem seien statt Marktführer Fleet Foxes hier Cloud Control aus Down Under als ein ebenbürtiges Pendant ans warme Herz gelegt: Das Quartett vereint auf seinem Debüt „Bliss Release“ hinreißende Melodien mit zwei aufs Honigsüßeste harmonierenden Leadsänger-Stimmen. Okay, die Bandgeschichte liest sich zugegebenermaßen wie das Drehbuch einer „High School Musical“-Fortsetzung: Mädchen meldet zwei Freunde, ihren Bruder und sich selbst bei einem Bandcontest an. Problem: Mädchen und Kollegen haben weder eine Band noch Songs. Lösung: Sie gründen eine Band und gewinnen den Wettbewerb. Das entstandene Erstwerk entspricht dennoch nicht hingeschludertem Happy-go-lucky-Pop, der von einer Combo mit solch vermeintlichem Disney-Background zu erwarten wäre, sondern ist im Gegenteil ein psychedelisches Meisterwerk aus verzerrten Gitarren, Afrobeats, ausgelassenem Handclapping, Tamburinen und Chören. Lediglich in puncto Texte stößt man auf die eine oder andere Plattitüde – aber sei’s drum, über die kann man angesichts der sonstigen Qualitäten nun wirklich getrost hinwegsehen. Nach 39 Minuten und zehn Songs verspürt man jedenfalls das dringende Bedürfnis, sich Blumen ins Haar zu flechten und Jesuslatschen umzuschnallen – na, wenn das keine Empfehlung ist.
In drei Worten: FLEET / FOX / FOLK
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